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Marburg Marburger rühren zu Tränen
Marburg Marburger rühren zu Tränen
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21:18 19.05.2010
„Reiseleiter“ Salim Sahip (von links), Sänger Michael Richt, Chorleiter Jean Kleeb, Sängerin Angelika Richter und Oberbürgermeister Egon Vaupel. Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Was kann es Schöneres für Musiker geben, als Zuhörer mit ihrer Kunst zu Tränen zu rühren? So ein unvergessliches Erlebnis widerfuhr dem A-cappella-Chor Wirsing Querbeet, der in der Osterwoche nach Istanbul reiste. Die zehn Sängerinnen und Sänger und ihr Chorleiter Jean Kleeb waren abends in einem Restaurant mit traditioneller türkischer Live-Musik. Als die Deutschen sich in einer Pause spontan hinstellten um zu singen, habe es einen Moment gedauert, bis die Zuhörer erkannten, dass es sich um ein türkisches Volkslied handelte. Dann aber seien sie hellauf begeistert gewesen und ein stämmiger Mann habe sogar begonnen zu weinen, da es ihn an seine Kindheit erinnerte. Auch bei den beiden Konzerten am staatlichen Konservatorium Istanbul und in der Marmara Universität, wo der Chor von mehreren zweieinhalb Meter hohen Ankündigungsplakaten überrascht wurde, sei der Funke auf das jeweils 80- bis 100-köpfige Publikum übergesprungen, berichteten Chorleiter und Sänger jetzt in einem Gespräch mit Oberbürgermeister Egon Vaupel im Rathaus.

Das internationale Programm mit Folklore, Jazz und Ethno-Stücken aus Europa, Asien, Afrika und Brasilien, der Heimat Jean Kleebs, sei gut angekommen, die Stimmung der Lieder habe sich mitgeteilt. Ohne die Worte zu verstehen, hätten die Hörer beispielsweise bei „Der Mond ist aufgegangen“ die Augen geschlossen. Höhepunkt sei der Vortrag der zwei für diese Reise einstudierten türkischen Lieder gewesen, damit habe das Publikum nicht gerechnet. Es habe geklatscht, den Chor angefeuert und sich hinterher mit ihm fotografieren lassen wollen. Eine intensive Begegnung sei auch das Treffen mit dem bekannten Istanbuler Chor „Acappella Grup 34“ gewesen, dessen Name sich von der Istanbuler Autokennzeichennummer 34 ableite. Man habe viel gemeinsam gesungen, im Hotel und auch auf der Straße, und weitere türkische Chorliteratur erhalten.

Die Sehenswürdigkeiten der Stadt am Bosporus, in der westliche und östliche Einflüsse zusammentreffen, standen ebenfalls auf dem Programm der Reise, die von Salim Sahip organisiert und begleitet wurde. Sahip ist Vorsitzender des Marburger Vereins für interkulturelle Bildung und Austausch. Istanbul, 2010 Kulturhauptstadt Europas, machte auf die Besucher den Eindruck einer sehr jungen, offenen und modernen Stadt, deren Bewohner kulturell und wirtschaftlich längst in der EU angekommen seien. Kleeb erklärte, man habe mit etwas zurückkehren wollen, das die Verbindung aufrechterhalte. Dies gelang mit der Vereinbarung eines Besuchs der „Acappella Grup 34“ im Oktober in Marburg. Dort, möglicherweise auch in Frankfurt und Wiesbaden, sollen Konzerte stattfinden. „Dafür suchen wir noch tatkräftige Unterstützung und Sponsoren“, sagte Kleeb.

von Manfred Schubert

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Printausgabe der OP.

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