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Molière kurz und bündig

Studententheater Molière kurz und bündig

„Der eingebildete Kranke“, „Menschenfeind“ und „Der Geizige“ gehören zu den bekanntesten Komödien von Molière. Das internationale Marburger Theaterprojekt „Dramarasmus“ hat sie vereint.

Marburg. „Dramarasmus“ ist ein europäisches Theaterprojekt, das Studenten aus verschiedenen Nationen vereint. Der Name ist angelehnt an das europäische Studentenaustauschprogramm „Erasmus“. Die zwölf Studenten kommen aus Syrien, Frankreich, Spanien oder aus der Türkei. Manche sind in Deutschland aufgewachsen, haben aber ihre Wurzeln in einem anderen Land, wie der Hauptdarsteller in „Menschenfeind“, Aleksandar Zekic, dessen Eltern aus Serbien stammen.

„Molière in a nutshell“ - einen zusammengefassten Molière boten die Schauspieler in der ausverkauften Waggonhalle. Jedes Stück war auf ungefähr eine halbe Stunde heruntergekürzt. Das war nicht immer einfach, wie es sich in „Der eingebildete Kranke“ erwies, wurde aber von Regisseur Erik Burtchen geschickt gelöst: Auf der Bühne wurde diskutiert, dass Argans Bruder nicht existiert. Husam Aldeen Al Dakak agierte grandios in seiner Rolle des jammernden Argan und weinte seinem Bruder, den er eigentlich habe, hinterher. Hausdienerin Toinette (Hanna Mareike Schmidt) sorgte für Aufklärung und erzählte den Konflikt, der ursprünglich passieren sollte nach. Ein geschickter Schachzug, durch den sich viel Zeit einsparen ließ und die Geschichte schön schlicht blieb.

Das zweite Stück „Menschenfeind“ wurde von Matthias Hauk raffiniert auf die heutige Zeit übertragen. Per Video-Chat unterhielt sich Alceste (Aleksandar Zekic) mit seinem Freund Philinte (Mugisha Jean-Merlin Kandi) und machte seinem Ärger Luft über die Verlogenheit der Gesellschaft. Ausgerechnet in die oberflächliche Célimène (Nadja Bedolla) verliebte er sich. Auf einer großen Leinwand hinter dem halb geöffneten Vorhang sah das Publikum, was sie über ihre zahlreichen Verehrer denkt. Sie hatte es als neuen Status gepostet und damit für jedermann sichtbar gemacht.

Für „Der Geizige“ hatte Ilka Pankow als Regisseurin in Jonathan David den perfekten Harpagon gefunden. Schlaksig und verbissen wirkte er mit seinen Hosenträgern. Seine französische Herkunft merkte man ihm kaum an.

Das sei das Ergebnis des Sprechtrainings, berichtete Ilka Pankow. In der Vorbereitungszeit wurde ein Sprechtraining gemacht, um die Aussprache zu verbessern. Drei Studentinnen, die wegen ihrer Bachelor-Arbeit nicht mehr voll am Dramarasmus-Projekt teilnehmen konnten, hatten sich dafür zur Verfügung gestellt.

Den Studenten des Dramarasmus-Projektes ist mit der Aufführung eine moderne, kurzweilige Interpretation gelungen, die den Kern der Aussage in Molières Stücken getroffen hat.

von Mareike Bader

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