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Stürmischer Applaus für tolles Konzert

Marburger Schlosskonzerte Stürmischer Applaus für tolles Konzert

„Hebräische Variationen“ präsentierten das Berliner Oberon Trio und die Weltspitze-Klarinettistin Shirley Brill am Sonntagabend im Marburger Schloss. Es wurde ein grandioser Konzertabend.

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Shirley Brill (links) ist eine Ausnahmeklarinettistin. Im Fürstensaal musizierte sie mit dem Berliner Oberon Trio. Das Foto zeigt sie an der Seite der Cellistin Antoaneta Emanuilova.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Das Konzert im Rahmen der Marburger Schlosskonzerte stand im Zusammenhang mit der 700-Jahrfeier der Jüdischen Gemeinde in Marburg. Drei jüdische Komponisten standen am Sonntag im Fürstensaal auf dem Programm.

Als Auftakt erklangen die „Chassidischen Fantasien“ von Joachim Stutschewsky (1891–1982). Der Komponist stammte­ aus einer Klezmer-Familie in der Ukraine, sammelte chassidische Melodien und befasste­ sich mit der osteuropäisch-­jüdischen Musiktradition. In seinen Werken verarbeitete er viele Elemente der jüdischen Volksmusik.

Im Mittelpunkt des Stückes von Stutschewsky stand die vielfach preisgekrönte Ausnahmemusikerin Shirley Brill mit ihrer Klarinette. Sie begeisterte mit ihrem meisterlichen Spiel, musizierte mit viel Hingabe und großer Sensibilität und entlockte ihrem Instrument scheinbar mühelos herrliche, samtig-weiche Töne. Perfekt gelang das Zusammenspiel mit dem Pianisten Jonathan Aner und der ­Cellistin Antoaneta Emanuilova vom Oberon Trio.

Beim Klaviertrio in d-Moll, op. 49, von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847) war das Berliner Ensemble dann komplett. Hinzu kam die Geigerin Henja Semmler. Bereits im ersten Satz mit seinen sanft fließenden Melodien überzeugte sie mit ihrem konzentrierten und einfühlsamen Spiel. Im zweiten Satz, einem lieblich-poetischen Gesang, konnte dann vor allem der Pianist Jonathan Aner seine ganze Virtuosität und 
Ausdruckskraft entfalten.

Wunderbares und makelloses Zusammenspiel

Im dritten Satz war das Ensemble dann bei einem übermütigen Scherzo durch das hohe Tempo besonders gefordert. Aber natürlich meisterten die drei diese Aufgabe souverän. Der letzte Satz wirkte dann wenig später wie ein herannahendes Unwetter und steigerte sich ständig bis zum effektvollen Schluss. Die rund 150 Zuschauer waren begeistert, und so gab es schon vor der Pause einen Riesenapplaus für die vier hochengagierten Musiker.

Nach der Pause stand ein Werk des weniger bekannten jüdischen Komponisten Walter Rabl auf dem Programm (1873-1949). Rabl war ein glühender Verehrer von Johannes Brahms und sah seine Musik in der Nachfolge des großen Komponisten. Das Oberon Trio spielte zusammen mit Shirley Brill das Quartett in Es-Dur, op.1. Dieses Werk ist eines der ersten in dieser damals noch ungewöhnlichen Besetzung, wie die Geigerin erläuterte.

Ein weiteres Mal konnten die Musikerinnen und Musiker ihr wunderbares und makelloses Zusammenspiel präsentieren. Dabei war vor allem im 1. Satz Rabls musikalische Verbindung zu Brahms deutlich zu hören. Besonders schön gelang dann der elegische dritte Satz, „andantino un poco“, den die vier Musiker mit sehr viel Feingefühl interpretierten. Heiter und voller Temperament war dann der letzte Satz gestimmt, ein schöner Ausklang für ein äußerst gelungenes Konzert.

Mit stürmischem Beifall, der minutenlang andauerte, bedankte sich das Publikum bei dem Trio und der Klarinettistin. Erst nach einer Zugabe durften sie die Bühne verlassen.

von Bettina Preussner

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