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„Das sind schon zwei Stimmen“

Marshall und Alexander „Das sind schon zwei Stimmen“

Was braucht man, um knapp 1000 Menschen restlos zu begeistern? Ein Piano und zwei Stimmen. Zumindest wenn die Stimmen Marc Marshall und Jay Alexander gehören.

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Zwei tolle Stimmen: Marc Marshall (links) und Jay Alexander verzauberten ihre Fans mit einem ­„Zugabenprogramm“.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Der eine singt dem anderen ein Ständchen, der andere dem einen, die beiden zusammen dem Publikum und das Publikum wiederum den beiden. Wenn ein Duo 20 Jahre gemeinsam auf der Bühne steht, sind ordentlich Gratulationen fällig. Die an Marshall und Alexander haben auf der Bühne irgendwie nach „Alles Gute den Amigos“ geklungen, scherzen die beiden. Aber mal im Ernst. Den Fans gebührt Dank: „Sie haben alles mitgemacht – 20 Jahre, den ganzen Wahnsinn“, sagte Jay Alexander.

Wahnsinnig erfolgreich sind „Marshall & Alexander“ in der Tat. Kennengelernt haben sie sich an der Hochschule für Kunst in Karlsruhe, wo beide studiert haben. Marc Marshall ist ausgebildeter Bariton, Jay Alexander Tenor. 1997 waren sie für eine Aufnahme im selben Tonstudio – eigentlich getrennt voneinander, aber Musikproduzent Thomas M. Stein animierte sie zu einem Duett, nachdem er ihre Stimmen zusammengemischt gehört hatte. Sie sangen auf Steins Hochzeit, wo wiederum Harold Faltermeyer auf sie aufmerksam wurde. Und der Rest ist Geschichte.

Seitdem haben sie knapp 20 Alben veröffentlicht und jede Menge Fans für sich gewonnen. Ihre Mischung aus klassischer Stimme und Pop-Melodien begeisterte auch die fast 1000 Menschen, die am Donnerstagabend ins Erwin-Piscator-Haus gekommen waren. Der erste kurze Jubelsturm bereits nach dem ersten Lied. Stimmlich geben beide von Anfang an Vollgas und Lieder wie „Vivo per lei“ kommen mit so viel Wucht daher, als wäre ein ganzes Orchester auf der Bühne, obwohl die beiden Sänger nur von René Krömer am Piano begleitet werden.

Caruso singt vom Band

Fast zwei Stunden lang liefern Marshall & Alexander ein „reines Zugabenprogramm“ ab, wie sie ihr Jubiläumsprogramm selbst nennen. Sie hätten sich Lieder ausgesucht, die sie stimmlich ebenso wie emotional besonders fordern, erklärten die beiden.

Der Vorteil sei, dass man auch ein paar Stücke ausprobieren könne, die man lange nicht gesungen habe. Nicht fehlen dürfen natürlich „If you could see me now“ – das Stück, das die beiden musikalisch zusammengebracht hat – und „La stella piu grande“, laut Jay Alexander „DER Glückbringer“ für das Duo. Die Liebe zur italienischen Sprache haben sie während ihres Studiums entdeckt und ein Großteil des Programms der Jubiläumstour sind Lieder auf italienisch.

Zwischendurch ertönt die Stimme des legendären Enrico Caruso in einer Aufnahme aus dem Jahr 1906 vom Band. Marshall und Alexander übernehmen und zeigen bei „O sole mio“, was sie auf dem Brustkasten haben. Es gibt leisere Töne und zurückhaltende Momente und Marc Marshall nutzt die Anmoderation des von ihm geschriebenen Liedes „Hand in Hand“ für einen Appell zur Rücksichtnahme auf dieser Welt.

Die dürfen noch 
20 Jahre weitermachen

Natürlich muss aber auch Stimmung in die Bude. „Aufstehen!“ lautet dementsprechend gegen Ende des Programms die Aufforderung ans Publikum. Dass mitgesungen werden darf, braucht man den Fans erst gar nicht zu sagen. Bei „Azzurro“, „Funiculi, funicula“ und „Marina“ sind so gut wie alle Zuschauer auf den Beinen und aus dem Häuschen.

„Das sind schon zwei Stimmen.“ Das sagt Jay Alexander augenzwinkernd selbst bei der Vorstellung des Pianisten René Krömer, der sich verdienten Sonderapplaus abholt, aber das ist ganz klar auch die einhellige Meinung im Publikum.

Minutenlanger Applaus und stehende Ovationen – nach fast zwei Stunden gönnen Marshall und Alexander den Fans dann noch „Arrivederci, Marburg“ als Zugabe und versprechen singend, sie kommen wieder. „Wann denn?“, ruft ein Besucher, der mit seiner Frau extra aus dem Taunus angereist war, nachdem er Karten für das Konzert gewonnen hatte. „Fantastisch“, schwärmte eine andere Besucherin des Konzerts im Anschluss. „Was die drauf haben und wie die auch noch harmonieren!“
Mit anderen Worten: Die dürfen noch 20 Jahre weitermachen.

von Nadja Schwarzwäller

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