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Liederreigen aus der Zirkuswelt

Hessisches Landestheater Liederreigen aus der Zirkuswelt

Viel Musik, hoch engagierte und stimmgewaltige Darsteller und eine ziemlich dünne Story – das ist die Revue „Ich bereue nichts!“, mit der das Hessische Landestheater Marburg am Sonntag in der  Stadthalle Premiere feierte.

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Gergana Muskalla überzeugte – wie auch der Rest des Ensembles – mit Stimme und viel Ausdruckskraft.

Quelle: Hessisches Landesteater

Marburg. Die junge Regisseurin Roscha A. Säidow  und der musikalische Leiter der Produktion, Bernhard Range, erzählen die Geschichte des Cirque des Etoiles, eines kleinen und ziemlich abgehalfterten Wanderzirkusses,  seiner mehr oder minder gescheiterten Artisten und von Emma, die zu dieser Truppe stößt. Genauer gesagt – sie erzählen sie eben nicht.

Denn die Geschichte bleibt nur Skizze, dient als Stichwortgeber für eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Lieder – Schlager, Chansons, Pop – und lässt einen roten Faden vermissen.

Dabei sind die Darsteller bestens aufgelegt,  spielen und singen sich die Seele aus dem Leib.     Gergana Muskalla als Emma überzeugt einmal mehr mit ihrer hervorragenden Stimme, Ögün Derendeli mit seiner enormen Bühnenpräsenz und Franziska Knetsch mit ihrem komödiantischen Talent. Auch die anderen Mitglieder des Ensembles geben anderthalb Stunden lang dem Affen Zucker und stürzen sich förmlich in die Interpretation von Comedian-Harmonists-Klassikern,  konfrontieren Gittes „Ich will ‘nen Cowboy als Mann“ mit Grönemeyers „Männer“, performen zu Abba ebenso wie zur Münchner Freiheit oder zu Joy Flemings Siebziger-Jahre-Kracher „Ein Lied kann eine Brücke sein“.

Das ist schön anzusehen, die Schauspieler tragen fantasievolle Kostüme, der Zirkuswagen auf der Bühne leuchtet wacker gegen die bekannt kühle Stadthallenatmosphäre an und die Band „The Rocking Stars“ lässt es ordentlich krachen.

Dennoch fällt es schwer, einen Bezug zum Geschehen zu finden, denn die Songs wirken meist wie dem Stück übergestülpt. Die Geschichte – Zirkusleute kurz vor dem Aufgeben, erfolgloser Hypnotiseur verlässt die Truppe, fühlt sich im Trubel Berlins nicht wohl und kehrt reumütig zurück, Truppe rauft sich zusammen und versucht Neustart – bleibt blass und ohne echten Handlungsfaden. Dass Emma der Zirkustruppe Auftrieb gibt, wird nur behauptet und ist nicht nachvollziehbar, worin das Neue am Neustart besteht, wird auch nicht recht deutlich.

Dass ein so junges Produktionsteam für Träume und Poesie keine originelleren Bilder findet als Zirkuswagen, Luftballons und Seifenblasen ist verwunderlich. Am überzeugendsten ist die Geschichte, wenn sie wirklich erzählt und zum Beispiel die hoffnungslosen Nummern des Cirque des Etoiles abbildet – dann kommen Musik und Handlung zur Geltung. Sonst bleibt es beim behaupteten Aufstand der Träumer – schade, denn das Ensemble auf der Bühne hat alle Möglichkeiten, das Publikum zu verzaubern und mitzureißen. Das zollte den kraftvollen musikalischen und tänzerischen Darbietungen auch viel Respekt und applaudierte am Ende kräftig.

von Heike Döhn

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