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Marburg Melancholische Lieder bei Kerzenschein
Marburg Melancholische Lieder bei Kerzenschein
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06:16 23.04.2012
Umringt von Gitarren und Kerzen präsentierte sich Eric Fish mit seinen „Friends“ im Kulturladen KFZ. Quelle: Jan Bosch
Marburg

Auf der Bühne im ausverkauften KFZ gibt gerade Bodenski, bekannt als Songschreiber von Subway to Sally, mit seiner Band tiefsinnigen Akustik-Pop zum Besten. Vor der Bühne haben es sich alte und junge Fans, Familien mit Kindern auf Wolldecken sitzend gemütlich gemacht. Mit seinem eben erschienenen Soloalbum „Auto!“ zeigt Bodenski, das er viel mehr kann, als nur Songs für Subway To Sally zu schreiben und stimmt das begeisterte Publikum auf die Hauptakteure des Abends ein.

Eric Fish and Friends betreten unter tosendem Beifall und dem treibenden Pianospiel von Gerit Hecht die Bühne. Was folgt ist ein akustischer Leckerbissen mit 28 Saiten und 88 Tasten. In Wohnzimmer-Atmosphäre präsentiert Eric Fish, der normal als Frontmann von Subway To Sally mit verzerrten Gitarren-Riffs und metal-lastigem Gesang ordentlich aufs Gaspedal drückt, überwiegend ruhige Lieder, Balladen und Coversongs.

Umgeben von einem Ring aus Gitarren präsentiert Fish seinen Fans in rund drei Stunden voller Gänsehaut und Emotionen einen als Zugabe III betitelten Rundumschlag aus seinen bisherigen Werken.

Begleitet wird er von Rainer Michalek auf der zwölfsaitigen Gitarre, die dem Sound viel Tiefe verleiht, und Gitarrist Uwe Nordwig, dessen verfilzter Bart und wilde Tätowierungen Erinnerungen an die Crew im Fluch der Karibik aufkommen lassen.

Beim Cover des Red Hot Chili Peppers-Klassikers „Otherside“ bieten die drei Saitenzupfer mehrstimmigen Chorgesang, der unter die Haut geht. Beim von Irland besessenen Fish darf natürlich auch eine eigene Version von „Sunday Bloody Sunday“ von U2 nicht fehlen.

Untermalt werden alle Songs durch das brillante Cellospiel von Tobias Underberg, alias B. Deutung. Er streicht zupft und schlägt sein Instrument mit solcher Inbrunst und Hingabe, das ihm stets die langen Locken im Gesicht hängen.

Zwischen den Liedern animiert Fish die Fans immer wieder zum Mitsingen, setzt ein beherztes „padadadam“ aus Beethovens fünfter Sinfonie zum Anheizen ein.

Michalek gelingt selbiges mit einer simplen Flasche Whiskey, die er ins Publikum gibt (die allerdings die zweite Reihe nicht überlebt hat).

Mit der einen Band zieht er mal 3.500 Fans in die Halle, mit seinem Soloprojekt lässt er es gemütlich und ohne viel Technik vor kleinem Publikum angehen: Handgemachtes als Gegenentwurf, der von den Fans mit Begeisterung aufgenommen und bejubelt wird.

von Jan Bosch

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