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Marburg „Sturmerprobte Partei“ soll sich erneuern
Marburg „Sturmerprobte Partei“ soll sich erneuern
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19:39 26.02.2018
Die Geehrten der Marburger SPD stellten sich zum gemeinsamen Foto auf. Hans Eichel hielt die Festrede. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Eine sturmerprobte Partei nannte Kirsten Dinnebier, Vorsitzende der Marburger SPD, die Sozialdemokratische Partei, die am 23. Mai 155 Jahre alt wird. Zeitzeugen könnten auf so manche Sternstunde, aber auch auf Tiefpunkte zurückblicken.
Darauf ging auch der ehemalige Ministerpräsident von Hessen und Bundesfinanzminister Hans Eichel ein, der eine Festrede anlässlich der Jubilar-Ehrung der Marburger SPD hielt. Die Partei habe in den vergangenen 155 Jahren bewiesen, dass sie auch aus schwierigen Lagen wieder herauskomme.

Die Geehrten

Aufgelistet sind die Parteimitglieder, die während der Ehrung anwesend waren. Zum ersten Mal wurden SPD-Genossen für ihre 10-jährige Mitgliedschaft geehrt: Horst Lehnert, Valeri Hempel und Tobias Hahn. Für 25-jährige Mitgliedschaft wurden Andreas Mickei, Gerhard Wacker, Marlis Pippert und Volker Paffrath geehrt. Für 40-jährige Mitgliedschaft wurden Leopold Bauer und Hans Mehrbrodt geehrt. Rolf-Peter Henrich wurde für seine 50-jährige Mitgliedschaft und Otfried Winkel für 70 Jahre geehrt.

Dennoch: „Man muss die Lage so ernst nehmen, wie sie ist“, sagte Eichel, der Marburg vor 50 Jahren verlassen hatte, um in Kassel Lehramtsreferendar und Stadtverordneter zu werden. Die Diskussion, ob die große Koalition für die SPD richtig oder falsch sein, beurteilte er als gut. Er selbst sei für die Groko und begründete dies unter anderem damit, dass die SPD zu einer Mehrheitsbildung nicht gebraucht werde.

Er sagte auch: „Die SPD muss sich grundlegend erneuern.“ Für ihn seien Erneuerung und Regierungsbeteiligung kein Widerspruch. Die Partei stecke in einer existentiellen Krise und müsse dagegen ansteuern, dass ihr Weg nicht in die Bedeutungslosigkeit führe. Es brauche ein neues Grundsatzprogramm gegen die öffentliche Wahrnehmung der Profillosigkeit. Zu einer grundlegenden Erneuerung gehöre auch, dass längerfristig klar sein müsse, ob die Mitglieder mit abstimmen dürfen oder nicht.

Neben der musikalischen Unterhaltung aus den entsprechenden Ehrungs-Jahren durch Renate Hilberg und Marius Fietz führte der stellvertretende Vorsitzende Thorsten Büchner durch das Programm, auf dem neben der Jubilar-Ehrung auch die Begrüßung der Neumitglieder stand.

Otfried Winkel, der für seine 70-jährige Mitgliedschaft geehrte wurde, und Neumitglied Rolf Diehl teilten mit Eichel die Ansicht, dass eine große Koalition nötig sei, um etwas bewirken zu können. „Was will denn eine Minderheitenregierung machen“, sagte Winkel, der der Partei als 18-Jähriger beigetreten war. Für Diehl sind vor allem die sozialen Themen wichtig, welche die SPD vertrete. Dabei wünscht er sich, dass die Partei öffentlichkeitswirksamer wird. Jubilar Winkel hofft, dass bald gut in der Groko zusammengearbeitet werden könne.

von Simone Schwalm