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Marburg Marburg, ein Bildermärchen
Marburg Marburg, ein Bildermärchen
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18:48 07.05.2017
Der in Mardorf lebende Künstler Werner Eismann zeigt in seiner Ausstellung in der Marburger Sparkasse „temperierte“ Bilder von verfremdeten Wahrzeichen – wie hier das Erwin-Piscator-Haus. Quelle: Werner Eismann
Marburg

Der Frauenberg, ganz in Türkis. 8 Grad. Das Schloss, im Herbst, 16 Grad. Marburg, bei Nacht, 22 Grad. Die Temperaturangaben entsprechen aber nicht etwa den realen Gegebenheiten vor Ort, als das Foto aufgenommen wurde, sondern sind „gefühlt“. Ganz subjektiv, vom Künstler, wenn er das fertige Bild betrachtet. Und das kann dauern. Zwischen vier Wochen und einem halben Jahr sitzt Werner Eismann an der Bearbeitung, wie er im Gespräch mit der OP erzählt. Wobei er sich nicht auf ein Bild konzentriert, sondern parallel an mehreren Werken arbeitet.

Für seine Ausstellung „The MR Fairytale“ hat er nicht nur Bilder mit Motiven aus Marburg und der Umgebung ausgewählt, sondern auch aus Paris, Hamburg oder Berlin. Um welche Motive es sich handelt, das ist nicht immer gleich ersichtlich. Der Eiffelturm in Paris, das Marburger Landgrafenschloss: Diese Wahrzeichen erkennt man natürlich auch, wenn die Bilder verfremdet sind. Aber der Straßenverlauf am Rudolphsplatz zum Beispiel, der sich hinter dem Werk „Marburg night 22 Grad“ verbirgt - da mussten einige der Besucher schon mehr als einmal hinsehen.

Softeis spielt unplugged

Werner Eismann zerlegt das Ursprungsbild gewissermaßen in mehrere Ebenen und setzt es dann neu zusammen, wie Laudator Hartmut Lange in seiner Einführung in die Ausstellung erläuterte. Elemente werden verschoben, Farben aus dem Hintergrund nach vorn geholt, Strahlen erzeugen Licht und Schatten, ein „wusch“ entsteht: „So lässt er den Betrachter in die Tiefe des Bildes blicken.“ Und es kommen nicht nur gewollte, sondern manchmal auch für den Künstler selbst überraschende Momente zustande.

Zu den Motiven zählen auch zwei prominente und jeweils kontrovers diskutierte Kulturtempel: die Hamburger Elbphilharmonie und das Marburger Erwin-Piscator-Haus. Beide hat Werner Eismann mit seiner Kunst ganz außergewöhnlich in Szene gesetzt. Die Hamburger „Elphi“ mit der Assoziation von Lautsprecherboxen im Kopf - aus denen laut Hartmut Lange bei Werner Eismann natürlich laut Rockmusik erklingt. Und das „EPH“ mit der Faszination der Spiegelungen an der Fassade. Auch hier ergänzt die „gefühlte Wärme“ der fertigen Werke die Titel.

Musik spielte bei der Vernissage auf mehreren Ebenen eine Rolle. Einmal wäre da ein Cello (Eismanns Lieblingsinstrument, wie er verriet), das als Foto in vier verschiedenen Jahreszeit-Versionen bearbeitet wurde. Und im Zweifel sorgt man als Musiker eben sogar auf seiner eigenen Vernissage fürs Rahmenprogramm. Zusammen mit seinen Kollegen von „Softeis“ spielte Werner Eismann einige Stücke unplugged.

Gemeinsam mit Zwillingsbruder Gerhard wagte er mit 13 Jahren den ersten Auftritt. Vor 15 Jahren entdeckte er schließlich die Fotografie für sich.

  • Die Ausstellung „The MR Fairytale“ ist in der Kundenhalle der Sparkasse Marburg-Biedenkopf in der Universitätsstraße zu den Öffnungszeiten der Filiale zu sehen.

von Nadja Schwarzwäller