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Marburg OB Spies: Thema Pflege kommt häufig zu kurz
Marburg OB Spies: Thema Pflege kommt häufig zu kurz
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00:19 01.10.2018
Kirsten Fründt (von links), Sören Bartol, Heike Baehrens und Dr. Thomas Spies diskutierten mit den Bürgern zum Thema Pflege. Quelle: Isabell Link
Marburg

Heike Baehrens war zu Gast bei der SPD-Dialogveranstaltung „Pflege stärken“, die von Sören Bartol, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, moderiert wurde. Baehrens stellte die Pflegereformen der laufenden Legislatur vor und betonte vor allem die Stärkung der häuslichen Pflege.

Die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf stehe für die SPD an vorderster Stelle und man habe beispielsweise mit einem Kündigungsschutz für pflegende Angehörige weiter dazu beigetragen. Man habe zum Thema Pflege „so viele Vorhaben, wie noch nie“ im Koalitionsvertrag verankert, ­habe aber für eine vollständige Umsetzung aller Vorhaben noch nicht die politischen Mehrheiten im Bundestag.

Baehrens betonte weiterhin, man müsse sowohl den Pflegenden als auch den Gepflegten mehr zutrauen. Landrätin Kirsten Fründt forderte unterdessen einen intensiveren Austausch zwischen Bund und Kommunen. Man solle den Kommunen mehr Verantwortung geben, sie aber gleichzeitig nicht mit der Finanzierung alleine lassen.

Erhöhter Bedarf an Kurzzeitpflegeplätzen im Kreis

Bisher hätten die Reformen des Bundes für viele Menschen zu Kostensteigerungen geführt, was in der Bevölkerung Unmut ausgelöst habe. Dies wurde auch in der Diskussion mit den in der Veranstaltung anwesenden Bürgern deutlich. Dort wurde das Pflegestärkungsgesetz unter anderem als „absoluter Witz“ bezeichnet und mehr Gestaltungsräume für Pflegekräfte gefordert.

Auch der fehlende Nachwuchs in Pflegeberufen aufgrund mangelnder Attraktivität des Berufsfeldes wurde angeprangert. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf würden etwa 75 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause von Angehörigen versorgt, sagte Landrätin Fründt.

Daher gebe es im Landkreis einen erhöhten Bedarf an Kurzzeitpflegeplätzen. Der Landkreis habe durch hohe Investitionen ein Zeichen gesetzt, dass Pflege aktuell eines der größten Themen sei. Eine gute Pflege sei nur durch eine sogenannte Sorgegemeinschaft zu realisieren, in der Staat, Zivilgesellschaft und professionelle Dienstleister zusammenarbeiten. Fründt beobachtete außerdem, dass es im freiwilligen Engagement im Bereich der Pflege eine große Bereitschaft bei den Bürgern gebe, während das allgemeine freiwillige Engagement eher zurückgehe.

Spies: Bund muss kommunales Engagement stärken

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies verglich währenddessen die Jugendarbeit der Stadt Marburg mit der Arbeit, welche die Stadt in das Thema Pflege stecken würde.

Während Jugendarbeit für Städte gesetzlich vorgeschrieben sei und man dadurch ­eine „tolle Jugendarbeitsstruktur“ geschaffen habe, kämen die Themen Pflege und Prävention häufig zu kurz. Der Bund müsse hier das kommunale Engagement stärken.

Die Stadt Marburg habe konkret einen Fachdienst zum Thema eingerichtet, eine Umfrage vorgenommen, um zu erfahren, was pflegende Angehörige von der Stadt benötigen, sowie eine Schulung für die Busfahrer der Stadt zum sensiblen Umgang mit Demenzkranken angeboten. Spies bezeichnete die demenzsensible Gesellschaft als spannende Herausforderung und forderte, diese mehr ins Alltagsleben hineinzutragen.

von Isabell Link