Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Mit spielerischer Leichtigkeit
Marburg Mit spielerischer Leichtigkeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:07 24.05.2012
Der international renommierte Cellist Julius Berger ist künstlerischer Leiter der Eckelshausener Musiktage.Foto: Bader Quelle: Mareike Bader
Caldern

Nach dem sehr warmen, sommerlichen Tag fand man in der schönen Klosterkirche eine wohltuende Erfrischung. Dazu gab es ein Programm auf ganz hohem Niveau. Denn auch wenn die sechs Suiten für Violoncello solo für jeden Cellisten zu den „Pflichtstücken“ gehört, so stellen sie doch eine große Herausforderung dar.

Die Werke entstanden während Bachs Zeit in Köthen zwischen 1717 und 1723. Da der Urtext fehlt, müssen sich die Cellisten auf eine der vier Abschriften stützen. Die gängigste ist heute die von Bachs Ehefrau Anna Magdalena, an der sich auch Julius Berger orientiert.

Im Gegensatz zu anderen Cellisten schwimmt der künstlerische Leiter der Eckelshausener Musiktage nicht mit dem Strom und versucht die ursprüngliche Spielweise nachzuahmen. Das merkte man gleich zu Beginn beim Prélude der ersten Suite. Anders als gewohnt begann er fast leise und ließ die Musik sich entwickeln. Eigentlich hätte man ja einen starken Anfang erwartet mit markanten tiefen Tönen, denen die wellenartigen Figuren folgen. Aber Bergers Interpretation war ganz im Sinne des Großmeisters Bach, der in seinen Kompositionen immer viel Platz für Interpretationen und vor allem Improvisationen ließ.

Bergers Spiel wirkte auffallend leicht. Die Finger wechselten auch bei den schwierigen Passagen äußerst flink ihre Position und den Bogen führte Julius Berger sehr kräftig, ohne dass man es ihm ansah. Es hatte den Anschein, als mache es keinen Unterschied ob die Passage laut oder leise erklingen sollte. Kräftige „Schrubbarbeit“, wie man sie sonst oft bei Cellisten sieht, suchte man hier vergeblich. Trotzdem hörte man einen wundervollen Klang, der gerade bei der dritten Suite durch seine Homogenität bestach.

Das Publikum hörte gebannt zu. Kaum ein Mucks war während der zwei Stunden in der Klosterkirche zu hören. Einige saßen ganz in sich gekehrt da und genossen die außergewöhnliche Musik mit geschlossenen Augen.

Mit drei Zugaben ließ Berger den Abend ausklingen. Eine war von Pablo Casals (1876 – 1973), der im 20. Jahrhundert der Erste war, der alle sechs Cellosuiten am Stück in einem Konzert aufführte. Nach einem kräftigen Applaus mit einzelnen Bravo-Rufen, stehenden Ovationen und Fußgetrampel verabschiedete sich Julius Berger. Das Publikum nutzte, wie schon in der Pause, den schönen Paradiesgarten der Kirche, um in der lauen Abendluft das schöne Konzert Revue passieren zu lassen.

Das weitere Programm

Noch sechs Konzerte stehen bis Pfingsten auf dem Programm der Eckelshausener Musiktage.

Für den Beethovenabend heute ab 20 Uhr im Schloss Wittgenstein in Bad Laasphe gibt es nur noch Restkarten.

n Unter dem Titel „Dem Himmel nahe!“ gastiert morgen ab 20 Uhr das Harfenensemble Frankfurt in der Stiftskirche Wetter.

Mitglieder des Sinfonieorchesters des Hessischen Rundfunks musizieren am Samstag ab 20 Uhr als „Frankfurter Barocksolisten“ im Glaspavillon Velte in Eckelshausen.

Nur noch Restkarten gibt es für das Konzert von „BRASSerie“ am Sonntag um 15 Uhr in der Lahntalbaumschule Caldern.

„Alla Casanova“ heißt es am Sonntag ab 20 Uhr im Konzertsaal Biedenkopf.

Das Kammermusikfestival endet am Pfingstmonatg mit einem Konzert ab 19 Uhr im Fürstensaal des Marburger Landgrafenschlosses. Das Daroch-Trio spielt „Musik der K & K Monarchie“.

von Mareike Bader

Anzeige