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Marburg Rentner lehrt und lernt in Kasachstan
Marburg Rentner lehrt und lernt in Kasachstan
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00:19 04.11.2018
Der Bauerbacher Dr. Peter Christ besuchte eine duale Lehr­einrichtung in Kasachstan. Quelle: privat
Schymkent

Dr. Peter Christ sitzt an einem Tisch. Vor ihm steht ein großer Topf, aus dem Beschbarmak herzhaft duftet. Das kasachische Nationalgericht aus Pferde- und Schafsfleisch heißt übersetzt „fünf Finger“ – und so wird es auch gegessen.

Nacheinander greift die Familie, bei der Christ zu Gast ist, mit der rechten Hand in den Topf. Darin befindet sich ein großer Hohlknochen. Für Christ bricht die Familie ihn auf und löffelt das Mark heraus. „Ich als Ehrengast durfte es essen“, erinnert sich Christ. „Es war großartig, das zu erleben.“

Eine von vielen Stationen

Rund drei Wochen verbrachte der promovierte Diplom-Landwirt im Oktober in der kasachischen Großstadt Schymkent. Dort gab der 65-jährige Rentner aus Bauerbach sein Wissen an Lehrkräfte des „Kolleg für Landwirtschaft“ weiter, eine kommunal-öffentliche Einrichtung, an der Studierende dual ausgebildet werden.

Für Christ ist der Aufenthalt in Kasachstan nur eine von vielen Stationen in seinem Leben. Aufgewachsen in der Pfalz auf dem landwirtschaftlichen Hof seiner Eltern lebte er eine Zeit lang in England und studierte in Berlin internationale Agrarentwicklung. Sein Wunsch, anderen zu helfen und etwas neues zu entdecken, brachte ihn nach Jamaika, wo er über das Centrum für internationale Migration und Entwicklung als Dozent arbeitete.

Großes Interesse bei Lehrkräften

„Das hat mir gut getan“, sagt Christ. Später leitete er eine überbetriebliche Ausbildungsstätte im norddeutschen Westerstede und arbeitete zuletzt als Schulleiter der Fach-Fernschule „Impulse“ in Wuppertal.

Nach Kasachstan kam Christ über den Senior Experten Service. An der Schule wollte er eigentlich den Lehrkräften vermitteln, wie sie die ertragreichen und fruchtbaren Böden trotz der Trockenheit nutzen können. Doch es kam anders. „Das wollte man dort nicht hören“, sagt Christ.

Stattdessen unterhielt sich der Bauerbacher mit den Lehrkräften in den täglichen Sitzungen über die Landwirtschaft in Deutschland. „Du kennst dich aus, erzähl uns, wie ihr das macht“, habe sein Auftrag gelautet. Das Interesse der Lehrkräfte sei groß gewesen, sagt Christ. Was die Kasachen aber wirklich von dem vermittelten Wissen umsetzen können, weiß er nicht. Nur eines: „Ich war der Hauptprofiteur. Ich habe unglaublich viel gelernt“, sagt Christ.

Menschen bleiben in guter Erinnerung

In Kasachstan habe er große Gastfreundschaft erlebt. Die drei Englischlehrerinnen an der Schule, die als seine Dolmetscherinnen fungierten, zeigten ihm auch das kulturelle Leben abseits der Lehreinrichtung. Zudem verbrachte er mehrere Tage in der ehemaligen Hauptstadt Almaty.

Auf dem mehr als 700 Kilometer langen Weg dorthin nahm er im Zug die Vielfalt Zentralasiens zwischen hügeligen Flächen und trockenen Steppen wahr. Mit 2,7 Millionen Quadratmetern ist Kasachstan eines der größten Länder der Erde und mehr als sieben Mal so groß wie Deutschland. Christ behält vor allem die Menschen in guter Erinnerung, sagt er.

von Tobias Kunz

Hintergrund

Der Senior Experten Service (SES) ist als Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit in 160 Ländern weltweit tätig.

Seine ehrenamtlichen Einsätze finden in erster Linie in Entwicklungs- und Schwellenländern und in Deutschland statt. Dabei bedient sich der SES des Wissens der „Generation Ruhestand“. Ehemalige Fach- und Führungskräfte geben ­ihre Expertise in anderen Ländern weiter. Der SES kümmert sich um den Flug und sorgt dafür, dass die Vertragspartner im Ausland den Experten eine Bleibe, Essen und Transport zur Verfügung stellen.

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