Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Bauausschuss fordert Verkehrsdaten an
Marburg Bauausschuss fordert Verkehrsdaten an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 31.08.2018
Die Verkehrslage Ecke Barfüßertor-Rotenberg könnte im Zuge des möglichen Neubaugebiets weiter steigen. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Im Falle einer neuen Bebauung dürfte an beiden Verkehrsknotenpunkten mit ­zunehmender Belastung durch Fahrten der neuen Anwohner zu rechnen sein.

Wie hoch die aktuelle Datengrundlage und erwartete Auslastung am Ende konkret sein wird, war Fixpunkt eines Berichtsantrag von CDU, SPD und Bürger für Marburg (BfM) an den Magistrat. Nach der derzeitigen Prognose von Juni liegt der Mehrverkehr demnach bei 1080 (Rotenberg) beziehungsweise­ knapp 1890 (Hasenkopf) Pkw-Fahrten pro Tag. Laut der Stellungnahme der zuständigen Fachdienste würden beide Straßen dies verkraften, die künftige Mehrbelastung müsse dabei „auf geringstmöglichem Niveau“ gehalten werden. Das Mittel dazu sieht die Verwaltung in einer „Optimierung des ÖPNV-Angebotes“.

Hussein kritisiert Linke

Die Prognose und generell die Datenlage sei „weniger schlimm“ als ­erwartet, das Ganze „doch nicht so unerforscht, wie vermutet“, sagt Sonja Sell, SPD-Stadtverordnete. Diese Grundlage reiche aus, um im Parlament eine Entscheidung zu treffen, welches Wohnviertel zuerst errichtet werden soll. Der zusätzliche Verkehr, vor allem an den Hauptknotenpunkten wie der Graf-von-Stauffenberg-Straße, könne man „abwickeln“, schätzt Sell.

Die Linke gewichtete­ die Verkehrsentwicklung anders: Eine Dimension von 1000 Fahren zusätzlich sei eine „beachtliche Menge“, sagte Renate­ ­Bastian (Linke), die sich negativ auf die Entscheidung auswirken könne. Den Einwand empfand Stadtverordneter Schaker Hussein (SPD) als „lächerlich – wo sollen denn sonst Wohnungen entstehen?“, stellte­ er in den Raum und warf der Linken vor, „Panik zu verbreiten“. Er meinte, dass der Großteil des zusätzlichen Verkehrs sich auf sogenannte Endfahrten beschränken werde, etwa Wege­ 
zwischen Arbeitsplatz und Wohnviertel.

Bürgermeister relativiert

Dass diese damit weniger ins Gewicht fallen würden, hielt Tanja Bauder-Wöhr (Linke) für blauäugig – man müsse „schon blind und taub sein“, um die zu erwartende Mehrbelastung an den beiden „Nadelöhren“ nicht zu erkennen. Die zuletzt vom Magistrat und ADFC-Vertreter Wolfgang Schuch formulierte Idee für ein autofreies­ Wohnen hielt sie zudem für „unmöglich“ umzusetzen, ohne beim öffentlichen Nahverkehr für eine „Ideale Anbindung“ zu sorgen.

Bürgermeister Wieland­ Stötzel (CDU) versuchte zu ­relativieren: Der angenommene Zuwachs beim Verkehrsaufkommen sei „keine verlässliche Aussage – man kann nicht davon ausgehen, dass wir 1000 ­Autos mehr haben am Rotenberg, es können auch weniger sein“. Die derzeitige Anbindung halte er für „ausreichend“.

von Ina Tannert
 und Till Conrad

Uni-Spitze: Kaum Chancen auf Innenstadt-Wohnviertel     

Ein Innenstadt-Wohnviertel auf dem Gelände von alter UB und PhilFak, wie von Gewobau-Chef Jürgen Rausch ins Gespräch gebracht, hat in den nächsten 15 Jahren keine Chance auf Realisierung. Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne sagte am Freitag bei einem Ortstermin mit Rausch, dem SPD-Ministerpräsidentenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel und der SPD-Landtagsabgeordneten Handan Özgüven, so lange brauche die Uni die Liegenschaften als Reserveflächen, um Bibliotheksbestände oder Uni-Institute bei notwendigen Renovierungen zwischenzeitlich auszulagern.

Nonne wollte sich nicht festlegen, ab wann das Gelände für Wohnbebeuung frei werden könnte. Langfristig sei die Entwicklung der Studierendenzahlen noch nicht absehbar. Schäfer-Gümbel regte für die Zeit danach die Vorbereitung eines integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts an, das Voraussetzung für Bundes- und Landeshilfen ist, „bevor der Denkmalschutz zuschlägt“. Land und Universität müssten in die Planung einbezogen werden.

Özgüven teilte mit, nach ihrer Information habe das Land noch keine Pläne für die Zukunft des Geländes Das etwa 5 Hektar große ­Gelände ist so groß wie das ­potenzielle Baugebiet Oberer Rotenberg. Die SPD will im Falle eines Wahlsiegs ein eigenes Wohnungsbauministerium schaffen.