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Marburg Mix aus historischen Fakten und Interpretation
Marburg Mix aus historischen Fakten und Interpretation
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15:34 25.11.2015
Autor Lucien Deprijck bei seiner Lesung im Café Vetter. Quelle: Kristina Lieschke
Marburg

Aus ebenfalls vorgetragenen alten Briefen mit Augenzeugenberichten erfuhr er mehr über die außergewöhnliche Bootsfahrt im Juli 1750, die zur Entstehung dieses Gedichts des damals sehr populären, heute weitgehend in Vergessenheit geratenen Dichters Klopstock führte.

Deprijck fand das Thema spannend: Das füllt doch ein ganzes Buch, sagte er sich, und weil es dieses noch nicht gab, schrieb er es selbst. „Ein letzter Tag Unendlichkeit. Geschichte einer Lustfahrt“ ist 2015 im Züricher Unionsverlag erschienen. Der Autor Lucien Deprijck stellte sein Werk dem Marburger Publikum am Sonntag in der Reihe „Literatur um 11“ im Café Vetter vor.

„18 Menschen, die meisten von ihnen jung, gingen also damals auf eine Seefahrt mit einer Art softem Partnertausch, also Flirts und Küsschen, nicht mehr“, erzählte Deprijck seinem Publikum und betonte, dass dies im Zürich des Jahres 1750 dennoch etwas ganz Außergewöhnliches, am Rande des Skandalösen war. Dann trug er verschiedene Szenen aus seinem Roman vor.

Er entwickelte dabei ein detailliertes Bild des 26-jährigen Friedrich Gottlieb Klopstock, „damals gerade ein aufgehender Stern am literarischen Himmel“, und seiner Züricher Bewunderer und Bewunderinnen. Besonders die Begegnung Klopstocks mit der 17-jährigen Anna Maria Schinz, in die er sich spontan verliebt hatte, stand im Mittelpunkt der einstündigen Lesung.

Deprijck schilderte anschaulich, dass er als Autor sich in weiten Teilen seines Werkes besonders bemüht hat, sich in dieses junge Mädchen hineinzuversetzen, dessen tatsächliche Gedanken und Gefühle natürlich nicht überliefert sind.

„Ein letzter Tag Unendlichkeit“ ist eine Mischung aus historischen Fakten und individueller Interpretation durch den modernen Autor.

von Kristina Lieschke