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Mitreißender Start in die Spielzeit

Landestheater Mitreißender Start in die Spielzeit

Wow - der Auftakt des Hessischen Landestheaters in die Spielzeit 2012/13 hat gesessen: Intendant Matthias Faltz bringt mit großem Aufwand den ­Publikumshit „Die Dreigroschenoper“ auf die Bühne.

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Gangsterboss und Gangsterbraut: Mackie Messer (Oda Zuschneid, rechts) heiratet seine Polly (­Sonka Vogt) vor der Videokulisse eines Sternenhimmels über Hochhauskulissen.Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Und der Haifisch, der hat Zähne, und die trägt er im Gesicht“: Wohl jeder kennt „Die Moritat von Mackie Messer“. Es ist der bekannteste, der am meisten gecoverte Song des bekanntesten und erfolgreichsten Bühnenstücks von Bertolt Brecht: „Die Dreigroschenoper“, uraufgeführt am 31. August 1928 in Berlin, machte den damals 30-jährigen Brecht und den damals 28-jährigen Komponisten Kurt Weill schlagartig berühmt. Bis heute ist „Die Dreigroschenoper“ weltweit ein Publikumshit.

 

Sie wird, das darf man nach der mitreißenden Premiere am Freitagabend (auf den Tag 84 Jahre nach der Uraufführung) in der Stadthalle voraussagen, auch in Marburg der Renner der Saison werden. Intendant Matthias Faltz greift für sein ambitioniertes Bühnenspektakel auf alle Ressourcen zurück, die ihm das kleine Marburger Theater bietet.

Großer Premierenabend im hessischen Landestheater: Die Dreigroschenoper begeisterte die Zuschauer und OP-Redakteurin Nadine Weigel...

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Die Hauptrollen sind glänzend besetzt:Mit Oda Zuschneid schlüpft eine Frau in die Rolle des Gangsters Mackie Messer - nach Auskunft des Landestheaters eine von den mächtigen Brecht-Erben abgesegnete Weltpremiere. Sie singt toll, hat eine starke Bühnenpräsenz und gibt „ihrem“ Gangster genau die richtige Mischung aus „mir kann keiner“ und rücksichtsloser Brutalität.

Thomas Streibig glänzt als knallharter Bettlerkönig Peachum, der aus der Not der Menschen ein lukratives Geschäft gemacht hat. Streibig ist ein alter Hase im Theatergeschäft: Bei ihm stimmt jede noch so kleine Geste. Annette Müller stöckelt als dessen Frau Celia in High Heels über die Bühne: Sie stößt zwar gesanglich bisweilen an ihre Grenzen, macht dies aber durch ihr bewusst stark überzeichnetes Spiel locker wett.

Dies gilt auch für Sonka Vogt in der Rolle der Polly: Sie hat Probleme mit den Höhen in ihren schwierig zu singenden Parts, insbesondere im „Barbara-Song“ vom „Ja und Nein“. Dafür aber bringt sie den Wandel vom naiven Mädchen, das einem Gangster in die Hände fällt, zur abgebrühten Gangsterchefin gekonnt auf die Bühne.

Die beste Sängerin im Ensemble ist unbestritten Seeräuber-Jenny Gergana Muskalla: Ganz toll etwa ist ihr „Kanonensong“, für den es Szenenapplaus gab.

Auch Ogün Derendeli überzeugt als Tiger Brown, als korrupter Polizeichef von London, den eine lange Freundschaft mit dem Mörder Mackie Messer verbindet und der sich erst am Ende der Macht Peachums beugt.

In weiteren Rollen zu sehen sind Katrin Hylla, die als Gangstergeliebte Lucy einen kleinen, aber eindrucksvollen Auftritt hat, sowie Timo Hasenpflug, Jonas Breitstadt, Florian Gierlichs, Michael Schneider und Gerhard Skrypiec als Ganoven, Konstabler und Huren zu sehen.

Da Faltz dank seiner „Don Juan“-Inszenierung auch über einen richtig guten Laien-Chor verfügt, sind auch die großen Chorszenen richtig gut.

Begleitet werden die Darsteller von einer ausgezeichneten Marburger Band, die Weills Musikmix aus Tango, Jazz, Blues und Jahrmarktsmusik unter der Leitung von Michael Lohmann souverän meistert.

Intendant Faltz hat Brechts „Theaterstück mit Musik“ nach der Bettleroper (Beggars Opers) von John Gay und John Christopher Pepusch aus dem 17. Jahrhundert in eine unbestimmte Gegenwart verlagert. Das variable Bühnenbild von Leo Volland und Lars Herzig ermöglicht schnelle Ortswechsel, verstärkt wird der Eindruck durch Videoeinspielungen auf der hellen Front. Zudem hat Faltz, das weiß man spätestens seit seiner „Black Rider“-Inszenierung ein untrügliches Gespür für die optische Wirkung von Licht und Schatten.

So vergehen die 110 Minuten wie im Flug und man möchte eigentlich noch mehr sehen und hören von dieser Geschichte des Mörders Mackie Messer, der am Ende in den Adelsstand erhoben wird. Man soll aber nicht glauben, dass auf jeden armen Schlucker ein reitender Bote des Königs wartet.

„Die Dreiogroschenoper“ ist am Mittwoch, 5. September, ab 19.30 Uhr wieder zu sehen. Weitere Vorstellungen sind am Samstag,15., und Freitag, 28. September.

von Uwe Badouin

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