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Marburg Meisterwerke und eine Erstaufführung
Marburg Meisterwerke und eine Erstaufführung
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19:01 18.03.2013
Marburg

„Leider spielen wir aus Prinzip nach Schuberts Es-Dur-Trio keine Zugabe“, unterbrach Pianist Stefan Mendl mit seinem schönen Wiener Dialekt den kräftigen Applaus am Ende des Konzertes. Ein Prinzip, das durchaus nachvollziehbar war. Dieses leidenschaftliche, energische Werk war durch eine Zugabe kaum zu toppen. Auch den Musikern musste man zugestehen, danach erschöpft zu sein.

Der Klaviersatz insbesondere im vierten Satz klang süß und leicht. Ein Blick auf die Fingerbewegungen des Pianisten zeigte aber die Schwierigkeit des Stückes, die Mendl bravourös meisterte. Die in repetierende Achtel aufgebrochene Thematik führt zu schnellen, kleinen Bewegungen, die die drei Musiker kräftig und virtuos umsetzten. Das Publikum war durchweg begeistert - und das zu Recht. Wunderschön konzertierten Pianist Mendl, Cellist Matthias Gredler und Violinist Bogdan Bozovic. Dass der Serbe Bozovic erst seit dieser Saison der neue Geiger des Trios ist, war kaum zu glauben. Das Wiener Klaviertrio wirkte fest eingespielt.

Das zeigte sich auch im ersten Satz des Schubert-Trios, bei dem die Themen immer wieder durch alle drei Instrumente wechseln. Besonders in der Durchführung wurde musikalisches Einfühlungsvermögen gezeigt. Hier wurde das lyrische Seitenthema, dessen Anfang an Schuberts berühmtes „Ave Maria“ erinnert, immer wieder verarbeitet und vom Flügel umspielt.

Auch Beethovens Trio op.70 Nr. 2 spielten die drei Musiker sehr gefühlvoll und arbeiteten den jeweiligen Charakter der Sätze wundervoll heraus. Herrlich konzertierten die drei Instrumentalisten als gleichberechtigte Spielpartner. Melodisch und tänzerisch formten sie den menuettähnlichen Charakter des dritten Satzes aus. Geige und Cello wirkten, als würden sie zum Klavier tanzen. Allerdings störten die vielen Huster zwischen den Sätzen, was auch den Musikern anzumerken war.

Erstaufführung wird zur Klangerfahrung

Statt den Miniaturen von Johannes Maria Staud, erklang Reinhard Fuchs‘ „Tox für Violine, Cello und Klavier“. Das Trio hatte sich schon länger ein Stück von dem jungen, österreichischen Komponisten gewünscht. Letzte Woche feierten sie Uraufführung in London, am Sonntag die deutsche Erstaufführung in Marburg. „Sie werden etwas Geduld mit mir haben müssen“, entschuldigte sich Stefan Mendl und versprach eine Klangerfahrung. Vor dem Stück präparierte er den Flügel mit kleinen Gummistücken. Die versprochenen Glockenklänge waren aber komplexer versteckt, als man es sich vorgestellt hatte. Auch wenn keine fortlaufende Struktur zu erkennen war, wiederholten sich manche Elemente wie die extrem hohe Geige, das präparierte Cello, die ungewöhnlichen Spieltechniken und die tiefen, metallischen Klänge des Flügels immer wieder. Damit zeigte das Wiener Klaviertrio, dass sie zu Recht seit über 20 Jahren auf den internationalen Bühnen stets willkommen sind und 2010 für ihre Haydn-Einspielungen einen Klassik- „Echo“ erhalten haben.

von Mareike Bader

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