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Marburg Mieter planen Demonstration
Marburg Mieter planen Demonstration
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00:21 24.02.2019
In dem Haus Karlsbader Weg 6 soll die zentrale Wärmeerzeugungsanlage im Keller installiert werden. Quelle: Tobias Hirsch
Richtsberg

75 Mieter trafen sich am Sonntag, um über weitere Schritte im Streit um die neue Energieversorgung zu beraten und rechtliche Unterstützung zu erhalten.

Nachdem die GWH bei einer Mieterversammlung am vergangenen Mittwoch die Forderung der Mieter nach einem Moratorium der Baumaßnahmen an den von ihr verwalteten Häusern abgelehnt hatte, wollen die Mieter in die ­Offensive gehen und im Stadtparlament auf ihre Nöte aufmerksam machen. Dazu trafen sie sich in der Astrid-Lindgren-Schule.

Sollte die Angelegenheit im Stadtparlament, das am Freitag seine nächste Sitzung abhält, Thema werden, wollen die Mieter dort zugegen sein, um Gesicht zu zeigen. Am gleichen Tag wollen die Mieter nach OP-Informationen ab 17 Uhr vor der Marburger Geschäftsstelle der GWH am Gerhard-Jahn-Platz gegen das neue Energiekonzept demonstrieren.

Mieterhöhung im vergangenen Herbst

Von den geplanten Maßnahmen der GWH sind insgesamt 400 Wohnungen betroffen. Sie sehen die Umstellung von Etagen- auf Fernwärme vor, was mit Bauarbeiten verknüpft ist, die bereits im März beginnen und sich bis zum Herbst ziehen sollen.

„400 Wohnungen ist kein geringfügiger Teil der Bevölkerung am Richtsberg. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Politik so viele Menschen einfach im Regen stehen lässt“, hoffte­ Bernd Hannemann (Linke), Mitglied des Ortsbeirates am Richtsberg, auf Unterstützung des Stadtparlaments.

Nochmals äußerten die Mieter ihren Unmut darüber, dass die GWH Erhaltungsarbeiten am Haus nicht in Angriff nehme, dennoch kontinuierlich die Kaltmiete erhöhe – erst im vergangenen Herbst gab es eine Mieterhöhung – und nun auch noch mit einer angeblichen Modernisierungsmaßnahme, die wiederum mit einer Mieterhöhung von 0,36 Euro pro Quadratmeter sowie einem Abschlag von 1,40 Euro verbunden sein soll.

Sachverständiger soll prüfen

Laut GWH kommt die Höhe des Abschlags einem Durchschnittswert des monatlichen Energieverbrauchs im Stadtteil gleich. Doch das schluckt die Versammlung nicht. Böttcher will einen Sachverständigen mit einer Prüfung der Sache betrauen. „Die Stadtwerke verlieren durch die geplanten Maßnahmen 400 Kunden und sollten daher ein Interesse haben“, sagte Ortsbeiratsmitglied Bettina­ Böttcher (SPD). Die GWH plant nämlich, die Energieversorgung zu monopolisieren und sie an einen privaten Konzern abzugeben.

Zur Unterstützung der Mieter wohnte Holger Weege, Anwalt für Verbraucherrecht, der Versammlung bei. Er verteilte einen Widerspruch an die GWH, in der sich der Unterzeichner gegen die geplanten Bauarbeiten verwehrt. Da die Bauarbeiten auch in den Wohnungen stattfinden, ist die Gesellschaft auf das Duldungsrecht der Mieter angewiesen.
„Die GWH kann nicht einfach in Ihre Wohnung eindringen oder die Polizei zu Hilfe rufen. Dafür braucht man einen juristischen Titel. Geht die ganze Sache vor Gericht werden sich die Maßnahmen möglicherweise über Jahre hinweg ­hinauszögern, sodass der Vermieter vielleicht ein Interesse an der ganzen Sache verliert“, erklärte Weege den Mietern.

Unter keinen Umständen dürften sie der GWH eine schriftliche Erlaubnis zum Eintritt in die Wohnung erteilen.

Einige Veranstaltungsteilnehmer erklärten sich bereit, die Schriftstücke in den Häusern der GWH zu verteilen. Diese sollen dann der GWH übergeben oder zugesendet werden. „Der Widerspruch ersetzt aber nicht, dass die Mieter eigenständig ­juristische Schritte in die Wege leiten“, unterstrich Weege.

von Benjamin Kaiser