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Marburg Treu und kraftvoll bis zum letzten Ton
Marburg Treu und kraftvoll bis zum letzten Ton
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17:22 26.04.2017
Das Marburger Onzemble beendete mit einem Abschiedskonzert seine 25-jährige Konzerttätigkeit, mit der sie auch die Kirchenmusik in der Marbach geprägt hat. Quelle: Mareike Bader
Marbach

Ein letztes Mal zeigen die elf Sängerinnen und Sänger des Marburger Onzembles – ein Wortspiel der beiden französischen Begriffe für elf „onze“ und Ensemble – wie schön es ist, ­gemeinsam zu singen und auf welch hohem Niveau dies das Onzemble die letzten 25 Jahre tat.

„Bei elf Leuten muss jeder seine Stimme beherrschen“, resümiert Leiter Wolfgang Krumm und lobt seine Sänger, die alle vom Blatt singen könnten. Wie er gehören mit Kathrin Thiemann und dem Ehepaar Marlene und Thomas Höferhüsch insgesamt vier Gründungsmitglieder bis zu letzt dem Onzemble an.

Auch beim Abschiedskonzert bleibt sich das Onzemble treu und führt Musik auf, die in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren selten in Marburg zu hören war. Darunter auch „The Lamentations of Jeremiah“ von Thomas Tallis, das vom Onzemble selbst schon einmal gesungen wurde. Ein schönes polyphones Werk, bei dem die einzelnen Stimmen hervorragend herauszuhören sind.

Sanft aber sicher beginnt der Sopran, gefolgt von den anderen Stimmen, bis mit dem Bass als tiefes Fundament alle Stimmen wunderschön harmonisch vereint sind. Die elf Laiensängerinnen und -sänger unterstreichen noch einmal das ­hohe ­Niveau des Onzembles – und die gute Verbundenheit. Unterbrochen wird Tallis‘ Klagelied 
von John Dowlands „Lachrimae or Seven Tears“, das von ­einem Streichquintett präsentiert wird.

Abschied hat 
sich langsam angekündigt

Mit der Psalmvertonung „De profundis clamavi“ des immer bekannter werdenden belgischen Komponisten Kurt Bikkemberg ist auch Musik des 20. Jahrhunderts vertreten. Viele Dissonanzen und schwebende Harmonien prägen diese atmosphärische Komposition, die die Sänger souverän meistern.

Auch bei diesem Konzert wird das Marburger Onzemble von Gastsängern unterstützt. „Vor allem im Tenor hatten wir in den letzten Jahren immer Besetzungsprobleme“, erklärt Wolfgang Krumm im Gespräch. Der Abschied habe sich langsam angekündigt, bestätigt er. „Das ist eine innere Überlegung, wann hört man in Würde auf“, so Krumm. Die Entscheidung, aufzuhören, sei letztendlich gemeinsam entschieden worden. Besonders in Erinnerung ist Krumm die szenische Aufführung der Motette „Totentanz“ von Hugo Distler vor etwa sechs Jahren mit drei Clowninnen geblieben.

Auch Professor Volker Mammitzsch würdigte als langjähriger Kirchenvorsteher und Kirchenältester der Markuskirche die Arbeit des Onzembles, das in die kirchenmusikalische Arbeit der Gemeinde eingebunden war und auch den Kirchenchor der Markuskirche immer wieder unterstützte. „Dadurch entwickelte sich eine Kirchenmusik in der Marbach, die allgemeines Lob fand“, so Mammitzsch.

Zum Schluss gab es mit „Ich will Wasser gießen auf die Durstigen“ von Philipp Heinrich ­Erlebach (1657-1714) noch einmal ein Kabinettstück – feierlich, fröhlich und mit Instrumentalbegleitung. Kraftvoll und lebendig erklang noch einmal das Marburger Onzemble in der Markuskirche, wo sie so oft zu hören waren. Mit kräftigem Applaus verabschiedete sich das Publikum von den elf Sängern, die sichtlich gerührt waren.

von Mareike Bader

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