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Stadt Marburg erwischt weniger Raser

Weniger Einnahmen aus Blitzern Stadt Marburg erwischt weniger Raser

Falschparken und zu schnelles Fahren sind die häufigsten Vergehen von Verkehrssündern. Sie haben den meisten größeren Städten in Hessen gestiegene Knöllchen-Einnahmen beschert. In Marburg gingen die Einnahmen hingegen zurück.

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Anschlag auf Marburger Verbindungshaus

Auf die stationären Blitzern haben sich die Autofahrer in Marburg scheinbar eingestellt.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Sechs der zehn größten Städte Hessens haben im vergangenen Jahr mehr Verwarn- und Bußgelder kassiert als 2016. Mehreinnahmen von Falschparkern und Temposündern gingen im Jahresvergleich unter anderem in Kassel, Offenbach und Gießen ein, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Rückgänge bei Einkünften verzeichnen hingegen unter anderem Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt. Die Gewinner und Verlierer im Überblick:

Die Gewinner

  • In Kassel stiegen die Einnahmen durch Knöllchen im ruhenden und fließenden Verkehr gewaltig. Standen 2016 noch 2,54 Millionen Euro zu Buche, waren es im vergangenen Jahr knapp 3,88 Millionen Euro. Ursache für die Zunahme sind deutlich gestiegene Fallzahlen im fließenden Verkehr, wie die Stadt mitteilte. Ende 2016 seien sechs neue stationäre Geschwindigkeitsmessanlagen in Betrieb genommen worden. Sie seien an Orten installiert worden, wo immer wieder zu schnell gefahren worden sei. „Ziel ist hier eine nachhaltige Einflussnahme auf die Verkehrssicherheit“ begründete die Stadt. Erfreulicherweise seien die Fallzahlen im Laufe des Jahres 2017 an den neuen Blitzern zurückgegangen, schrieb die Stadt. Daher sei das Ziel, für mehr Sicherheit zu sorgen, erreicht worden. Eine weitere Ausweitung der Kontrollen sei 2018 gegenwärtig nicht beabsichtigt.
  • Die Stadt Offenbach kann sich ebenfalls über gestiegene Einkünfte aus Knöllchen freuen. Sie lagen wegen höherer Fallzahlen 2017 bei 3,07 Millionen Euro – nach 2,82 Millionen Euro im Jahr 2016. Mehr Personal wurde auf der Jagd nach Verkehrssündern zwar nicht eingesetzt, aber ein mobiler Blitzer mehr war im Einsatz. In diesem Jahr wird es für undisziplinierte Verkehrsteilnehmer noch ungemütlicher. Denn es werden mehr Planstellen bei der Stadtpolizei eingerichtet, wie die Kommune mitteilte. Dadurch solle eine sogenannte Task-Force „Verkehr“ entstehen. „Aufgabe wird die Verfolgung von komplexeren Verkehrsverstößen sein, wie beispielsweise der Lkw-Verkehr oder die Kontrolle von Raser-Schwerpunkten“, erläuterte die Stadt.
  • Auch in Gießen klingelte die Kasse lauter. Einnahmen von 1,50 Millionen Euro im Jahr 2016 stand ein Gesamtbetrag von 1,89 Millionen Euro im vergangenen Jahr gegenüber.
  • In Fulda stiegen die Einnahmen von 1,32 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 1,60 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Mehr Personal sei aber nicht eingesetzt worden, um die Falschparker und Raser zu erwischen. Eine Ausweitung sei auch 2018 nicht geplant. „Die Kontrollen sollen wie in den Jahren zuvor durchgeführt werden“, so ein Stadtsprecher.
  • Undisziplinierte Verkehrsteilnehmer brachten auch in Rüsselsheim mehr Geld ein. Die Einnahmen lagen 2017 bei rund 923 000 Euro nach knapp 853 000 Euro im Jahr 2016. Das liege an einer Zunahme der Fallzahlen. „Die Fahrerinnen und Fahrer werden immer dreister,
    ignoranter und rücksichtsloser“, befand Asswin Zabel von der städtischen Pressestelle.
  • In Hanau wuchsen die Erträge ebenfalls, von 1,15 im Jahr 2016 auf 1,36 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Das begründete die Stadt östlich von Frankfurt mit einem Anstieg der Fallzahlen, von rund 96 000 auf knapp 104 000. Im Bereich des ruhenden Verkehrs seien zum Beispiel mehr als 4 800 Verfahren mehr eingeleitet worden. „Weiterhin Spitzenreiter bei den Vergehen ist das Parken im Halteverbot, gefolgt vom Parken ohne Parkschein und der Missachtung der Bewohnerparkbereiche“, erklärte eine Stadtsprecherin. Mehr Personal sei nicht eingesetzt worden, um potenziell mehr Knöllchen verteilen zu können. Eine Ausweitung der Kontrollen sei für 2018 auch nicht in den Blick genommen worden.

