Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Massenansturm auf den Park bleibt aus
Marburg Massenansturm auf den Park bleibt aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 03.09.2018
Der Alte Botanische Garten mitten in Marburg ist für viele Spaziergänger eine idyllische Oase. Auch Studierende ruhen sich dort im Sommer gerne aus oder lesen ein Buch. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Im Vorfeld der Einweihung der neuen Universitätsbibliothek hatte es zahlreiche Befürchtungen von Marburgern gegeben, die besorgt waren um den Zustand des direkt an den Großbau angrenzenden Botanischen Gartens der Universität. Befürchtet worden war, dass Massen von Studierenden nach der im Mai erfolgten UB-Eröffnung bevölkern würden, was sich negativ auf die Natur in dem Gartendenkmal hätte auswirken können.

Doch trotz einiger Vorfälle von Vandalismus und achtlosem Wegwerfen von Müll hat es ­keine Eskalation gegeben. Nach dem Ende des Sommersemesters und des Hochsommers ziehen die Verantwortlichen des Botanischen Gartens eine positive Zwischenbilanz.

Alles „relativ entspannt“

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Verhalten der Studierenden. Sie nutzen den Park zum Lesen und Ausruhen. Bei schönem Wetter lassen sich schon einige Studenten auf den Wiesen nieder, und das sollen sie ja auch“, berichtet Dr. Andreas Titze, der Chef der Botanischen Gärten der Uni. Das freut auch Manfred Kionke vom Freundeskreis Alter Botanischer Garten. Gitarrespielen, Gedichtlesungen oder Kartenspielen hat er schon als Aktivitäten im Garten beobachtet.

Es sei nicht so, dass jeden Tag 7000 Studierende vom Hörsaalgebäude oder der Philosophischen Fakultät durch den Park zur UB ziehen würden, berichtet Titze. „Wir haben zwar deutlich mehr Nutzer als in der alten UB. Aber insgesamt lief der bisherige Betrieb in der Bibliothek relativ entspannt an“, bestätigte Bibliotheks-Direktorin Dr. Andrea Wolff-Wölk. Nur zum Ende des Sommersemesters habe es eine Phase gegeben, in der alle Plätze in den Lesesälen besetzt gewesen seien.

Diese beiden Bänke stehen im Botanischer Garten nicht mehr dort, wo sie eigentlich stehen sollten. Foto: Manfred Hitzeroth     

Die UB habe auf jeden Fall davon profitiert, dass der Park auch ein toller Aufenthaltsort für die Studenten sei. Dass vorwiegend die Wiese hinter dem Teich in Richtung des Hörsaalgebäudes als Liegewiese genutzt wird, dafür sorgte auch das Team des Gartens unter Leitung von Kristin Kilias, indem es andere Wiesen viel seltener mähte. „Das Chaos ist ausgeblieben“, bestätigte jedenfalls auch Bärbel Kaufmann, die Vorsitzende des Freundeskreises Alter Botanischer Garten bei ­einem Ortstermin im Park.

Allerdings habe es gewisse Anfangsschwierigkeiten kurz nach der Eröffnung der UB gegeben. In dieser Zeit hätten sich wohl auch Studierende auf die direkt im Grenzbereich liegenden Flächen mit den Frühlingsblühern gelegt. In Absprache mit der Parkleitung stellten die Mitglieder des Freundeskreises damals Schilder auf, in denen darum gebeten wurde, diese Wiesen nicht zu betreten. Daraufhin habe sich die Lage dort relativ schnell entspannt.

Lesezeichen für UB-Nutzer

Mit zum Verständnis der „neuen Anlieger“ sollen auch die ­liebevoll gestalteten „Natur“-Lesezeichen dienen, die Nutzer der UB bei der Rückgabe erhalten und auf denen der Freundeskreis dafür warb, mit rücksichtsvollem Verhalten den ­Bestand des Alten Botanischen Gartens mit zu sichern.

Ob sich an der Wegebeziehung im Park noch etwas ändern soll, das soll in der öffentlichen Debatte um das in Arbeit befindliche Parkpflegewerk entschieden werden, die voraussichtlich im Zuge der Vorstellung des Papiers in wenigen Wochen stattfindet. So hat sich beispielsweise schon ein Trampelpfad entwickelt, der vom Ausgang auf der Rückseite direkt auf kürzestem Weg in den Park führt.

Ein Ärgernis stellt aus Sicht von Titze und Kaufmann auch noch dar, das Radfahrer das Fahrverbot im Garten teilweise ignorieren. „Die Wege sind nicht breit genug dafür“, erläutert Kristin­ Kilias.

Die Ordnungspolizisten Oliver Günther (links) und Martin Block reden bei ihrem Gang durch den Park mit Passantinnen. Foto: Manfred Hitzeroth

„Besonders ältere Leute haben sich darüber beschwert“, berichtet Kaufmann. „Abends ­wäre schon ein Parkwächter ­nötig“, meint sie.

Doch für ­einen permanenten Parkwächter fehle der Uni das Geld. Immerhin patrouillieren zu unterschiedlichen Zeiten zeitweise Mitarbeiter der Ordnungspolizei und des für die UB zuständigen Sicherheitsdienstes im Garten. Doch auch sie können nicht immer und überall anwesend sein.

Und so kam es im Sommer schon einmal dazu, dass Bänke verstellt oder sogar angekokelt wurden. Zumindest habe eine Truppe von Obdachlosen, die sich im Sommer gerne im Park aufhalte, nach Aufforderung durch die Ordnungskräfte seither darum gekümmert, den von ihnen verursachten Müll selbst zu entsorgen, berichtet Titze. Die richtige Nagelprobe für den Botanischen Garten kommt aber nach Ansicht von Bärbel Kaufmann erst im Oktober, wenn auch wieder die Orientierungseinheiten der Studierenden starten, die häufig auch im Park über die Bühne gehen.

von Manfred Hitzeroth

Hintergrund

Mit einem von Randolf Manderbach angefertigten virtuellen Rundgang will der Freundeskreis Alter Botanischer Garten Marburger, aber vor allem Ehemalige und Marburg-Fans für das Gartenkleinod begeistern. Insgesamt sieben 360 Grad-Panoramen zeigen als Rundumsichten markante Stellen im Garten – vom Heilpflanzengarten über den Teich bis zur großen Trauben­eiche im Südwesten des Gartens.

Jedes Panorama ist mit einer natürlichen Geräuschkulisse wie mit Vogelstimmen hinterlegt. An zusätzlichen Informationspunkten wird mehr über die dort abgebildeten Tier- und Pflanzenarten erzählt. Mit der entsprechenden Ausrüstung ist das Erlebnis noch steigerbar: Mit Hilfe einer „Virtual­ Reality (VR)“-Brille kann man sich quasi in den Panoramen bewegen, als würde man vor Ort im Alten Botanischen Garten stehen.