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Mit dem Bösen auf Tuchfühlung

Lesung Mit dem Bösen auf Tuchfühlung

"Auf der Spur des Bösen" und "Im Angesicht des Bösen"lauten die Titel der Bücher von Axel Petermann. Er ist Deutschlands bekanntester Profiler.

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Axel Petermann unterhielt das Publikum im KFZ mit wahren Kriminalfällen aus seiner Berufspraxis.Foto: Nadja Schwarzwäller

Marburg. „Entscheidungen, die ein Täter trifft, bleiben immer als Spuren am Tatort zurück“, sagt Axel Petermann, der sein neues Buch im Rahmen des Marburger Krimifestivals im KFZ vorstellte. Der 59-Jährige arbeitet seit 1975 bei der Kriminalpolizei in Bremen und hat in seiner Laufbahn über 1000 Fälle bearbeitet, bei denene s um unnatürliche Tode ging.

Ende der 1990er Jahre begann er, sich mit den Methoden des amerikanischen FBI auseinanderzusetzen und die Dienststelle „Operative Fallanalyse“ aufzubauen, deren Leiter er bis heute ist. Das so genannte „Profiling“ ist ein Ansatz, bei der die Spuren am Tatort im Hinblick auf die Persönlichkeit des Täters interpretiert werden.

Den „einsamen Wolf“ gibt es in der Realität nicht

„Ein Spurensucher braucht Geduld“, lernen die 60 Gäste der Lesung. Und: „Fallanalyse ist Teamarbeit“. Es gibt weder den einsamen Wolf, wie man ihn vielleicht aus dem Fernsehen kennt, noch löst man einen Fall in 45 Minuten. Die Geschichten, die in Serien wie „CSI“ oder „Criminal Minds“ erzählt werden, könnten durchaus reale Fälle sein, die Methoden allerdings, mit denen ermittelt wird - „die haben wir leider nicht“, so Petermann.

Zwei Fälle aus seiner eigenen Arbeit, die er in seinen Büchern verarbeitet hat, präsentierte er bei der Lesung. Unaufgeregt und sachlich erzählt er von den lilafarbenen Gardinen in der Wohnung eines Opfers genauso wie von dessen abgeschnittenem Ohr. Warum hat es der Täter anschließend eingewickelt? Wie passt diese fast fürsorgliche Handlung zu der Verstümmelung, die ihr vorausging? Was ist die beste Taktik, um etwas von dem Mann zu erfahren, der ihm schließlich als Verdächtiger gegenübersitzt? Gemeinsam mit den Kollegen Ideen zu entwickeln und auch wieder zu verwerfen - das seien mit die spannendsten Momente seiner Arbeit, berichtete Petermann.

Der Mann, der für den Mord an der Frau, der das Ohr abgeschnitten wurde, verurteilt wurde, ist einer von zwei Tätern, die der Profiler bis heute noch manchmal besucht. Das habe er sich als eine Art Verpflichtung auferlegt. Sie haben niemanden sonst, der komme. Und er habe den Tätern viel Wissen und Information zu verdanken, erklärt Axel Petermann. Dass er überhaupt bei der Polizei gelandet ist, bezeichnet er übrigens als „Betriebsunfall“: „Ich wollte einfach nicht zur Bundeswehr“, so Petermann schmunzelnd. Eigentlich hatte er vor, nach 18 Monaten wieder aufzuhören und Jura oder etwas ähnliches zu studieren. Aber die Kriminalistik hatte ihn gepackt.

Ob die Arbeit, das Böse, mit dem er sich beschäftigen muss, ihn verändert habe, will einer der Zuhörer wissen. „Ich kann schlecht abschalten, wenn ich mich intensiv mit Dingen beschäftige“, antwortet Axel Petermann. Er hinterfrage alles kritischer, nichtsdestotrotz denke er aber positiv über den Menschen im Allgemeinen. Und er versuche, so fröhlich wie möglich zu sein.

Von Nadja Schwarzwäller

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