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„Ein paar Hits hatten wir ja schon“

Marburger Lyrikkompanie „Ein paar Hits hatten wir ja schon“

Fans der Marburger 
Lyrikkompanie dürfen 
sich freuen: Das neue 
Programm ist quasi ein Medley in Überlänge.

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Jürgen Helmut Keuchel (hinten von links), Peter Rollenske und Carsten Beckmann lauschen Stefan Piskorz, der einmal mehr im knappen Mini auf die Bühne muss (oder darf).

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Drei Blöcke, zweieinhalb Stunden und ganz viel gute Laune. Die wilde „Hit! Hit! Hit!“-Mischung enthält Mörder-Marder, ein Gebet von Theresa von Avila und ein Lied von Roland Kaiser. Und das muss man sich in der Zusammenstellung erst mal trauen.

„Santa Maria“. Das Publikum ist begeistert. Jürgen Helmut Keuchel hingegen am Verzweifeln. „Ich mach das nie wieder! Ich war immer gegen das Lied! Ich kann’s nicht mehr hören!“ Das Meckern ist natürlich Programm, denn – humbadahumba – dazu besteht keinerlei Grund. Das Publikum bekommt ein unterhaltsames Potpourri geboten und einige Nummern haben ganz offensichtlich Wiedererkennungswert.

Als die Truppe im zweiten Block „Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt“ anstimmt, beginnt ein Grüppchen unter den Zuschauern zu diskutieren. 
 Ricky Shane? Howard Carpendale? Eine Frau ruft am Ende die Frage nach dem Interpreten auf die Bühne. Barry Ryan war’s. Ansonsten gibt es natürlich Robert Gernhardt, Ernst Jandl oder Erich Kästner. Und jeder der vier Väter der Kompanie – Jürgen Helmut Keuchel, Carsten Beckmann, Peter Rollenske und Stefan Piskorz – darf mehrfach glänzen.

Mix aus Tierischem und allzu Menschlichem

Keuchel präsentiert beispielsweise seine „kleine geographische Geschichte“, Beckmann singt die „Phlegmatiker-Ballade“ aus eigener Feder, Rollenske begleitet – angeblich als einziger in Marburg – ein russisches Balalaika-Stück auf der Bouzouki, und dass Piskorz einmal mehr in Frauenkleider schlüpft, ist quasi Pflicht. Gut, dass die humpelnde Schneeseekleerehfee mit ihren 66 Zehen nur Drehzehweh und nicht Gehzehweh hatte. Wahrscheinlich die größere Herausforderung als solche Zungenbrecher: sich danach als Mann auf zehn Zehen, aber im knappen Miniröckchen setzen müssen.

Akteure und Zuschauer hatten bei der Premiere des Stücks am vergangenen Samstag im Kleinkunstkeller Szenario jedenfalls jede Menge Spaß. Die zweite Vorstellung findet am diesen Samstag, 4. November, statt.

Fraglich ist, ob die Kompanie die Kleiderordnung durchhält. „Wer hatte denn die Idee mit den Anzügen?“, fragt Jürgen Helmut Keuchel und entledigt sich noch im ersten Akt seines Jacketts. „Mir ist nicht warm“, tönt es von der Bühne. „Du bist ja auch noch nicht in den Wechseljahren?“, kontert Keuchel.

Ansonsten erwartet das Publikum der bewährte launige Mix aus Tierischem (der Mörder-Marder, der Hase im Rausch oder das Liebesleben der Tiere) und Menschlichem bis allzu Menschlichem. „So ein paar Hits hatten wir ja schon“, lautete die Feststellung zu Beginn des Programms. Man hofft, alle haben sich bis zwei Uhr nix vorgenommen?! Ganz so lange wurde es dann doch nicht bei der Premiere.

Nächster Versuch: am Samstag um 20.30 Uhr, erneut im Szenario (im Cordes am Steinweg). Es gibt nur noch Restkarten. Der Eintritt kostet 13 Euro, Studierende 10 Euro.

von Nadja Schwarzwäller

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