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Mordlüsterne Gatten beim Frühstück

Lesung Mordlüsterne Gatten beim Frühstück

„Szenen einer Ehe“ präsentierten Ekkehard Dennewitz und seine Frau Uta Eisold in der Waggonhalle - und lieferten mit dem Loriot-Programm einen Widerpart zur weihnachtlichen Familienharmonie.

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Ein Mann, eine Frau, ein Sofa – und eine Qietsche-Ente. Ekkehard Dennewitz und Uta Eisold präsentierten zum ersten Mal ihr Loriot-Programm in der Waggonhalle. Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. „Wenn ich mir diese Szenen ansehe, dann weiß ich, dass meine Entscheidung die richtige war, die Scheidung!“ sagte eine Besucherin im oberen mittleren Alter mit leicht grimmigem Lächeln. Da war die szenische Lesung noch nicht einmal zur Hälfte vorbei, und sie hatte schon „Stoff für mindestens zehn Scheidungen“ ausgemacht.

Aber sie hatte auch bereits mehrfach herzhaft gelacht. Wie der Rest des Publikums, von dessen Ansturm sich die Veranstalter überrascht zeigten. 160 Besucher waren in die Waggonhalle gekommen, wo Ekkehard Dennewitz, ehemaliger Intendant des Hessischen Landestheaters, und seine Frau, die Marburger Schauspielerin Uta Eisold, erstmals auftraten. Die Erinnerung an ihre Darbietungen auf der Bühne des Hessischen Landestheaters Marburg war offenbar noch frisch.

Anlässlich des 90. Geburtstags des im vergangenen Jahr verstorbenen Vicco von Bülow zeigten sie ihr Loriot-Programm „Szenen einer Ehe“. Man kennt die meisten dieser Szenen als Fernsehsketche, die Loriot mit Evelyn Hamann spielte, oder als Zeichentrickfilme. Dennoch schaut man sie sich immer wieder gerne an, im Original, aber auch in der Version von Dennewitz und Eisold, die nun schon seit fünf Jahren läuft. „Wir haben das Programm zu Loriots 85. Geburtstag aufgenommen, als einmalige Sache, aber wir spielen es immer noch“, sagte Dennewitz zu Beginn.

Und das wäre nicht der Fall, wenn es nicht einfach ein Riesenvergnügen bereiten würde, den beiden zuzuschauen, wie aus der scheinbar einfachen Frage „Soll ich das blaue oder das grüne Kleid anziehen“ oder der Beschwerde über ein zu hartes Frühstücksei Gespräche eskalieren, die in der Feststellung „Du interessierst dich überhaupt nicht für mich“ oder „Frauen haben keinen Sinn für einfache, klare Zusammenhänge“ gipfeln - oder gar der Ankündigung „Ich bringe sie um!“

Zu dieser Jahreszeit durfte natürlich das mit süßer Betonung vorgetragene, makabere Adventsgedicht nicht fehlen, in welchem die Förstersfrau ihren Gatten über Kimm und Korn erlegt und ihn danach waidgerecht zerlegt.

Auch Herr Wulff klopft mal an die Tür

Aber auch einige „außereheliche Szenen“ waren dabei, wie die misslungene Affaire der Sekretärin Fräulein Dinkel mit ihrem steifen Chef an ihrem 15-jährigen Arbeitsjubiläum. Oder als das Sofa zur Badewanne wurde, in der sich Dr. Klöbner und Herr Müller-Lüdenscheidt krampfhaft an die gesellschaftlichen Regeln zu halten versuchen, selbst wenn gefordert wird: „Die Ente bleibt draußen!“

Am Ende dieser Szene gab es, wie schon zuvor, als beim Streit um Politik beispielsweise die Namen Bouffier und Schäfer-Gümbel, die FDP und die Grünen eingeflochten wurden, eine kleine kabarettistische Anspielung aus der Gegenwart. Normalerweise betritt ein dritter unbekleideter Herr das Bad und fragt, ob er in Zimmer 107 sei. In dem Fall klopfte Stefan Koch, Saxofonist der die Lesung mit meist jazzigen Einlagen begleitenden Jürgen-Sachs-Band, an die imaginäre Zimmertür und sagte: „Hallo, mein Name ist Wulff, ich wollte fragen, ob das Zimmer schon bezahlt ist.“

Als das begeisterte Publikum nach zwei Stunden nach einer Zugabe verlangte, erfüllte Dennewitz diesen Wunsch mit einer kleinen Hommage an den am 20. November verstorbenen Kabarettisten und Schauspieler Dieter Hildebrandt. „Helmut Kohl liest Matthias Claudius“, kündigte er an und las zum Abschluss im Tonfall des Altbundeskanzlers das von Hildebrandt um Kohls Bekräftigungsrhetorik erweiterte Gedicht „Der Mond ist aufgegangen“.

Von Manfred Schubert

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