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Märchen machen Maler berühmt

Otto Ubbelohde Märchen machen Maler berühmt

Die meisten Menschen verbinden den Namen 
Otto Ubbelohde vermutlich mit seinen berühmten 
Illustrationen zu Märchen und Sagen der Brüder Grimm. Doch Ubbelohde sah sich selbst in erster ­Linie als Maler.

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„Die Heiligen drei Könige vor Marburg“: Otto Ubbelohde hat immer wieder Motive aus Oberhessen in seinen Gemälden, Zeichnungen und Grafiken verarbeitet.

Quelle: Karl-Hermann Völker

Marburg. Der einzige Kulturpreis des Landkreises Marburg-Biedenkopf trägt seinen Namen. Und seit 1999 ist sein Wohnhaus in Goßfelden ein Museum. Gemeint ist Otto Ubbelohde – neben Carl Bantzer der wohl bedeutendste heimische Künstler.

Insbesondere seine Jugendstil-Illustrationen der Märchen- und Sagensammlungen der Brüder Grimm prägen bis heute das Deutschlandbild etwa im fernen Japan, wo die Brüder Grimm einen sehr hohen Stellenwert genießen.

Mit einem Empfang erinnert die Otto-Ubbelohde-Stiftung am heutigen Donnerstag, 5. Januar, an den 150. Geburtstag des Künstlers: Otto Ubbelohde wurde am 5. Januar 1867 in Marburg geboren. Sein Vater war Professor für römi­sches Recht an der Philipps ­Universität. Nach dem Abitur am Gymnasium Philippinum entschied er sich – wohl gegen den Willen seines Vaters –, ­Malerei zu studieren.

Sein Weg führt über einen kurzen Abstecher an die damalige­ Großherzoglich Sächsische Kunstschule Weimar, aus der das Bauhaus hervorging, an die renommierte Münchner Kunstakademie. Ubbelohde nahm Kontakt zur gerade entstehenden Künstlerkolonie Worpswede auf, arbeitete dort einige Zeit. 1897 heiratete er seine aus Bremen stammende Frau Hanna Unger, mit der er bis 1900 in Goßfelden sein Wohn- und Atelierhaus realisierte, das die Otto-Ubbelohde-Stiftung beherbergt und seit 1999 ein Museum ist, in dem regelmäßig Ausstellungen mit Arbeiten Ubbelohdes, seltener aber auch Werke anderer Künstler gezeigt werden.

Nach drei Jahren Arbeit: „Nie wieder Märchen“

Zwar führten ihn weiterhin Studienreisen nach München, zwar wurde er 1902 Mitglied der Willingshäuser Malerkolonie, doch lebte er offensichtlich lieber fernab der großstädtischen Kunstszene in seinem selbstgewählten Goßfeldener Exil.

Das Haus war Ausgangspunkt für seine Wanderungen in die Umgebung, erklärt Ludwig Rinn, Vorstandsvorsitzender der Ubbelohde-Stiftung. Unermüdlich versucht Rinn insbesondere das malerische Werk Ubbelohdes bekannt zu machen, denn bis heute ist der Künstler vor allem als Illustrator bekannt. Etwa 1000 Gemälde und Landschaftsskizzen habe Ubbelohde­ hinterlassen, sagt Rinn. Ein enorm umfangreiches Werk. Seine Bilder von der Oberhessischen Landschaft, die er zu Fuß, mit dem Fahrrad oder im Winter mit Skiern erkundete – im Gepäck Pinsel, Leinwand oder Stifte und Papier – wirken auf den ersten Blick oft düster und melancholisch – so ganz anders als die sonnendurchfluteten­ ­Gemälde der französischen ­Impressionisten.

Aus finanziellen Gründen fertigte er zahllose Buchillustrationen an – alleine 448 für die 1909 erschienene Ausgabe der Grimm‘schen Kinder- und Hausmärchen des Leipziger Turm-Verlags. Nach der dreijährigen Arbeit an den Illustrationen soll er gesagt haben: „Nie wieder Märchen.“

So populär Ubbelohde ( Selbstporträt aus dem Jahr 1917) als Grafiker war, so unbekannt blieb er als Maler: Zu Lebzeiten hatte er 1912 nur eine große Ausstellung im Oberhessischen Museum in Gießen, wo am 3. Februar wieder eine große Ubbelohde-Schau gezeigt wird. Es ist die erste von drei großen Ausstellungen im Ubbelohde-Jahr. Die zweite große Schau wird am 3. Juni in Willingshausen eröffnet. Das Dörfchen in der Schwalm beherbergte die älteste Malerkolonie in Europa.

Die dritte große Ubbe­lohde-Ausstellung veranstalten­ ­gemeinsam der Marburger Kunstverein und das Marburger Kunstmuseum, das neben der Stiftung die größte Gemäldesammlung des Malers besitzt. Sie wird am 22. September eröffnet. Aktuell ist eine kleine Ausstellung mit biografischen Werken im Ubbelohde-Haus zu sehen.

Ubbelohde starb am 8. Mai 1922 im Alter von 55 Jahren in Goßfelden an Krebs.

von Uwe Badouin

 
 
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