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Marburg Marbacher: „Wir ersticken im Verkehr“
Marburg Marbacher: „Wir ersticken im Verkehr“
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00:17 06.11.2018
Im Berufsverkehr der „Normalzustand“: Dauerstau in der Ketzerbach. Zu sehen sind auch die vom Ortsbeirat Marbach monierten orangefarbenen Fahrbahnbegrenzungen. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

„Es muss eine Verkehrsregelung her, wir ersticken im Verkehr“, so lautete das Fazit von Ortsvorsteher Jürgen Muth, auch im Hinblick auf die geplante Wohnbebauung und Errichtung eines Supermarktes am Oberen Rotenberg und Hasenkopf. Aus dem Treffen mit den Ortsvorstehern aus den anliegenden Stadtteilen Wehrshausen und Ockerhausen in der Vergangenheit sowie aus einem gemeinsamen Stadtteilspaziergang im August seien keine Lösungen für ein mögliches Verkehrskonzept hervorgegangen. Auch für die Westtangente konnten sich die Teilnehmer nicht begeistern.

Bewohner der Ketzerbach und Marbach forderten stattdessen den Bau eines „Marburger Rings“ um die Stadt. Nur so könne der durch Neu-Wohngebiete und Gewerbe-Ausdehnung entstehende Verkehrszuwachs bewältigt werden – eine Forderung, die vor allem die „BI Rettet den Wollenberg“ ablehnt.

Westumfahrung wäre Langfrist-Lösung

Diese Westumfahrung könnte zwischen dem Kreisverkehr nahe Sterzhausen und Michelbach und dem Kieswerk-Kreisel nahe Niederweimar verlaufen. Die genaue mögliche Trasse müsse auch wegen der topografischen Verhältnisse von Profi-Planern in den Behörden geprüft werden. Mit dem Bau einer Straße im Westen soll laut Ketzerbachgesellschaft jedenfalls ein Ring um die Universitätsstadt entstehen – ähnlich wie in Großstädten à la München.

Neben ­Nadelöhren wie Elisabethstraße und Ketzerbach würden auch Rotenberg und Sybelstraße sowie die gesamte Innenstadt entlastet. Da eine solche Westumfahrung aber eine Langfrist-Lösung sei, deren Umsetzung Jahre dauere, müssten laut Ketzerbachgesellschaft zur kurzfristigen Entspannung schon kleinteilige Veränderungen kommen: entweder eine Tonnenlast-Begrenzung oder ein Lkw-Durchfahrtsverbot und grundsätzlich eine Änderung der Routenvorschläge in den Navigationsgeräten (die OP berichtete).

Die Ortsbeiratsmitglieder kamen einstimmig zu dem Beschluss, einen Antrag an die Stadt Marburg zu stellen, in dem sie unter Fristsetzung bis zum 15. Januar 2019 eine Verkehrszählung in der Emil-von-Behring-Straße beantragen. Des Weiteren bitten sie um die Prüfung der Notwendigkeit der aufgestellten orangefarbenen Fahrbahnbegrenzungen in der Ketzerbach, die zusätzliche Staus verursachten, da an diesen Stellen ein Überholen nicht möglich sei.

Informelle Grundsatzbeschluss in der Novembersitzung

Über den aktuellen Stand der geplanten Bebauung liegen dem Ortsbeirat noch keine weiteren Informationen vor. Fest stehe nur, so die Aussage von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD), dass gebaut werde, weil es den Bedarf an Wohnraum gebe, dem Rechnung getragen werden müsse.

Der informelle Grundsatzbeschluss zur vorrangigen Bebauung soll aber erst in der Novembersitzung 2018 in der Stadtverordnetenversammlung getroffen werden. Hinsichtlich der derzeit grassierenden Gerüchte, welche die Anzahl der geplanten Wohneinheiten und die Größe des Supermarktes betreffen, will der Ortsbeirat eine Stellungnahme vonseiten der Stadt einholen.

von Elvira Rübeling