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Marburg Missbrauch zerstört Leben
Marburg Missbrauch zerstört Leben
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20:07 01.04.2011
Mit Playmobilfiguren stellt ein Mann die traumatisierenden Erlebnisse seiner Kindheit nach. Quelle: Privatfoto

Marburg. Der in Marburg lebende Opferanwalt Dr. Thorsten Kahl holt das Frankfurter Autoren Theater nach Marburg und steht im Anschluss an die Aufführung für eine Diskussion zur Verfügung.

„Ich habe das Stück „Missbraucht“ in Bad Nauheim erlebt, als die Opferschutzorganisation ,Wildwasser‘ mich zur anschließenden Diskussion eingeladen hatte“, sagt Kahl.
Seit über 30 Jahren vertritt er grundsätzlich nur Opfer von Gewalttaten, nie Täter. Besonders oft hat er dabei mit Opfern sexueller Gewalt zu tun gehabt.

Unter anderem vertritt er mehrere ehemalige Schüler der Odenwaldschule, die wegen des dort über Jahrzehnte stattgefundenen sexuellen Missbrauchs durch Lehrkräfte in die Schlagzeilen kam.
Und er vertrat Opfer in dem Marburger Missbrauchsfall, der jüngst vor dem Landgericht verhandelt wurde.

„Ich habe in meiner Arbeit erfahren, dass sexueller Missbrauch an Kindern die Opfer für ihr ganzes Leben traumatisiert“, sagt Kahl. Sein ältester Mandant sei bereits über 80 Jahre alt und habe das Trauma bis heute nicht überwinden können.
„Diese Menschen schaffen es ihr ganzes Leben nicht, in einem normalen Berufs- oder Familienleben Fuß zu fassen“, schildert Kahl seine Erfahrungen. Das Stück des Frankfurter Autoren Theaters arbeite dies so gut heraus, dass er sich stark dafür eingesetzt habe, es nach Marburg zu holen. Kahl trägt auch das finanzielle Risiko. Unterstützt wird er vom Fachdienst Kultur der Stadt Marburg.

„Ich wünsche mir, dass die Bevölkerung sensibilisiert wird“, sagt der Anwalt, der eng mit der Kriminalpolizei zusammenarbeitet und der auch Vertreter von Polizei und Justiz zu der Aufführung eingeladen hat.
„Sprachloses Kind“ ist einer der Texte, die die Theatergruppe verarbeitet hat. Er stammt von dem Frankfurter Schriftsteller Bodo Kirchhoff, der selbst missbraucht wurde.
„Mein Vater“ von einem anonymen Autoren handelt von einem missbrauchten Mädchen und nutzt tänzerische Ausdrucksmittel.
„Alles muss raus“ ist angelehnt an einen autobiografischen Bericht von Norbert Denef. Das Stück von Wolfgang Spielvogel schildert, wie sich ein Mann darauf vorzubereiten versucht, seiner Familie die sexuellen Missbrauchserlebnisse in seiner Kindheit zu offenbaren.

Dass diese drei Stücke keinen angenehmen Theaterabend versprechen, ist naheliegend. „Es wird mit Sicherheit Tränen geben“, sagt Kahl.
Doch er wünscht sich, dass trotzdem möglichst viele Menschen das Stück ansehen und es so zu einer größeren Aufmerksamkeit beitragen kann.

Zu oft reagieren Nachbarn nach seiner Erfahrung nicht auf das, was nebenan offenkundig vor sich geht, wird die Tragweite des Missbrauchs unterschätzt.
In einer an das Stück anschließenden Diskussion werden Thorsten Kahl und ein von sexuellem Missbrauch Betroffener den Theaterbesuchern zum Gespräch zur Verfügung stehen.

Das Stück ist am Dienstag, 5. April, ab 20 Uhr in der Waggonhalle zu sehen.

von Heike Döhn

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