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Marburg Die Grippewelle nimmt Fahrt auf
Marburg Die Grippewelle nimmt Fahrt auf
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00:17 31.01.2019
„Impfen lohnt sich – und zwar jetzt! Man sollte nicht mehr lange warten und sich in den nächsten Tagen impfen lassen“, empfiehlt 
Dr. Ortwin Schuchardt. Quelle: Karl-Josef Hildebrand
Marburg

In der Saison 2017/ 2018 schlug die Grippewelle im Landkreis besonders stark zu. Die Impfstoffe gingen aus, Krankenhäuser waren überbelastet und die Hausärzte kamen an ihre Grenzen. „Es war eine Katastrophe! Ich mache diesen Job seit mehr als 20 Jahren. So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt der Stadtallendorfer Hausarzt Dr. Ortwin Schuchardt im Gespräch mit der OP.

Aufgrund der vielen Erkrankten stieg die Nachfrage enorm. „Wir hatten keine Impfstoffe mehr“, erzählt Schuchardt. In dieser Saison solle es jedoch zu keinen Engpässen mehr kommen. „Wer sich jetzt impfen lassen möchte, kann das im Landkreis auf jeden Fall tun. Impfen lohnt sich – und zwar jetzt! Man sollte nicht mehr lange warten und sich in den nächsten Tagen impfen lassen“, empfiehlt der Mediziner.

Bei Anzeichen für einen Grippevirus wie Kopf- und Gliederschmerzen, ständiger Reizhusten und Fieber sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, rät Schuchardt. Die Impfung schützt nicht nur den Einzelnen, sondern auch sein Umfeld. Je mehr Menschen sich impfen lassen, desto weniger kann sich die Grippe ausbreiten. „Ich rate jedem mit Anzeichen auf eine Grippe, zum Arzt zu gehen und sich krank schreiben zu lassen, um sich selber aus dem Verkehr zu ziehen und möglichst ­keine weiteren Menschen anzustecken“, sagt Schuchardt.

Impfstoff wird jedes Jahr neu gewählt

Die Leiterin des Marburg-
Biedenkopfer Gesundheitsamts Dr. Birgit Wollenberg beschreibt die letzte Grippesaison als große Herausforderung. „Besonders die Notaufnahme und die Intensivstation kamen an ihre Grenzen. 300 Personen pro Tag kamen in die Notaufnahme.“ In der Saison 2017/18 hatten sich im Landkreis Marburg-Biedenkopf mehr als doppelt so viele Menschen mit Influenza infiziert wie während der vorherigen Saison.

Um sich besser auf die kommende Grippewelle vorzubereiten, haben die Krankenhäuser nun für eine bessere Ver­netzung und einen schnelleren Informationsaustausch untereinander gesorgt. „Wir sind so gut vorbereitet, wie es eben möglich ist“, so Wollenberg. „In diesem Jahr haben wir einen Vorteil: Den Vierfach-Impfstoff. Dieser deckt einen Virus mehr ab als der Impfstoff der letzten Saison“, erklärt Wollenberg.

Der Impfstoff werde jedes Jahr neu gewählt. Allerdings könnten die Mediziner nie versichern, ob der Impfstoff wirkt. Der Expertin zufolge 
wandere die Grippe­welle einmal um den ganzen Globus. Währenddessen verändere sich der Virusstamm stetig. „Erst wenn die Grippewelle bei uns angekommen ist, kann festgestellt werden, ob der Impfstoff ­gegen den Virenstamm wirkt“, so 
Wollenberg.

Zur Vorbeugung: Basishygiene

Wer ist besonders gefährdet? Da sind sich Wollenberg und Schuchardt einig: Die Grippe kann vor allem für Menschen ab 60 Jahren, für Schwangere ab dem vierten Monat, chronisch Kranke und Immungeschwächte gefährlich werden. Auch Personen, die im medizinischen Bereich arbeiten, oder Personen aus einem Bereich mit umfangreichem Menschenkontakt sind stark gefährdet.

Die Impfung wird jedoch nicht nur gefährdeten Personen empfohlen. Auch als junger fitter Mensch ist eine Impfung laut Schuchardt empfehlenswert. Auch Wollenberg empfiehlt: „Alle sollten sich noch impfen lassen. So schnell wie möglich.“

Der Impfstoff schützt ab dem achten Tag vor dem Grippe-
Virus. Nach 14 Tagen geht man von vollständigem Schutz aus, erklären die Experten. Um einer Infektion mit dem Virus vorzubeugen, rät Wollenberg zu einer Basishygiene, also das gründliche Händewaschen, so oft wie möglich. Die Händedesinfektion sei laut Wollenberg nicht bei jedem Händewaschen nötig. Außerdem empfiehlt sie ausreichend Schlaf, viel Bewegung an frischer Luft und vitaminreiches Essen.     

von Corinna Teves