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Mittelmäßigkeit begeistert Publikum

"Monsters of Liedermaching" Mittelmäßigkeit begeistert Publikum

Lyrisch hohes Niveau, viel Selbstironie und jede Menge Blödsinn begeisterte am Freitagabend das Publikum im ausverkauften Kulturladen KFZ in Marburg.

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Die „Monsters of Liedermaching“ sorgten am Freitagabend mit ihren Liedern über die Durchschnittlichkeit im ausverkauften KFZ in Marburg für viel Spaß.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. Das quer über den Plakataufsteller vor dem KFZ geklebte „ausverkauft“ verheißt in der Regel ziemlich viel Gutes. Wenn am Freitagabend die Menge des bis zum Bersten gefüllten Saales schon vor dem Konzert in Stadionlautstärke „Ohoo-hohoho-hooo - Monsters!“ nach ihrer Abendbeschäftigung grölt, haben die Veranstalter meist Exquisites geladen. Ist Bier das Getränk der Stunde, wird die Nacht immer lang und fröhlich.

Was folgt, als sechs Akustik-Gitarristen auf die Bühne marschieren, ist totale Mittelmäßigkeit, oder besser gesagt, eine Hymne auf Diese. „Ich fahre Golf, schlaf im IKEA-Bett, zahl keine GEZ“, steigen die „Monsters of Liedermaching“ direkt mit einem Gassenhauer ein, der richtungsweisend für den Abend ist. „Bin weder pleite, noch bin ich reich. Ich bin Durchschnitt!“ - Bei der Resonanz des textsicheren Publikums kommt unmittelbar die Frage auf, ob es sich nicht eher um einen Chorabend, als um den Auftritt einer Band handelt.

Das Konzept der Monsters ist simpel, Götz Widmann hat es vorgelebt. Man nehme all seine Ironie, gehe aufmerksam Alltägliches sammelnd durch die Welt und verarbeite alles auf der Akustikgitarre zu anarchischem Punkrock und schunkelnden Balladen. Fertig ist der Liedermacher! Aber es geht noch krasser - mutieren sechs solcher Menschen zu einem „Monster(s) of Liedermaching“, sind poetische Sternstunden vorprogrammiert.

Im Jahr 2003 schlossen sich Pensen (Peer Jensen), Labörnski (Jan Labinski), Fred Timm (Frederik Timm), Burger (Jens Burger), der Flotte Totte (Torsten Kühn) und Rüdiger Bierhorst, die auch als Solo-Künstler auftreten oder in diversen (Punk-)Bands spielen, zu den Monsters zusammen.

Auf lyrisch hohem Niveau, mit viel Selbstironie und jeder Menge Blödsinn im Kopf schafft es die Band spielend, die Menschenmenge vom ersten Ton an für Stunden in allerbester Feierlaune zu halten. Ihr Spektrum ist breit, stetig schwanken sie zwischen ein-, zwei- oder dreistimmigem Gesang, beziehen immer ihr Publikum mit ein.

Die Monsters müssen ab und an ein Lied kurzzeitig aufgrund zu viel kreativen Humors unterbrechen, wenn der Sänger vor Lachen keinen Ton mehr rausbekommt. Sie stellen sich Problemen, die (fast) seit Beginn der Menschheit existieren, wie der vereisten Laterne, deren Zuckerüberzug schon unzählige Menschlein erlegen sind. Blasenschwäche ist bei ihnen kein Tabu, in „Sie ist weg, aber ich hab noch ihre Auflaufform“ werden Trennungen verarbeitet und immer wieder fordern sie das Publikum zum Sitzpogo auf. Sie sind wahrscheinlich die einzige Band, die einen Kühlschrank mit auf Tour nehmen, dessen hopfenhaltiger Inhalt sich über den Abend stark dezimiert.

Die „Monsters of Liedermaching“ bescheren den Fans eine lange Nacht mit großartiger Stimmung und vielen humorvollen Glanzstücken, die vielleicht nicht immer jugendfrei sind, aber dafür viel Stil haben.

von Jan Bosch

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