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Marburg Silas Nacita erobert Herzen im Sturm
Marburg Silas Nacita erobert Herzen im Sturm
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13:00 27.04.2018
Verbreitet in seinen Youtube-Videos gute Laune: Silas Nacita im Kirschblütenregen in der Stresemannstraße. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

„Was ist los in the Bundespost?!“, ruft der 24-jährige Amerikaner. Er jubelt, stellt seine kleine Kamera auf den Boden und tanzt. Mitten auf dem Marktplatz. Sein Kumpel Conner Sullivan tut es ihm gleich. Die Jungs rocken mitten in der Oberstadt. Und dabei verdienen sie Geld.

Silas Nacita und Conner Sullivan sind Youtube-Stars. Ihre Videos auf der Internet-Plattform werden millionenfach geklickt. Bestes Beispiel: „The 10 hardest German words to pronounce!“ Übersetzt: Die 10 am schwierigsten auszusprechenden deutschen Wörter. Dieses Video wurde auf Youtube mittlerweile 2,1 Millionen Mal angeschaut. Auf Facebook noch öfter. Unglaublich. Und unglaublich witzig. Denn die beiden Amerikaner kommen beim Versuch, deutsche Zungenbrecher wie „Rechtschreibung“ oder „Eichhörnchen“ korrekt auszusprechen, aus dem Lachen kaum heraus.

Silas Nacita und Conner Sullivan machen Videos, die millionenfach geklickt werden. Wie haben die beiden in Marburg getroffen. Fotos: Nadine Weigel

Ihre selbstgedrehten Videos sind schnell und flippig geschnitten. Das kommt beim Youtube-Zielpublikum unfassbar gut an. Es ist beste Unterhaltung für die Generation Internet. „Die meisten unserer Zuschauer sind so zwischen 15 und 25 Jahre alt“, erklärt Silas. Wie zur Bestätigung kreischt plötzlich ein junges Mädchen im Vorbeifahren aus dem Auto und zeigt mit dem Finger auf den gutaussehenden Sonnyboy: „Krass! Da ist der Youtube-Star!“

Videotagebücher für die Familie

Immer wieder kommen bei ihrer Tour durch die Oberstadt junge Menschen auf die beiden lässigen Jungs zu, klatschen sich mit ihnen ab und bekennen, große Fans ihrer sogenannten Vlogs zu sein. Diese gefilmten Videotagebücher haben die beiden bei ihrem Zielpublikum berühmt gemacht. Sie laden Videos ins Netz, Minuten später haben sie bereits tausende gelikt. Mit so einem Hype hätte Silas nie gerechnet.

„Als ich zum Footballspielen nach Deutschland kam, habe ich diese Videotagebücher vor allem für meine Familie gemacht, um sie an meinem Leben hier teilhaben zu lassen“, erzählt der gebürtige Kalifornier, der 2016 während seines ersten Auslandsjahres als Profifootballer bei den Mercenaries Conner Sullivan kennenlernte, der in Stuttgart Football spielte. Von Conner, der ebenfalls Videos drehte, schaute sich Silas einige Videoskills ab. „Immer mehr Menschen mochten meine Vlogs und so hat sich das verselbständigt.“ Conner Sullivan kann mittlerweile von seinen Videos leben. Er reist durch die Welt und vlogt darüber. Pro Klick gibt es von Youtube Geld. Je mehr Klicks, desto mehr Geld. Zusätzlich betreiben die beiden auch Merchandise.

Amerikanern Deutschland näher bringer

Ein knuffiges blaues Auto prangt auf der Frontseite von Silas‘ weißem T-Shirt, das er bei seinem Spaziergang durch die Oberstadt trägt. Darunter der Schriftzug: „Das ist ein Auto“. Es ist der aktuelle Running Gag des Deutsch lernenden Amerikaners. 50 T-Shirts hat er bereits in wenigen Tagen verkauft. Es gibt auch noch ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Das ist ein Baum.“ Und eines mit „Was ist los in the Bundespost?“.

