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Marburg Mudda Natur in Marburg
Marburg Mudda Natur in Marburg
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00:15 02.01.2019
Tilman Schmidt (von links), Anna Kochanow-Janssen, Johannes Grenzebach und Lukas Janssen wollen mit dem Unverpackt-Laden „Mudda Natur Marburg“ am Steinweg plastikfrei durchstarten.  Quelle: Ina Tannert
Marburg

Knisternde Plastiktüten im Einkaufskorb, abgepackte Waren in festen Mengen und unter Kunststoff verborgen, einzeln verpackte Bananen in der Styroporwanne – was Alltag in üblichen Supermärkten bedeutet, ist für das Unternehmerteam von „Mudda Natur Marburg“ ein Graus.

Anna Kochanow-Janssen, Lukas Janssen, Johannes Grenzebach und Tilman Schmidt haben der Verpackungsflut am Markt den Kampf angesagt. Auf Plastik, Folien, Verpackungen generell wollen sie verzichten, Waren für den täglichen Bedarf stattdessen lose und in wählbaren Mengen anbieten.

Lebensmittel aller Art, aber auch sogenanntes „Non-Food“, wie etwa Hygieneartikel, sollen in einigen Wochen die Regale am Steinweg 3 füllen. „Bei uns gibt es dann alles, was man aus dem normalen Supermarkt kennt – nur eben verpackungsfrei, aber auch direkt aus der Region“, sagt Anna Kochanow-Janssen, die mit Ehemann Lukas Janssen den Blumenladen „Kochanow“ am Steinweg betreibt.

Neben dem Verpackungs-Tabu setzt das neue Unternehmer-Team auf regionale Erzeugnisse, deren Produktionswege nachvollziehbar und klimafreundlich sind. „Wir wollen ein nachhaltiges Konzept und das passt gut nach Marburg“, erklärt Agrarwissenschaftler Johannes Grenzebach. Das bedeutet saisonale Lebensmittel heimischer Erzeuger aus Mittelhessen und kurze Absatz- und Transportwege – bei den meisten Lebensmitteln soll die Grenze bei rund 60 Kilometern rund um Marburg liegen. Auf Zwischenhändler wird verzichtet, „vom Feld auf den Teller – das ist das Motto.“

Statt Massenware: kleine Erzeuger als Partner

Gut zwei Jahre hat das junge Unternehmerteam zwischen 26 und 29 Jahren, das bereits Erfahrungen mit eigenen Firmen hat, an dem Konzept gearbeitet. Mittlerweile haben sie ein breites Lieferanten-Netzwerk aufgebaut, wollen gerade kleine Erzeuger mit ins Boot holen. Kontakte knüpfte etwa Landwirt Grenzebach, der einerseits Mitinhaber, zugleich Erzeuger ist und das Geschäft etwa mit dem eigenen Vollkorn-Quinoa, ein Getreide-Ersatz, beliefert.

Ein Teil der Lebensmittel wird vegan, außerdem in Bio-Qualität nach strengeren Öko-Richtlinien angeboten. Doch vor allem steht das Regionale im Vordergrund, „keine Bio-Massenware von der anderen Seite der Welt – wir schauen uns die Produktionsketten an und filtern vor“, sagt Grenzebach.

Was am Ende im Laden und auf dem Teller der Kunden landet, soll lückenlos nachvollziehbar sein. „Es gibt so viele minderwertige Lebensmittel, die weite Wege hinter sich haben – diese Kette werden wir umgehen, wir verpacken unser Essen doch nicht in Müll“, betont Anna Kochanow-Janssen.

Erhoffter Nebeneffekt: Die Kunden planen den Einkauf im Vorfeld, überlegen bewusster, was sie kaufen und werfen weniger weg, ist sich das Team sicher. Zudem soll der Laden ein nachhaltiges Supermarkt-Angebot mit kurzen Wegen für die Oberstadt sein. Mit weniger Abfall und als Gegenentwurf für die Verpackungsflut. „Verpackungen sind heute völlig überproportioniert und schon ein eigener Wirtschaftszweig, wir wollen da was verändern, zum Umdenken anregen“, sagt Tilman Schmidt.

Das Geschäft „Mudda Natur Marburg“ wird wohl einer von zwei Unverpackt-Läden, die im kommenden Jahr in Marburg an den Start gehen. Das Geschäft „Kauf‘s Lose“ will im Frühjahr eröffnen (die OP berichtete). Beide Läden wollen den Markt ein Stück weit revolutionieren – eine Konkurrenzsituation sieht das Team von „Mudda Erde Marburg“ nicht, „die Stadt ist groß genug für zwei Läden.“

Neben dem Handel wollen sie aufklären: In Zukunft planen die vier regelmäßige Workshops und Vorträge rund um die nachhaltige Produktion. Zudem planen sie ein integriertes Kühlschrank-System, das von regionalen Erzeugern im Laden angemietet werden kann.

von Ina Tannert