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Märchenoper begeistert Kinder

"Hänsel und Gretel" in der Waggonhalle Märchenoper begeistert Kinder

„Knusper, knusper, Knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?“, fragt die Hexe auch in der Kinderoper „Hänsel und Gretel“. Bei der Premiere am Samstag durfte man sogar in den gefährlichen Ofen klettern.

Marburg. Die Märchenoper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck ist die beliebteste Oper für Kinder. In der Fassung von Kerstin Weiss ist sie während der Adventszeit noch siebenmal in der „Waggonhalle“ zu sehen und zu hören. Am vergangenen Samstagnachmittag feierte das Stück im fast ausverkauften Saal Premiere.

Eine Oper für Kinder ab fünf Jahren - kann das klappen? Ja, es kann. Das zeigt die professionelle Inszenierung des Ensembles um Kerstin Weiß (Regie), Carsten Rupp (Musikalische Leitung) und Bernhard Niechotz (Bühne und Kostüme). Zusammen brachten sie im letzten Jahr bereits „Die Schneekönigin“ erfolgreich als Kinderoper auf die Bühne der „Waggonhalle“.

Kerstin Weiss’ Fassung von „Hänsel und Gretel“ gelingt es, die Kinder anzusprechen und dabei den altmodischen Charme des Märchens sowie den typischen Operngesang beizubehalten. Die Vorlage, die Engelbert Humperdinck um 1890 im spätromantischen Stil verfasste, wurde kindgerecht angepasst, sodass die Spieldauer nun statt zwei Stunden nur noch 55 Minuten beträgt. Das Orchester ist durch eine Klavierbegleitung ersetzt. Der entscheidende Schlüssel zur Vermittlung zwischen dem Operngeschehen und dem Verständnishorizont der Kinder ist in „Hänsel und Gretel“ die Figur des Sandmanns. Die Rolle ist in Humperdincks Oper zwar bereits angelegt, sie wurde von Kerstin Weiss aber in den Sprechanteilen deutlich ausgebaut. Der tollpatschige, hellblaue Sandmann mit den lustigen Haaren, der mit sichtlich viel Spaß von Lisa Parise gespielt wird, stoppt zwischendurch mit einem Zauberstab die Handlung, kommentiert die Ereignisse und bindet die Kinder ein.

Abgesehen vom Sandmann bleibt die traditionelle Märchenatmosphäre in der Oper gewahrt. Wolljäckchen, Rock und Leinenrucksack sowie ein baumreiches Bühnenbild erzeugen die Stimmung des Grimm’schen Märchens, die so gut zur Vorweihnachtszeit passt.

Die Sprechanteile der Märchenfiguren sind gering: Es wird gesungen, wobei das Niveau der Leistung durchweg hoch ist. Besonders können Jana Degebrodt als Gretel und Alec Otto als Vater überzeugen. Dass die gesungenen Partien für die Kinder teilweise nur schwer verständlich sind, ist Kerstin Weiss bewusst. Sie möchte die Kinder mit ihrer Inszenierung an die Gattung heranführen: „Oper ist ein Gesamtkunstwerk aus Bühnenbild, Schauspiel, Musik und Gesang. Dabei ist mir das Schauspiel besonders wichtig. Die Kinder müssen alles auch ohne Worte verstehen können.“

Die nach der Premiere befragten „Hänsel und Gretel“-Expertinnen und Experten waren sich einig: Es hat ihnen sehr gut gefallen. Jonathan (4) fasst noch einmal zusammen, was er an „Hänsel und Gretel“ besonders gut fand: „Wir spielen das Märchen auch im Kindergarten. Aber da ist es anders. Da gibt es keinen Ofen.“ Mit dieser Meinung ist Jonathan nicht alleine: Der Ofen, in dem die böse Hexe schließlich zu einem Lebkuchen gebacken wird, war nach dem Ende des Stücks die große Attraktion und wurde begeistert untersucht.

„Hänsel und Gretel“ ist im Dezember außerdem zu sehen am 8. (15 Uhr), 9. (15 und 17 Uhr), 16. (15 und 17 Uhr) sowie am 23 um 15 und 17 Uhr.

von Angelika Fey

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