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Lustspiel und Satire aus einem Guss

Theater Lustspiel und Satire aus einem Guss

Mit Wortspielereien und einem vor Ideen überschäumenden Bühnenbild geriet die Premiere von „Leonce und Lena“ am Samstag im Fürstensaal zum Erfolg.

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Ein schönes Verwirrspiel mit viel Esprit bietet "Leonce und Lena" im Fürstensaal.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg . Georg Büchners angebliches Lustspiel ist in Wahrheit eine bitterböse Satire auf die Politik, auf das Denken und die vergebliche Suche nach einem Lebensinn. Karl Georg Kayser lässt in seiner Inszenierung den Prinzen Leonce mit einer Flasche Sekt in der Hand über Langeweile reden und klug philosophieren. Der Prinz trifft in Valerio, der stets müßig geht, auf einen Gleichgesinnten: „Warum kann ich mir nicht wichtig werden?“, will Leonce wissen, belustigt und verzweifelt zugleich. Er soll eine Prinzessin heiraten, die er noch nie gesehen hat. In Valerio findet Leonce einen Verbündeten, der mit ihm nach Italien druchbrennt.
Auch Prinzessin Lena hat wenig Lust, einen Unbekannten zu ehelichen. Sie träumt von der wahren Liebe und flieht in Begleitung ihrer langnasigen Gouvernante ebenfalls gen Süden.
In Italien begegnen sich zwei und zwei und bilden neue Paare: Valerio und die Gouvernante mögen sich. Und auch Leonce und Lena finden Gefallen aneinander, nicht wissend, dass ihre Heirat ja längst beschlossene Sache ist. Alle vier kehren ins Königreich zurück, das Prinzenpaar als mechanische Puppen verkleidet. Erst als sie nach der Trauung ihre Masken abnehmen, erkennen sie, dass der Versuch, aus dem vorbestimmten Leben auszubrechen, gescheitert ist.
Die Leistungen der Darsteller sind makellos, die Typen stimmig besetzt. Der bierernste König (Stefan Gille), der beschließt, sich am Tag der Hochzeit „so zu freuen, „volle zwölf Stunden lang“) überzeugt ebenso wie der kräftigst näselnde Präsident (Peter Meyer) und Franziska Knetsch, die ihr komödiantisches Talent mit allerlei Grimassen als Gouvernante genussvoll ausspielen kann. Auch Sascha Oliver Bauer zeigt als Valerio die hohe Kunst, mal mit enthusiastischem Körpereinsatz und mal mit minimalen Gesten und Augenaufschlag größtmöglichen Eindruck zu hinterlassen. Regina Leitner gibt sich lasziv als Prinzenfreundin Rosetta, bis er sie abservieren lässt. Michael Köckritz (Leonce) und Franziska Endres (Lena) geben ein so bezauberndes wie facettenreiches Pärchen ab. Daniel Sempf und Florian Federl glänzen nicht weniger in den kleineren Rollen als Polizisten, Staatsräte, Schulmeister und Hofprediger. Das Tüpfelchen auf dem i setzt Daniel Keul am Klavier.

von Christine Krauskopf

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