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„Man muss immer weiter suchen“

Marburg „Man muss immer weiter suchen“

Dass die Arbeit mit der Kamera nicht vorrangig eine  Arbeit mit Technik, sondern eine Arbeit des Herzens ist, das wird im Gespräch mit der Gewinnerin des Marburger Kamerapreises 2012, Agnès Godard,  schnell klar.

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Keine Einzelkämpferin: Agnès Godard  schätzt die  Zusammenarbeit mit dem Regisseur und dem Team am Set.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Denn für die 60-Jährige ist die Entwicklung des Filmbilds eine intuitive Suche, die von großem Respekt vor der Geschichte und den Personen geprägt ist. Am Freitagabend hat Godard den Preis im Rahmen der Marburger Kameragespräche bei einem Festakt in der Aula der Alten Universität entgegengenommen.

„Ich liebe es, überrascht zu werden“, benennt sie ihre Motivation, sich auf ein Filmprojekt einzulassen.  Wenn der Geschichte das gelinge und sie sich in die Figuren verlieben könne, dann macht es für sie Sinn, an dem Film mitzuarbeiten.

Dabei wirft sie sich auch immer wieder gerne ins Abenteuer – ihre nächsten Projekte finden in Mexiko und Marokko statt: „Ich war noch nie da, kenne keinen“, sagt sie. Sie mag es, immer wieder etwas Neues zu tun, gemeinsam mit anderen auf die Suche nach den richtigen Bildern zu gehen. „Am besten ist es, immer weiterzugehen – es gibt noch soviel zu erforschen.“

Das tut sie am liebsten Seite an Seite mit dem Regisseur oder der Regisseurin. Denn auch wenn sie sehr genaue Vorstellungen über den Look des Films hat, so  ist ihr die enge Zusammenarbeit mit der Regie, mit dem ganzen Team am Set doch sehr wichtig. „Man muss wahrnehmen, was auf dem Set passiert und flexibel reagieren“, sagt sie. „Man kann nicht immer finden, was man zu finden hofft, aber manchmal ist das, was entsteht, genau das Richtige.“

Sie mache dem Regisseur Vorschläge – und versuche natürlich, ihre Vorstellungen, wie ein Film aussehen soll, durchzusetzen. „Aber es darf kein Kampf sein, es muss immer um den Film gehen“, betont sie, „es geht um Überzeugung, um Intuition.“ Mit einem Regisseur bei mehreren Filmen zusammenzuarbeiten, sei sehr interessant, weil man den gemeinsamen Weg so weiter und weiter beschreiten könne.

Die Jury des Kamerapreises lobt Godards Blick auf den Menschen, seine Haut, seine Bewegungen. „Jede Person hat ihr Geheimnis“, erklärt sie ihre besondere Hinwendung zu den Figuren, „das ist sehr attraktiv.“ Das Gegenüber in all seiner Eigenheit als Person zu sehen und kennenzulernen – das will sie mit ihrer Kamera vermitteln.

Dass es so wenige Kamerafrauen gibt, führt sie auf das Vorurteil zurück, dass Frauen nicht für technische Berufe geeignet  seien und ihnen die Leitung einer Crew nicht zugetraut werden, „aber das geht sehr gut, kann ich versichern.“ Einen spezifisch weiblichen Blick durch die Kamera kann sie nicht erkennen – „es ist eher so, dass jede Person eine andere Sichtweise oder Haltung hat. Ob ein Bild von einer Frau oder einem Mann aufgenommen wurde, kann ich nicht erkennen.“ Sorge, dass die zurückhaltenden und ruhigen Filme, wie sie sie dreht, in Zeiten von 3-D und computeranimierten Bildern aussterben könnten, hat Agnès Godard nicht, kann sich auch durchaus selbst vorstellen, einen Film in 3-D zu machen. „Natürlich müssen wir uns mit der Technik auseinandersetzen und mit ihr arbeiten“, sagt sie. Letztlich sei es aber nicht die Technik, die den Film ausmacht, sondern die Ideen.

von Heike Döhn

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