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Marburg Kopfkino wird am Freitag Realität
Marburg Kopfkino wird am Freitag Realität
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00:18 03.12.2018
Die Scheinwerfer auf der Mauer gegenüber der Lutherischen Pfarrkirche leuchten kilometerweit und machen auf das Lichtevent Marburg b(u)y Night aufmerksam. Manuel Greim hat das Veranstaltungshighlight, die Lichtshow an der Pfarrkirche, selbst geplant und programmiert.  Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

100 Cases mit 310 Metern Kabel, 76 Steckdosen und 30 Lampen und Scheinwerfern hat Flashlight allein am Lutherischen Pfarrhof verbaut. Die Lutherkirche unterhalb des Schlosses ist in diesem Jahr das Highlight bei Marburg b(u)y Night.

Heute Abend um 18 Uhr wird Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies dort für viele leuchtende Augen sorgen, wenn er auf den Knopf drückt, damit der Ökostrom der Stadtwerke die Innenstadt zum Leuchten bringt. Aber einer wird das alles noch überstrahlen – Manuel Greim. Drei Monate Arbeit am Computer liegen dann hinter ihm. Unzählige Stunden planen, probieren, programmieren, umändern, testen – für viereinhalb Minuten Musik- und Lichtshow an der Fassade der Lutherischen Pfarrkirche.

Es ist nicht sein erstes Projekt, aber wohl das bisher größte und vor allem das mit den meisten Zuschauern. Die Basketballer der Gießen 46ers laufen bereits zu seiner programmierten Show bei jedem Heimspiel ein, im vergangenen Jahr hat er für eine größere Veranstaltung in Dagobertshausen seine Ideen umsetzen dürfen.

Als Manuel Greim den Titel „Facing Fears“ von Ivan Torrent zum ersten Mal gehört hatte, „habe ich schon das Licht gesehen“, erinnert sich der 17-Jährige. „Ich hatte sofort Bilder vor den Augen, die Lichteffekte, die Farben, die Wechsel“, sprudelt es aus ihm heraus. „Das ist Kopfkino.“ Genau dieses Kopfkino soll halbstündlich die Besucher von Marburg b(u)y Night an der Lutherkirche begeistern. An insgesamt 50 Plätzen und Häusern in der Stadt werden bis Mitternacht Lichtinstallationen zu sehen sein.

Zusammen mit Luca Wiese, Veranstaltungstechniker von Flashlight, hat Manuel Greim am Mittwoch bereits mit dem Aufbau an der Kirche begonnen. 100 Cases haben er und noch weitere Kollegen über das holprige Kopfsteinpflaster geschoben. „Die Logistik war in diesem Bereich sehr speziell. Wir konnten ja nur mit kleinen Transportern hier hoch. Das war schon umständlich“, beschreibt Manuel Greim.

Neben dem Verlegen der Kabel und dem Anschließen der Scheinwerfer musste auch das Netzwerk eingerichtet werden. Über IP-Adressen kommunizieren Mischpult und Scheinwerfer miteinander, per Knopfdruck können Manuel Greim und Luca Wiese jede einzelne Komponente steuern.

Visuell zum Einsturz bringen

Direkt vor der Kirche stehen nun Moving Lights, die sich unheimlich schnell bewegen können. Direkt daneben das Effektlicht. Es ist mit durchsichtigen Hauben abgedeckt, damit die Leuchten gegen Nässe geschützt sind. Vor allem sie sorgen für Spannungsmomente und Höhepunkte. „Richtig eingesetzt können sie die Kirche visuell zum Einstürzen bringen“, erklärt der Abiturient.

10 000 Mal hat er das Lied und seine programmierten Lichteffekte wohl schon am Rechner im Flashlight-Büro gehört und gesehen. „Manchmal kann ich es nicht mehr hören“, gibt er zu. Am Mittwoch jedoch, als er das erste Mal auf den „Go“-Button auf seinem Laptop geklickt hat, die Musik begann und zeitgleich die Scheinwerfer anfingen zu leuchten, genau so, wie er es sich vor Monaten ausgedacht hat, da war ein ganz breites Grinsen auf dem Gesicht von Manuel Greim zu sehen.

„Ein tolles Gefühl!“ Das Kopfkino ist nun Realität, wird heute Abend Zehntausende Besucher begeistern, genau wie ihn. Aber er schaut auch kritisch, noch sind nicht alle Scheinwerfer optimal eingestellt. Er kennt die Reihenfolge ganz genau und wird noch bis Mitternacht zusammen mit Luca Wiese alles perfektionieren. „Wenn ich von den Besuchern heute ein ‚Wow‘ höre, dann bin ich glücklich“, sagt er und macht sich ans Werk.

von Katja Peters