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Marburg Mit Kultur wieder Teil der Gesellschaft sein
Marburg Mit Kultur wieder Teil der Gesellschaft sein
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20:30 15.11.2009
Die Teilnehmer des zweiten Arbeitstreffens für die „Kulturloge“ besprachen die weiteren Vorgehensweisen. Quelle: Christoph Linne

Marburg. Die „Kulturloge“ wird demnächst Menschen mit kleinem Budget den kostenlosen Besuch von Theater- und Kinovorstellungen, Konzerten und Lesungen ermöglichen. Das geht nur, wenn viele helfen. Die Veranstalter haben ihre Unterstützung bereits zugesagt, nun müssen noch die Menschen angesprochen werden, die Gast der „Kulturloge“ werden sollen.

Kontaktstelle werden einzelne soziale Initiativen, Kirchen, Schulen und das Kreisjobcenter sein, denn dort kennt man die Menschen, die mit Hilfe der Kultur ein Stück Lebensfreude und Normalität zurückbekommen sollen. Dort können die Anmeldungen abgegeben werden. Gibt der Veranstalter Plätze für die Gäste der „Kulturloge“ frei, dann suchen ehrenamtliche Helfer in einer Liste nach möglichen, passenden Interessenten und fragen dort telefonisch nach, ob sie Lust und Zeit für eine Portion Kultur haben. Wichtig sei, dass die Gäste „handverlesen“ sind, also nur der eingeladen werde, der sich auch für das Thema interessiert, erläuterte Mitinitiatorin der „Kulturloge“, Hilde Rektorschek, aus ihrer Erfahrung aus der Marburger Tafel.

Die persönliche, zielgenaue Ansprache soll, so die Idee, Menschen motivieren, wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Sie bekommen Gesprächsstoff und schöne Erinnerungen und vielleicht ein bisschen Schwung für ihren Alltag. Dass dies funktionieren wird, davon ist unter anderem die Leiterin des Kreisjobcenters (KJC), Andrea Martin, überzeugt. Sie berichtete vom Kurs „Haltung zeigen“, den der Schauspieler des Hessischen Landestheaters, Thorsten Stoll, für Arbeitslose gab. Anschließend wurden die Teilnehmer zur Generalprobe des aktuellen Stücks „Richard III“ in die Stadthalle eingeladen.

„Es war der Höhepunkt des Jahres, zu dem die Teilnehmer schon in freudiger Erwartung gingen“, erinnert sich Andrea Martin. Viele hätten sich alleine wohl nie ins Theater getraut, für manche sei es gar der erste Theaterbesuch überhaupt gewesen. Zur Zielgruppe gehören auch junge Familien mit niedrigem Einkommen, betonte die Gisselberger Hebamme Sabine Pfützner, die sich ebenfalls am Projekt beteiligen möchte. Viele Russland-Deutsche mit minimalen Sprachkenntnissen nehmen nicht am kulturellen Leben der Stadt teil, ebenso wie Menschen, die für 900 Euro brutto einen Vollzeitjob ausfüllen. Für sie bedeutet der Besuch einer Veranstaltung einen Luxus, den sie sich nicht leisten können.

von Christine Krauskopf

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