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Marburg Lieder von Hexen und Einhörnern
Marburg Lieder von Hexen und Einhörnern
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14:54 22.02.2018
Hochkonzentriert präsentierte sich der Marburger Bachchor unter der Leitung von Nikolo Sokoli dem Marburger Publikum bei zwei Konzerten im Fürstensaal. Quelle: Michael Hoffsteter
Marburg

„Nordlichter“ hieß das erste Stück des Abends, das von Ola Gjeilo stammte und dem Programm seinen Namen gab. Vom ersten Ton an begeisterte der Chor mit seinem äußerst reinen, klaren und homogenen Klang. Die Sängerinnen und Sänger des relativ kleinen Ensembles sangen mit höchster Präzision, sicherer Intonation, großer Konzentration und viel Einfühlungsvermögen. Fast den ganzen Abend hindurch sangen sie a cappella, eine große Herausforderung, die sie mit Bravour meisterten.

Chorleiter Nicolo Sokoli hatte ein spannendes Programm mit Kompositionen unter anderem aus Schweden, Norwegen und Finnland zusammengestellt. Im Mittelpunkt des Abends stand der norwegische Komponist Edvard Grieg (1843-1907). Sein Lied „Frühling“ erzählte in romantischen Bildern vom vergehenden Winter und der Schönheit der erwachenden Natur im Frühjahr. Die anderen Werke von Grieg, die ins Programm eingestreut waren, interpretierte die Solistin Marina Herrmann.

Märchenhaft ein Einhorn gefangen

Die Sängerin begeisterte mit ihrem ausdrucksstarken und feinfühligen Gesang und überzeugte mit ihrer wunderbar hellen und samtigen Stimme. Begleitet wurde sie am Flügel von Nicolo Sokoli. Weiter ging es mit einem Stück von Eriks Esenvalds (geboren 1977). In „Only in Sleep“ traten der Chor und die Solistin in einem wunderschönen Dialog und ergänzten sich gegenseitig. Das melancholisch gestimmte Lied nach einem Text der Dichterin Sara Teasdale erzählte von kostbaren Erinnerungen und der Vergänglichkeit des Lebens.

Märchenhaft wurde es dann in dem folgenden Lied „Das Einhorn ist gefangen“ von Ola Gjeilo (geboren 1978). Eine ganze­ Herde geheimnisvoller Tiere tauchte auf, vom Einhorn über den Pelikan bis hin zur Hydra und zum Krokodil. Der Chor sang das stark rhythmisch geprägte Stück mit viel Schwung und Ausdruck.

Stürmischer Applaus will gar nicht enden

Äußerst spannungsreich gelang auch das Lied „Double, double toil and trouble“ von Jaakko Mäntyjärvi (geboren 1963), dem ein Text von William Shakespeare zugrunde lag. Hier ging es um drei wilde Hexen, die einen giftigen Zaubertrank zusammenbrauen. Der Chor sang auch dieses schwierige Stück, in dem unter anderem geflüstert, geschrieen und gestampft wurde, mit großer Präzision.

Höhepunkt des Abends war dann unbestritten das letzte Lied „Sterne“, das Eriks Esenvalds komponiert hat. Hier kamen mit Wasser gefüllte Gläser zum Einsatz, die auf sechs verschiedene Töne gestimmt waren. Durch das Reiben des Glasrandes brachten die Sängerinnen und Sänger sie zum Klingen. So entstanden sphärisch anmutende Zauberklänge, die zusammen mit dem Chorgesang eine tolle Wirkung entfalteten.

Als der letzte Ton verklungen war, setzte am Samstagabend stürmischer Applaus ein, der gar nicht mehr enden wollte. „Wir singen noch was!“, beruhigte Sokoli die 200 Zuhörer. Als Zugabe erklang nochmals „Only in Sleep“ von Esenvalds, das der Chor zusammen mit der Solistin interpretierte.

von Bettina Preussner