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Wiener Klassik mit ganzer Leidenschaft

Marburger Schlosskonzerte Wiener Klassik mit ganzer Leidenschaft

Mit seinem Programm „Hochblüte der Wiener Klassik“ füllte das Marburger Kammerorchester den Fürstensaal im ­Marburger Schloss bis 
auf den letzten Platz.

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Hochkonzentriert und souverän führte die Dirigentin Karin Hendel das Marburger Kammerorchester beim Konzert im Fürstensaal.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Unter der Leitung von Karin Hendel und mit der Unterstützung des Solo-Oboisten José Luis García Vegara schuf das Ensemble am Samstagabend eine einzigartige Atmosphäre im gotischen Gewölbe des Fürstensaals. Auf dem Programm stand Wiener Klassik, die unterschiedlichste Musikstile vereint. Die Komponisten nahmen Einflüsse anderer Länder auf und brachten in ihren Werken Gefühle und Leidenschaft zum Ausdruck.

Mit Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubert präsentierte das Marburger Kammerorchester ein vielseitiges Programm des galanten, empfindsamen und impulsiven Musikstils. Überlegene Kunstfertigkeit und expressive Heftigkeit machen Joseph Haydns „Sinfonie in Es-Dur Hob. 74“ zu einem charakteristischen Werk der Wiener Klassik. Beginnend im lebhaften Vivace Assai eröffneten die Musikerinnen und Musiker das Konzert stürmisch wie leidenschaftlich und betonten Haydns Fähigkeit, kontrastreiche Musik hervorzubringen.

Gegensätze dominieren die Sinfonie, die sich im Anschluss von einem tiefgründigen gemächlichen Adagio Cantabile in ein tänzerisches Menuett steigert. Das abschließende Allegro Assai hatte in der Interpretation des Kammerorchesters etwas kindliches, verspieltes. Die unterschiedlichen Stimmen schienen die thematischen Phrasen regelrecht einander zuzuwerfen, antworteten mit hastenden Gegenmelodien und steigerten sich in ein eindrucksvolles Crescendo im Finale.

Perfekte Abstimmung, romantisches Finale

Auch Franz Schubert beschäftigte sich seinerzeit mit der Sinfonie. Sein Werk „Symphonie Nr. 5 B-Dur“ gilt inzwischen als bekanntestes kleines Orchesterwerk Schuberts.

Impulsiv und lebendig begann das Kammerorchester im Allegro und entwickelte in blitzschneller Intonation das erste verspielte Thema, das an die Wiener Straßenlieder erinnerte. Mit wechselnder Dynamik und raffinierten Kontrasten steigerten sie sich über ein sanftes Andante zu einem temperamentvollen Menuetto. In perfekter Abstimmung holten die Musikerinnen und Musiker zum rasanten letzten Satz aus und endeten in einem wirkungsvollen, geradezu romantischen Finale im beschwingten Allegro Vivace.

Der Höhepunkt des Abends war jedoch Mozarts Oboenkonzert in C-Dur KV 314. Die Finger des Solisten José Luis García Vegara tanzten in rasantem Tempo über die Klappen seiner Oboe. In gefühlvoller Expression steigerte sich sein Spiel vom fidelen Allegro zum tänzerischen Rondo, unterbrochen durch das dynamisch differenzierte gemächliche Adagio Non Troppo im zweiten Satz. Das Orchester umrahmte sein leidenschaftliches Spiel und betonte es durch die leichte und transparente Orchestrierung.

Dirigentin leistet „bedeutende Arbeit“

Wehmütig und emotional spielte García Vegara im zweiten Satz, schöpfte das ganze Potenzial des weichen, melodiösen Oboen-Tons aus und brachte das berühmte Werk mit dem überschwänglichen Rondo des dritten Satzes zu einem imposanten Finale. Die darauffolgenden Begeisterungsstürme des Publikums wurden mit Johann Sebastian Bachs „Air Suite Nr. 3“ belohnt: Feinfühlig und geheimnisvoll, sehnsüchtig wie leidenschaftlich.

Das Kammerorchester agierte in perfekter Abstimmung miteinander. Herrlich intoniert und feinfühlig erweckten die Instrumentalisten unter Hendels präziser Leitung die Werke der Wiener Klassik zum Leben.

„Insbesondere die Leitung von Karin Hendel hat mich sehr beeindruckt“, sagte Anna Widmer aus dem Vorstand der Musikfreunde Marburg, die die Schlosskonzerte organisieren. „Sie hat unheimlich suggestiv dirigiert und, wie man hören konnte, wirklich bedeutende Arbeit geleistet.“

von Julia Mädrich

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