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Marburg Tegut-Planungen schreiten voran
Marburg Tegut-Planungen schreiten voran
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00:17 29.01.2019
An dieser Stelle soll der Tegut-Markt gebaut werden. Geplante Eröffnung: Ende 2020 bis Anfang 2021. Quelle: Björn Wisker
Marburg

„Seit Jahrzehnten ist Marburg ein wichtiger Standort für uns, mit Verbrauchern, für die Konsum mit Fokus auf Bio und Nachhaltigkeit sehr wichtig ist. Hier wollen wir noch weiter wachsen“, sagt Alexander Wilhelm, Mitglied der Tegut-Geschäftsleitung auf OP-Anfrage.

Nach dem Ende vergangenen Jahres vom Stadtparlament bejahten Bauvorhaben am Oberen Rotenberg, peilt Tegut eine Markteröffnung für Ende 2020 an. Zu weiteren Details wollte sich das Unternehmen vorerst nicht äußern. Den Bau des Tegut-Marktes begrüßt auch der Marbacher Ortsbeirat.

Wichtig für Dorfentwicklung

Der Ortsbeirat Wehrshausen befürwortet den Tegut-Bau, fußend auch auf einer im Frühjahr 2018 im Stadtteil vom Gremium durchgeführten Befragung. Danach sagten damals 40 der 42 Befragten „Ja“ zu einem Supermarkt am Rotenberg.

„Wenn das jetzt auch zeitlich so hinkommt, wäre das gut und für die Nahversorgungssituation hier ein Gewinn“, sagt Ortsvorsteher Andreas Bergmann, denn die Einkaufsmöglichkeit sei ein „wesentlicher Zielpunkt“ der Dorfentwicklung. Es gebe nur wenige Stimmen im Stadtteil, die durch den neuen Markt an dem Standort Verkehrs- oder Landschaftsbefürchtungen hätten.

Gerade in Bezug auf Verkehr verweist Bergmann darauf, dass zumindest die Wehrshäuser künftig vor den Toren der Marbach, sowieso vor der Innenstadt Halt machen, somit weniger Autos in Richtung Zentrum fahren – zumal ein Rad- und Fußweg angelegt werden soll. Ebenso zur Entlastung solle ein Busstopp beitragen, auch ein Park-and-Ride-System wird von Bergmann vorgeschlagen.

Planungen widersprechen behördlichen Vorgaben

Die Bürgerinitiative (BI) Marna hingegen hält an ihrer Kritik am Tegut-Bau – der auch ein Versorgungszentrum vorsieht und neben einem Neu-Wohngebiet entsteht – fest. Die Planungen zu dem Supermarkt würden gesetzlichen und behördlichen Vorgaben hinsichtlich der Lage am Stadtrand und der Größe des Einkaufszentrums widersprechen: „Am Rande von Städten sollen Lebensmittelmärkte nicht größer als 800 Quadratmeter sein, mit gutem Grund: Das ist ausreichend für die Nahversorgung der Ortsteilbewohner mit Lebensmitteln, aber verhindert ein Abziehen der Kaufkraft aus dem Stadtzentrum.

Bei großen Märkten, wie Tegut dies jetzt beantragt hat, besteht die Gefahr, dass Kunden aus anderen Gebieten abgezogen werden“, heißt es auf OP-Anfrage mit Hinweis auf Kundenprognosen des Investors aus der Vergangenheit. Demnach würde sich das Einzugsgebiet des neuen Markts nicht nur in Richtung westlicher Außenstadtteile sondern auch gen Ockershausen und Innenstadtbereiche richten.

BI schlägt Alternative im Marbacher Ortskern vor

730 Bürger hätten daher bisher die BI-Petition gegen eine Bebauung des Oberen Rotenbergs unterzeichnet. Die Befürchtungen: Schwerwiegende Auswirkungen auf das lokale Ökosystem, auf das Stadtklima, die Naherholungsqualität und eine erhebliche Verkehrsbelastung der bereits heute schon „völlig überlasteten Zufahrtsstraßen“, wie Dr. Nadia Otero sagt.

Der Einkaufsverkehr aus dem Westen würde sich perspektivisch auch „durch die enge Wehrshäuser Serpentinenstraße wälzen“, was die dortigen Befürworter des Nahversorger-Bauvorhabens „sich so nicht gedacht hätten“. Und der im Herbst 2018 zur Verkehrsentlastung vorgeschlagene „Allnatalweg“ sei eine „Scheinlösung und verlagert nur die Verkehrsproblematik“, sagt Otero.

Zum Supermarkt-Standort Rotenberg würde laut der BI jedenfalls mindestens eine Alternative für einen Nahversorger existieren, etwa ein im Marbacher Ortskern als Gewerbe- und Mischfläche ausgewiesenes Areal. Die Autofahrten dort wären wegen der „fußläufigen Erreichbarkeit für hunderte Marbacher“ und trotz dem auch dort dann aufkommenden Lieferverkehrs geringer als auf der Bergkuppe.

von Björn Wisker