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Marburg „Meine Hände führen ein Eigenleben“
Marburg „Meine Hände führen ein Eigenleben“
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18:19 07.01.2014
Annegrete Henke-Reinarz in ihrem kleinen Reich in Weidenhausen.Foto: Uwe Badouin
Marburg

Mehr als 100 Gäste haben mit Annegrete Henke-Reinarz den "Geburtstag" ihrer Galerie gefeiert. „Ich komme mir fast vor, als hätte ich geheiratet“, sagte sie schmunzelnd der OP. Die Vasen reichten nicht annähernd für die vielen Blumen, da musste bald ein Bad herhalten. Und der Wein reicht auch noch ein ganzes Weilchen.

1978 zog Annegrete Henke-Reinarz mit ihrer Familie nach Weidenhausen - in das erste mit öffentlichen Mitteln neu sanierte Haus in der Weidenhäuser Straße 49. Weidenhausen schlummerte noch im Dornröschen-Schlaf, erinnert sie sich. Marburg konzentrierte sich auf die Altstadt-Sanierung, „das stiefschwesterliche Weidenhausen wurde vernachlässigt“,. meint die Künstlerin.

Sie habe sich sofort in den Stadtteil verliebt, betont Annegrete Henke-Reinarz im Gespräch mit der OP. Familie, Leben, Arbeit - alles unter einem Dach. Das war der Traum der 70er Jahre. „Metzger, Bäcker, alles war da. Durch die großen Einkaufscenter ist vieles verloren gegangen“, sagt sie.

Weidenhausen hat sich im Laufe der Jahre verändert. Der Stadtteil wurde saniert, es wurde neu gebaut, die Bevölkerung wandelte sich. Heute leben vor allem Studenten und Familien in dem nach wie vor lebendigen kleinen Stadtteil. Auch Annegrete Henke-Reinarz lebt nach wie vor „sehr, sehr gerne“ in dem Stadtteil. Sie hat dort als alleinerziehende Frau drei Kinder groß gezogen. „Weidenhausen ist eigenwillig, hat Standhaftigkeit und erfindet sich immer wieder neu. Es ist meine kleine Insel“, sagt sie.

Dem Wandel getrotzt hat die Künstlerin auch mit ihrer kleinen Atelier-Galerie: Die platzt 35 Jahre nach der Eröffnung aus allen Nähten. Denn sie ist nach wie vor ungeheuer produktiv. „Schauen sie sich meine Hände an, die haben ein Eigenleben“, erklärt sie schmunzelnd. Sie malt und ist bildhauerisch tätig. Rund 10000 Arbeiten habe sie in 50 Jahren geschaffen, schätzt sie.

Geboren wurde Annegrete Henke-Reinarz in Düsseldorf. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus der Familie zerstört, der Vater wurde im Krieg getötet. „Wir hatten alles verloren“, sagt sie. Die Familie zog nach Großseelheim, wo sie aufwuchs. Im Alter von 17 Jahren zog sie mit der Familie nach Marburg, später studierte sie in ihrer Geburtsstadt Düsseldorf an der Hochschule für Bildende Kunst und hängte eine dreijährige Ausbildung als Glasmalerin in Hadamar an.

So wie der Stadtteil hat sich auch die Kunstproduktion von Annegrete Henke-Reinarz geändert: Hat sie anfangs sehr „zurückgenommen“ gearbeitet, wie sie sagt, so änderten sich Ausdruck und Farbigkeit ihrer Kunst „als ich den Norden kennenlernte“. Seither malt sie expressiv, setzt auf starke Farben, starke Kontraste.

Ihr Sohn Anno Henke habe wie sie eine künstlerische Laufbahn eingeschlagen - mit allen Vor- und Nachteilen dieses Berufs. Die anderen beiden Kinder - ein weiterer Sohn und eine Tochter - haben auf „handfestere“ Berufe gesetzt.

Die kleine Galerie von Annegrete Henke-Reinarz ist seit 2002 auch so etwas wie die Schaltzentrale der damals von ihr mitbegründeten Künstlervereinigung Marburg-Biedenkopf. „Wir wollten damals etwas für die Kultur in der Region tun, neue Ausstellungsmöglichkeiten für Künstler erschließen“, sagt sie. Auch das ist ihr gelungen.

Die Galerie von Annegrete Henke-Reinarz in der Weidenhäuser Straße 49 ist Dienstag bis Samstag von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Obwohl sie nicht groß ist, ist sie kaum zu übersehen: Vor der Tür steht ein überlebensgroßer bunt bemalter Pfosten.

von Uwe Badouin

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