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Marburg Die Kelly Family der Naturwissenschaften
Marburg Die Kelly Family der Naturwissenschaften
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00:18 28.01.2019
Stilecht gekleidet: Die vier „Science Busters“ aus Österreich tauchten mit wissenschaftlichen ­Methoden ein in die Welt von „Game of Thrones“. Quelle: Maximilian Paolucci
Marburg

Angeführt und moderiert vom Kabarettisten Martin Puntigam stellten sich die Verhaltensbiologin Dr. Elisabeth Oberzaucher, der Astronom und Science-Blogger Dr. Florian Freistätter und der Molekularbiologe Martin Moder den wirklich relevanten Fragen zur preisgekrönten und ­ungemein erfolgreichen Serie „Game of Thrones“.

Stoff um Fiktion mit der Realität zu vergleichen gibt es bei den bisher sieben erschienenen Staffeln jedenfalls reichlich. So nähert sich das Team aus Österreich unter anderem wissenschaftlich Fragen an, wie man sachgerecht enthauptet wird oder wie Jaime Lennister aus heutiger Sicht mit dem Verlust seiner Hand therapeutisch geholfen werden kann.

Programm mit viel Herz und Humor

Für diesen Zweck treten die Experten untereinander und mit dem Publikum in den Dialog, um nicht zuletzt Chaostheorie oder Gehirnverhalten anhand mitgebrachter Experimente zu veranschaulichen. Dabei könnte der Eindruck schnöder Wissenschaftsvorträge nicht ferner liegen, denn die „Science Busters“ gestalten ihr Programm mit viel Herz und Humor.

Zu diesem Zweck werfen sie einige Fachwörter in den Raum, mit denen sie allerdings federleicht umgehen. Es gelingt ihnen, Begriffe wie „nichtlineare Systeme“ oder „elektroenzephalographische Phänomene“ (Aktivitäten des Gehirns) selbst Fachfremden verständlich zu machen. Frei nach dem Motto der „Science Busters“ – wer nichts weiß, muss alles glauben – werden auf diese Weise Themengebiete verschiedener Wissenschaftsbereiche anschaulich und pointiert vorgestellt.

Warum in der Serie immer gleiche Jahreszeiten und irgendwann ein langer Winter droht, wird selbstverständlich auch geklärt. Hierfür hat Astronom Dr. Florian Freistätte eine ganz eigene Theorie mitgebracht. Nach ihm befindet sich die Welt der Starks und Lennisters nicht in einem erdähnlichen Sonnensystem, sondern in einem ­sogenannten Sitnikov-System, wodurch eine beliebige Jahreszeitenabfolge möglich wird.

Auflockerung durch Musik und visuelle Effekte

Dieses System fuße zwar in reellen Gesetzen der Physik, das erdachte Modell dieser sehr speziellen Planetenkonstellation in der Wirklichkeit wiederzufinden, dürfte allerdings äußerst unwahrscheinlich sein. Und dass die schöne Prinzessin Daenerys Targaryen, gespielt von Emilie Clarke, sich mit ihrer jugendlichen Stimme an ein ganzes Heer wendet und bis in die letzte Reihe verstanden wird, stellte sich – wie Experimente der Wissenschaftler ­belegten, ebenfalls als bloße Fiktion heraus.

Die „Game of Thrones“-Fans aus Österreich ergänzten ihre Erläuterungen und Pointen hervorragend durch eine auf Leinwand projizierten Bilder etwa von Drachen, Kakteen oder ­abgeschlagenen Körperteile, die zum Serienstandard gehören. Kleine sympathische musikalische Einlagen mit Blockflöte und Trommel sorgten zusätzlich für Auflockerung der ­Vorträge.

Für Fans der Serie war „Winter is coming“ sicher eine gelungene Überbrückung bis zum Erscheinen der achten Staffel, für Wissenschaftsbegeisterte eine interessante Bereicherung in vielerlei Disziplinen.

von Maximilian Paolucci