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Marburg Mit 64 Jahren noch Atemschutzträger
Marburg Mit 64 Jahren noch Atemschutzträger
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00:17 15.02.2019
Hans Findt, ehemaliger Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Ronhausen. Quelle: Tobias Hirsch
Ronhausen

Er musste aufhören. So schreibt es das Gesetz vor. Dabei hätte Hans Findt lieber noch weitergemacht. Seit seinem 15. Lebensjahr ist er mit Leib und Seele bei der Feuerwehr. „50 Jahre. Und das mit Leidenschaft“, sagt der Ronhäuser, der am 9. Februar bei der Jahreshauptversammlung offiziell aus dem aktiven Dienst verabschiedet wurde.

Im Mai vergangenen Jahres begann schrittweise der Abschied. „Ich hatte also schon ein bisschen Zeit, mich an die neue Situation zu gewöhnen“, erzählt Findt, gerade auch im Hinblick auf den Wechsel an der Wehrspitze. Denn der 65-Jährige musste auch die Wehrführung abgeben. Er ist froh, dass er jemanden gefunden hat, denn ansonsten hätte es wohl einen Zusammenschluss mit Bortshausen oder Cappel geben müssen.

„Auch wenn wir drei zusammen mit Moischt immer eine Einheit waren, war mir die Eigenständigkeit von Ronhausen wirklich eine Herzensangelegenheit“, ist Findt erleichtert, dass mit Maximilian Schübel ein Nachfolger gefunden wurde. Der ist über 40 Jahre jünger und tritt in große Fußstapfen. „Er kann mich jederzeit fragen, und ich helfe natürlich, wo ich kann“, so der Oberbrandmeister in Rente. „Aber ich stehe nicht mit erhobenem Zeigefinger hinter ihm und diskutiere. Die Jungen haben ihren eigenen Stil, sind moderner, und das ist auch gut so“, stellt der 65-Jährige fest.

1968 startete Hans Findt in der Jugendfeuerwehr, zwei Jahre später war er schon in der Einsatzabteilung. „Damals waren noch einige mehr in der Feuerwehr und auch sehr motiviert, aber es war keiner da, der die Führung übernahm.“ Das änderte sich mit dem jungen Findt. Noch während seiner Jugendzeit hatte er seinen ersten Einsatz, ein Scheunenbrand im Wald Richtung Cappel. „Das ist heute unvorstellbar. Es gibt so viele Regeln und Vorschriften, das war damals alles etwas lockerer.“

Seinen Grundlehrgang absolvierte er 1973, sieben Jahre später wurde er stellvertretender Wehrleiter. Findt war zu dem Zeitpunkt der Einzige in der Truppe, der einen Gruppenführerlehrgang absolviert hatte. Somit übernahm er den Part der Ausbildung in Ronhausen, der damalige Wehrführer hauptsächlich die Administration. „Das hat sehr gut funktioniert“, erinnert er sich. 1990 rückte er dann auf den Leitungsposten. Mittlerweile hatte er auch weitere Lehrgänge bis zum Zugführer besucht.

Damals waren noch 27 Aktive in der Einsatztruppe, heute sind es 16, wobei nicht alle immer mit ausrücken können. Hinzu kommt die mangelnde Bereitschaft, an Lehrgängen teilzunehmen.

Atemschutzträger gibt es nur ganz wenige in Ronhausen. Und seit neun Monaten noch einen weniger. Noch mit 64 Jahren bestand Findt die jährliche Tauglichkeitsüberprüfung ohne Probleme, spielte bis zu seinem 57. Lebensjahr aktiv Fußball. Er wollte immer auch ein Ansporn für die Jüngeren sein. „Ich habe mir gesagt, solange ich das alles kann, mache ich das auch“, so der Ronhäuser, der regelmäßig zur Rückenschule geht und Ski fährt.

Der Umgang mit Menschen, der sich in den 50 Jahren verändert hat, und „die ganzen technischen Sachen“ sind die Leidenschaft von Findt. Früher herrschte ein rauerer Ton, heute gibt es einen sensibleren Umgang miteinander, so seine Feststellung. Damit kann er gut leben. Vor allem freut ihn die gute Zusammenarbeit mit den Cappeler Kollegen. „Die haben natürlich eine ganz andere Ausrüstung. Aber auch wenn wir keinen Spreizer haben, müssen wir trotzdem lernen, damit umzugehen“, erklärt er.

Für ihn war immer wichtig, dass möglichst viele in seiner Truppe viel Wissen haben. „Es fällt ja doch mal der ein oder andere aus. Aber bei einem Einsatz müssen die Arbeitsabläufe sitzen. Wir müssen sie im Schlaf beherrschen“, sagt Hans Findt und fügt hinzu: „Jeder, der während eines Notfalls Hilfe braucht, möchte qualifizierte Hilfe.“

Der gelernte Drucker genießt nach wie vor den Zusammenhalt, die Mehrtagesfahrten oder das gemeinsame Frühstück, welche regelmäßig stattfinden. In der Monatsversammlung ist er natürlich auch immer vor Ort. Denn so ganz verabschiedet hat er sich dann doch nicht aus dem aktiven Geschäft. Er ist noch Gerätewart. „Das darf ich bis 70 machen“, sagt er lachend. Und er ist noch Vorsitzender des Fördervereins.

Die ersten Einsätze nach seiner Verabschiedung waren komisch für ihn: „Anfangs fiel es mir schwer, bei der Sirene nicht loszulaufen“, gibt er zu. Seine Frau hat ihn dann losgeschickt, „nur um zu gucken“, sagt er augenzwinkernd.

von Katja Peters