Die Verlierer

  • In Frankfurt gingen die Einnahmen der Stadt von 19,4 auf 18,3 Millionen Euro deutlich zurück. Verantwortlich dafür war vor allem eine Abnahme von 700 000 Euro bei den Einkünften aus dem ruhenden Verkehr. Dort ging der Ertrag von 12,8 auf 12,1 Millionen Euro zurück, weil über 43 000 Protokolle weniger geschrieben wurden als im Vorjahr. Zur Frage, ob die Kontrollen 2018 ausgeweitet werden, erwiderte ein Stadtsprecher: „Der Ausbau der Infrastruktur zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, insbesondere im fließenden Verkehr, wird kontinuierlich weiterentwickelt.“
  • Auch in Wiesbaden sanken die Erträge deutlich: von rund 4,80 Millionen Euro auf knapp 3,72 Millionen Euro. Grund war eine deutliche Abnahme der Verwarn- und Bußgelder im ruhenden und fließenden Verkehr. Das heißt aber nicht, dass die Verkehrsteilnehmer sich zuletzt vernünftiger verhielten. „Die rückläufigen Zahlen sind der Neuorganisation der Ämter und Aufteilung der Aufgaben in Stadtpolizei und kommunale Verkehrspolizei zum Mai 2017 geschuldet“, erklärte ein Stadtsprecher. Seit der Trennung hätten lediglich noch drei Mitarbeiter für die mobile Geschwindigkeitsüberwachung zur Verfügung gestanden. Und die Mitarbeiterzahl für die Kontrollen des ruhenden Verkehrs seien ebenfalls reduziert worden. In diesem Jahr sollen die Kontrollen nun wieder ausgeweitet werden. „In allen Bereichen des ruhenden und fließenden Verkehrs“, kündigte der Sprecher an.
  • Auch Darmstadt hatte 2017 weniger Geld von Verkehrssündern in der Kasse. Die Summe sank von 2,56 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 2,09 Euro im vergangenen Jahr. Während die Anzahl der Verstöße im ruhenden Verkehr stabil geblieben sei, sei der signifikante Rückgang im fließenden Verkehr der Gewöhnung an die aufgestellten kombinierten Rotlicht- und Tempo­blitzer zuzuschreiben, erklärte die Stadt. „Wenn dadurch vorsichtiger und langsamer gefahren wurde, ist ein Ziel der Verkehrsüberwachung erreicht“, sagte ein Stadtsprecher ergänzend. Die Stadt habe im vergangenen Jahr sogar zwei Bedienstete mehr eingesetzt als im Jahr 2016. Zudem sei ein weiterer Blitzer installiert worden. Und auch 2018 soll nach Auswertung des Unfallgeschehens von 2017 eine weitere Säule errichtet werden.
  • In Marburg gingen die Einnahmen aus Verwarn- und Bußgeldern von 2,12 auf 2,01 Millionen zurück, wie die Stadt berichtete. „Der Rückgang bei den Einnahmen hängt unmittelbar mit den gesunkenen Fallzahlen im fließenden Verkehr zusammen“, erklärte eine Stadtsprecherin. Die Hälfte des Rückgangs entfalle auf stationäre Blitzer. „Das legt nahe, dass sich das Verhalten der Verkehrsteilnehmer geändert hat“, sagte sie. Die andere Hälfte des Rückgangs liege bei der mobilen Verkehrsüberwachung. Dort sank 2017 die Zahl der Kontrollen und damit der Fallzahlen, weil es einen Defekt bei der technischen Ausrüstung gegeben habe. Eine Ausweitung der Kontrollen sei 2018 nicht geplant.
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