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Marburg Lyrikkompanie trotzt dem Tod
Marburg Lyrikkompanie trotzt dem Tod
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22:26 22.11.2011
Jürgen Helmut Keuchel (von links), Peter Rollenske, Carsten Beckmann und Stefan Piskorz während der Premiere ihrer Produktion „Geh, wilder Knochenmann!“ im Szenario. Quelle: Mira-Kristin Muth

Marburg. „Geh, wilder Knochenmann“ mit sarkastisch-makabren, heiteren und auch ernsten Gedichten und Liedern rund um den Tod hatte am Vorabend des Totensonntags Premiere. Dicht an dicht drängten sich die gut 70 Zuschauer in dem kleinen Saal.

Jürgen Helmut Keuchel, Carsten Beckmann, Stefan Piskorz und Peter Rollenske boten dem Thema Tod zwei Stunden lang trotzig die Stirn. Mit Akkordeon und Querflöte, Klavier, Gitarre und Saxophon spielten sie gegen die Ernsthaftigkeit an, die das Thema mit sich bringt, und schafften es, ihre Gäste prächtig zu unterhalten.

Mit Leichenbittermiene betraten die vier die kleine Bühne, selbstverständlich allesamt in Schwarz. Im Wechsel mit humoristisch verfremdeten Musikstücken unterschiedlicher Genres präsentierten sie Gedichte von Marie Luise Kaschnitz, Hermann Hesse und Frank Wedekind, aber auch Humoristen wie Robert Gernhardt, Wilhelm Busch und Heinz Erhardt.

Als Totengräber bei der Frühstückspause erzählten Piskorz und Rollenske in lockerleichtem Ton makabre Witze. Ihr Erfolg: laute Lachsalven. Während Jürgen Helmut Keuchel mit gespieltem Ernst und Carsten Beckmann mit meist bitterbösem Blick zur Sache gingen, schlug Stefan Piskorz mit eher melancholischem Ausdruck das Publikum in seinen Bann. Rollenske sorgte als ältliche Jungfer, die von ihrem Echo verfolgt wird, für amüsierte Reaktionen.

Musikalisch bieten die vier, die sich in ihrer neuen Produktion dem Sterben und dem Tod verschrieben haben, viel Ungewöhnliches, das trotzdem vertraut klingt – den „Tod“ der „Ersten Allgemeinen Verunsicherung“ etwa mit dem Eagles-Klassiker „Hotel California“ zu paaren, dürfte bis dato noch niemand versucht haben. Als eines der wenigen ernsthaft interpretierten Stücke ist Udo Lindenbergs „Stark wie zwei“ im Sprechgesang von Carsten Beckmann zu hören.

Die Zuschauer zeigten sich begeistert von der Souveränität und Nonchalance, mit der die Darsteller auftreten. Die Kleinkünstler geben sich betont nüchtern, dabei aber stets präsent und oft sarkastisch. Das Quartett harmoniert gut und hat ein in sich stimmiges Programm auf die Beine gestellt.

Mit „Geh, wilder Knochenmann“ steht die Marburger Lyrikkompanie erneut am Sonntag, 4. Dezember, auf der Bühne des Szenario im Auflauf. Beginn ist um 19.30 Uhr.

von Mira-Kristin Muth