Den Satz, den der gutgelaunte US-Boy jedes Mal sagt, wenn er einen Briefkasten oder ein Postauto sieht und ihn automatisch zum Tanzen verleitet. „Hast du auch mein T-Shirt gesehen?“, fragt Conner grinsend und präsentiert einen Entwurf auf seinem Handy. Er zeigt ein Shirt mit der Aufschrift „Eichhörnchen“ samt einer zuckersüßen Comiczeichnung des putzigen Nagers.

Das alles hört sich unheimlich albern an. Ist es aber nicht. Die beiden sympathischen US-Amerikaner haben den Anspruch, mit ihren Videos Freude zu verbreiten und Amerikanern Deutschland näher zu bringen. „In der Schule haben wir nur schlechte Dinge über Deutschland gelernt und jetzt wollen wir zeigen, wie großartig dieses Land ist“, betont Silas und rückt seine rote Sonnenbrille zurecht. Er liebt Marburg. „Die Menschen hier sind super nett. Und schau dich um, hier ist es wie in Disneyland. In Deutschland ist jeder Tag wie Disneyland“, lacht er und zeigt von einem Fachwerkhaus aufs nächste.

Video über Alfred-Wegener-Schule ging viral

Die beiden setzen sich auf höchst amüsante Weise mit den kulturellen Unterschieden zwischen Deutschland und den USA auseinander. In einem Video wundert sich Silas darüber, dass sein Doppelbett in Marburg zwei Matratzen hat. Und es eine Schaumstoffbrücke braucht, um den Spalt zu schließen und so aus zwei Matratzen wieder ein Bett zu machen.

Ein anderes Video zeigt seinen Besuch an der Alfred-Wegener-Schule in Kirchhain. Sein Film, bei dem er sich über seinen ersten Besuch an einer deutschen Schule freut und er über Unterschiede zu amerikanischen Schulen philosophiert, ging vor wenigen Tagen viral.

Wenn Silas und Conner auf Instagram ankündigen, in drei Stunden in Köln vor dem Dom zu sein, warten dort schon Fans auf sie. So funktioniert das heute. Youtuber werden gefeiert wie Hollywood-Stars, sind aber nahbar. Idole zum Anfassen. Davon will nun auch das Fernsehen profitieren. Nächste Woche sind die beiden für
Pro 7 in Bayern unterwegs, um dort die landestypischen Besonderheiten für den Sender kennenzulernen.

Silas lebte zeitweise auf der Straße

Doch wer meint, es ging nur um Spaß, der täuscht sich. Silas hat einen tieferen Anspruch. Denn trotz seiner jungen Jahre blickt der 24-Jährige auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Er verlor früh seinen Vater, wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf, hatte Probleme mit seiner Mutter. Zeitweise lebte er sogar auf der Straße. Dann avancierte er zum gefeierten Helden des amerikanischen Collegefootballs, nur um wenig später aus dem Team geworfen zu werden. Höhen und Tiefen bestimmten sein Leben. Seitdem er in Deutschland ist, geht es aufwärts.

Nachdem er vergangene Saison für Frankfurt Universe spielte, ist er froh, nun wieder nach Marburg zurückgekehrt zu sein. Der Runningback freut sich auf eine erfolgreiche Saison mit den Mercenaries. Besonders dankbar ist er dafür, dass seine Frau Kaitlyn seit gestern bei ihm ist. Die beiden gläubigen Christen haben im Januar geheiratet. Ihr Hochzeitsvideo hat mehr als 83.000 Klicks.

Auch wenn er in seinen Videos überdreht wirkt, ständig unter Strom, so hat der frisch Vermählte auch eine demütige Seite. „Ich bin sehr dankbar dafür, in Marburg sein zu können und das zu tun, was ich liebe.“ Demut transportiert er auch in seinen Videos. Viele von ihnen enden mit der Aufforderung an seine Zuschauer, dankbar zu sein für das, was man hat. „Count your blessings“ ist sein Lebensmotto. „Sei dankbar für all die kleinen Dingen.“ Das ist etwas, was er den hunderttausenden Zuschauern seiner Videos regelmäßig mit auf den Weg gibt. Und das ist alles andere als albern.

von Nadine Weigel

Hier noch ein paar coole Videos von Silas und Conner:

Deutsch lernen: