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Entdeckungsreise durch das Kino Europas

Marburger Kamerapreis Entdeckungsreise durch das Kino Europas

Seit 2001 vergeben die Stadt Marburg und die Philipps-Universität gemeinsam den Marburger Kamerapreis. Hélène Louvart ist die dritte Frau, die den mit 5000 Euro dotierten Preis erhält.

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Das Foto zeigt Hélène Louvart an der Seite von Regisseur Wim Wenders bei den Dreharbeiten zu der Dokumentation „Pina“.

Quelle: Neue Road Movies / Donata Wenders

Marburg. An mehr als 100 Filmprojekten hat die 1964 in der französischen Kleinstadt Pontarlier nahe der Schweiz geborene Kamerafrau seit 1987 mitgewirkt. Sie heißen „Martha … Martha“ (2001), „Bye Bye Blondie“ (2010) oder „La Meraviglie“ (2013). Es sind meist kleine Arthouse-Filme, die große Schwierigkeiten haben, in Deutschland in die Kinos zu kommen.

Es sei für ihn eine ungewöhnliche Situation, sagte am Donnerstag der Marburger Filmkunstbetreiber und Kamerapreis-Jury-Mitglied Hubert Hetsch bei der Bekanntgabe der Preisträgerin. „Wir haben eine Preisträgerin, von der ich sehr wenig kenne.“ Das habe aber nichts mit der Qualität der Filme zu tun, sondern mit den Gesetzen des Marktes. Im vom Filmen überfluteten deutschen Markt blieben viele Filme auf der Strecke. Der in Deutschland bekannteste Film, an dem sie als Kamerafrau mitgewirkt hat, ist die preisgekrönte 3-D-Dokumentation „Pina“ von Regisseur Wim Wenders, die für einen Oscar nominiert worden war.

Laut Jury ist Hélène Louvart eine virtuose Kamerafrau, die immer wieder Bilder schaffe, „die Regie, Drehbuch und Schauspiel kongenial ergänzen“. Dabei bevorzuge sie die Zusammenarbeit mit „Regie-Kollaborateuren“ wie Christian Vincent oder Alice Rohrbacher und habe sich als Bildgestalterin „wie wenig andere der Jugend, der Revolte und der Sexualität gewidmet“.

Hagener: Louvart steht für „junges, visuell aufregendes Kino“

Für den Medienwissenschaftler und Kamerapreis-Leiter Professor Malte Hagener sind ihre Filme „eine Entdeckungsreise durch das europäische Kino“. Louvart sei „extrem international tätig“. Sie drehe in Frankreich, Italien, Deutschland, Algerien und den USA. Fünf bis sieben Filme pro Jahr sind für die gefragte Kamerafrau nicht ungewöhnlich.

Hagener sagte, er treffe die Preisträger gerne vor der Bekanntgabe. Diesmal sei es schwierig gewesen, weil sie „sehr ausgebucht“ sei. Aktuell arbeite sie an drei Filmen. Er traf Louvart schließlich in Turin, unmittelbar nach ihrer Rückkehr aus Indien. Auch das zeigt, wie international vernetzt die Filmszene heute ist. Laut Hagener stehe Louvart für ein „junges, visuell aufregendes Kino“.

Aus Sicht von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies ist der Kamerapreis einer der schönsten Preise, die man vergeben kann: „Er kann nur in Marburg so gelingen, wie er gelingt.“ Der Kamerapreis sei ein Musterbeispiel für die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Universität und dem Berufsverband Kinematografie (BVK), in dem Kameraleute zusammengeschlossen 
sind.

Vergeben wird der Marburger Kamerapreis seit 2001 für „herausragende Bildgestaltung im Film“. Er wird am Samstag, 28. April 2018, in der Aula der Alten Universität überreicht. Eingebettet ist die Verleihung in die Bild-Kunst-Kameragespräche.

von Uwe Badouin

Ariadne Hohndorf (von links), Dr. Richard Laufner (beide Kulturamt), Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Professor Malte Hagner, Kinobetreiber Hubert Hetsch, Max Zaher vom BVK und die Organisatorin Lara Perski stellten die Preisträgerin vor. Foto: Uwe Badouin
 
Bisherige Preisträger
2001: Raoul Coutard (Frankreich) 
2002: Frank Griebe (Deutschland) 
2003: Robby Müller (Niederlande) 
2004: Slawomir Idziak (Po
len)
2005: Walter Lassally (England)
2006: Judith Kaufmann (Deutschland/Österreich) 
2007: Eduardo Serra (Portugal/Frankreich) 
2008: Renato Berta (Schweiz)
2009: Wolfgang Thaler (Österreich) 
2010: Jost Vacano (Deutschland)
2011: Anthony Dod Mantle (England/Dänemark) 
2012: Agnès Godard (Frankreich) 
2013: Reinhold Vorschneider (Deutschland) 
2014: Paweł Edelman (Polen)
2015: Ed Lachman (USA)
2016: Jürgen Jürges (Deutschland)
2017: Luca Bigazzi (Italien)
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