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Marburg Marburger ist Sargträger für US-Astronaut
Marburg Marburger ist Sargträger für US-Astronaut
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00:17 10.11.2018
Professor Ulrich Lotzmann zeigt ein Bild von Alan LaVern Bean, das dieser der Marburger Zahnklinik widmete. Quelle: Ina Tannert
Marburg

Zahntechniker Professor Ulrich Lotzmann, Geschäftsführender Direktor des Medizinischen Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Philipps-Universität, verbindet seit knapp 30 Jahren eine­ ­enge Freundschaft mit dem Astronauten Alan LaVern Bean. Dieser verstarb im Mai dieses Jahres. Seinen alten Freund wird Lotzmann am Donnerstag bei einer Beerdigung mit allen ­militärischen Ehren auf dem ­Arlington Nationalfriedhof bei Washington DC auf seinem letzten Weg begleiten.

Der Marburger und der Texaner lernten sich 1989 über einen befreundeten Astrophysiker kennen, pflegten seitdem Kontakt. Doch neben der Astronomie verband beide vor allem die Begeisterung zur Malerei. Bis heute bewundert Lotzmann die vielfältigen Talente und das bodenständige Wesen des Mondbesuchers, „er war einer, der anders war, war ein sehr freundlicher und zugänglicher Mensch“, erzählt der 61-Jährige über den Freund.

Astronaut Alan LaVern Bean.

Denn Bean habe es sich nach seiner Nasa-Karriere nicht in der Politik oder der Wirtschaft bequem gemacht, sondern trat von allen Posten zurück und folgte einem großen Traum – der Malerei. Aus dem berühmten Astronauten wurde ein freischaffender Künstler, „so hat er sein Leben gelebt, hat immer neue Perspektiven gesucht und beide Gehirnhälften genutzt, die sachliche und die musische Ebene“, sagt Lotzmann. Die meisten von Beans Bildern thematisieren die Raumfahrt oder das Weltall. Er malte unter anderem die Mondlandung – Szenen, die er als einer der wenigen selber erlebt hat. Dabei verwendete er häufig kräftige Farbtöne, „er hat dem an sich grauen Mond Farbe gegeben – hat immer versucht, sich zu verbessern, das hat mich an ihm fasziniert.“ Das brachte ihn auch selber zur Malerei. Bis heute pflegt Lotzmann die Online-Galerie seines alten Freundes.

Die Kunst war ihre gemeinsame Basis, war Inhalt unzähliger Gespräche, die Raumfahrt weniger: „Ich habe ihn vor allem als Künstler gesehen und nie gefragt, wie es war, auf dem Mond herumzulaufen.“ Das und ­Beans Nasa-Karriere konnte man ja ­sowieso überall nachlesen.

Alan LaVern Bean, Jahrgang 1932, kam als Ingenieur für Luftfahrttechnik und US-Navy-Pilot in den 60er-Jahren zur Nasa. Es dauerte noch einige Jahre bis er – jahrelang Ersatzmann – selber einen Fuße auf den Erdtrabanten setzen konnte. Er flog mit der Apollo 12 – der zweiten bemannten Mondlandung im Apollo-Programm – und betrat am 19. November 1969 als vierter Mensch den Mond. Seinen zweiten Weltraumeinsatz unternahm er im Jahr 1973, bevor er zwei Jahre später aus den Diensten der US-Marine austrat. 1981 trat er auch von den Nasa-Diensten zurück.

Malerei verbindet über Kontinente hinweg

Der Grundstein dafür, dass Lotzmann dermaßen tief in die Astronauten-Szene eintauchte, liegt auch im eigenen Interesse an der Astronomie, die neben der Malerei eines seiner liebsten Hobbys ist. Nach ihm wurde bereits ein Asteroid – der ­„Ulli Lotzmann“ – benannt, er arbeitet mit am „Apollo Lunar Surface Journal“ und nimmt ­regelmäßig an Astronautentreffen teil. Seine Begeisterung für das Weltall lebt er auch mit dem Sammeln von Apollo-Artefakten aus. In seinem Büro findet sich neben beruflichem Equipment auch das ein oder andere Utensil aus dem All. Neben dem Abdruck eines menschlichen Gebisses etwa der Handschuh eines Raumanzugs und andere Teile aus der Raumfahrt. Als Freund eines waschechten Astronauten kam Lotzmann an so manchen persönlichen Gegenstand heran, der es entweder ins All oder gar auf den Mond selber geschafft hat.

Die werden ihn stets an den langjährigen Freund erinnern. Bean verstarb am 26. Mai dieses Jahres im Alter von 86 Jahren. Bereits Ende Juni fand im kleinsten Kreis in Houston der „Memorial Service“ statt, an dem auch Lotzmann teilnahm. Am 8. November steht die eigentliche Bestattung des amerikanischen Helden an – mit allen militärischen Ehren wird der vierte Mann auf dem Mond auf dem Arlington Nationalfriedhof beigesetzt. An der Seite seines langjährigen Freundes wird auch Lotzmann sein und als ­einer der Ehrensargträger gemeinsam mit Navy-Angehörigen und anderen Apollo-Astronauten den von Pferden gezogenen Sarg bis zum Grab geleiten. Für Lotzmann ist das „eine große Ehre“ – für ihn selber, doch noch mehr für den bewunderten Freund, der er fast 30 Jahre lang Teil seines Lebens war.

Er wird ihn in Ehren halten, durch seine Unikate, Erinnerungen und zahlreiche seiner Bilder. In die hat Bean zum Teil Mondstaub eingearbeitet, erzählt der Freund, und damit die beiden großen Leidenschaften seines Lebens in einem einzigartigen Vermächtnis verwoben.

von Ina Tannert