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Mehr Licht und mehr Raum

Kunstmuseum Mehr Licht und mehr Raum

Es wird noch mächtig gehämmert und gestemmt, neue Durchbrüche sind entstanden, die Wände liegen frei von Putz - aber bis Ende des Jahres soll alles fertig sein. Davor gibt es noch allerhand zu tun.

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Den Innenhof des Kunstmuseums haben die meisten Besucher des Gebäudes wahrscheinlich noch nie gesehen.

Quelle: Heike Döhn

Marburg. Das Kunstmuseum, früher Universitätsmuseum, soll im Sommer 2018 eröffnet werden, sagt die Architektin und Projektleiterin Ute Kohlhauer. Dann soll es heller und luftiger sein, und näher am ­Originalzustand zur Zeit seiner Erbauung im Jahr 1927.

Das war das Jahr des 400-jährigen Gründungsjubiläums der Philipps-Universität, erzählt Iris Rubinich, Referentin der Stabsstelle für Fundraising und Alumnibetreung der Uni. Das daher lange „Jubiläumsbau“ genannte Museum sei damals durch Spenden von Marburger Bürgern ermöglicht worden. Und auch jetzt müssen für die Renovierung der Räumlichkeiten - die Außenrenovierung ist bereits abgeschlossen - 1,25 Millionen der insgesamt drei Millionen Euro Kosten als Spenden aufgebracht werden. Eine ordentliche Summe, aber 760000 Euro sind bereist zusammengekommen, so Rubinich.

Begonnen haben die Arbeiten im August 2016, geschlossen ist das Museum bereits seit Ende 2012. Noch liegt das Mauerwerk an vielen Stellen offen, hängen Kabel aus den Wänden, ist das Parkett am Boden mit Platten geschützt. Aber Kohlhauer hat schon genau vor Augen, wie es ab kommendem Sommer aussehen wird im Kunstmuseum: „Es wird mehr Durchgänge und Durchblicke geben, Räume öffnen sich, Blick- und Wegebeziehungen entstehen.“ Dabei werde das Gebäude aber nicht auf den Kopf gestellt, sondern behutsam zum Originalzustand zurückgeführt.

Dabei rücken beispielsweise die Fenster wieder mehr in den Blickpunkt, die die „Marburger Zacken“ zieren, ein Gestaltungselement, das der Architekt Hubert Lütcke an mehreren Stellen einsetzte. „Er hat die Zacken später eine Jugendsünde genannt, aber ich finde sie passend, erzählt Kohlhauer.

„Man wird wieder viele denkmalgeschützte Details entdecken können“, sagt sie. Die Architektin führt gemeinsam mit Rubinich Mitarbeiter der Universität durch die Baustelle, auch, um weiter für Sponsoren zu werben. Bislang gibt es schon viele Räume, die durch Raumpatenschaften finanziert werden konnten, zum Teil von Einzelpersonen, zum Teil von Gruppen wie dem Förderverein oder den eigens gegründeten „Kunstfreundinnen“.

Spender werden weiterhin gesucht

„Jetzt wünschen wir uns, dass Uni-Mitarbeiter und Alumni sich an der Finanzierung des Philipps-Raums beteiligen, - das können auch Dezernate oder Abteilungen sein“, sagt Rubinich. 50000 Euro werden dafür benötigt, 25000 sind schon zusammengekommen. Aber natürlich kann sich auch nach wie vor jeder an der Spendenaktion „Kunst braucht Raum“ beteiligen.

Beim Rundgang durch das Museum macht die Architektin auf Neuerungen aufmerksam. Eine ganz entscheidende: Es wird einen Personenaufzug vom Keller bis ins Obergeschoss geben - ein wichtiger Beitrag zur Barrierefreiheit. Neu ist ein Projekt­raum, in dem auch die Museumspädagogik ihren Platz finden wird. Im Spitzwegsaal macht Kohlhauer auf die neue Lichtsituation aufmerksam, für die eine besondere Lichtdecke mit LED-Lichtern sorgen soll. „Sie wird für ein neutrales Lichtszenario sorgen.“ Auch ein neues Belüftungssystem ist notwendig.

Nicht immer war ganz eindeutig, auf welchen früheren Stand der Bau zurückgeführt werden sollte, berichtet Kohlhauer. So waren zur Zeit des Nationalsozialismus entsprechend dem Zeitgeist Fachwerkwände mit Kratzputz eingezogen worden - man hatte die missliebige moderne Kunst entfernt und statt dessen ein Heimatmuseum eingerichtet. „Leider haben wir hinter diesen Wänden keinen damals weggepackten Kandinsky gefunden“, lacht die Architektin. Um diese Zeit zu dokumentieren, habe man den Kratzputz an einigen Stellen sichtbar gelassen.

Insgesamt wird das Museum mehr Raum zur Verfügung haben, was auch für die Präsentation der Sammlung Hilde Eitel wichtig ist - 57 Kunstwerke, die die Mäzenin dem Museum bereits 2005 vermacht hatte und die nun endlich gezeigt werden können.

Beim Rundgang durch das Museum können die Besucher einiges entdecken, was normalerweise nicht zugänglich ist - den Konzertsaal zum Beispiel, der seit langem nicht mehr genutzt wird und der eine beachtliche Größe hat. Die Brandschutzsituation ist allerdings so schwierig, dass dieser Teil des Museums wohl noch im Dornröschenschlaf bleiben muss.

Den Innenhof mit dem ungewöhnlichen - wenn auch trockenem - Brunnen hingegen wird man künftig bei besonderen Gelegenheiten wieder nutzen können. Er soll aber noch mit neuen Bodenplatten ausgestattet werden.

von Heike Döhn

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