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Marburg Kunstwerk soll Akzeptanz fördern
Marburg Kunstwerk soll Akzeptanz fördern
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00:18 25.08.2018
Designer Peter Schneyder (von links), die Künstler Peter Scior und Florence Girod, Professor Albrecht Fuess und Sylvie Cloutier vom Förderverein sowie Dr. Bilal Farouk El-Zayat von der Islamischen Gemeinde stellten die Lichtinstallation vor. Quelle: Ina Tannert
Marburg

Das Kunstprojekt deutet die fünf Säulen des Islams an, stellt symbolisch die spirituellen Pflichten für Moslems dar: „es zeigt die fünf Grundpfeiler – das Glaubensbekenntnis, das Gebet, das Fasten im Ramadan, Almosen geben und die Pilgerfahrt nach Mekka, die gerade stattfindet“, erklärt Dr. Bilal­ ­Farouk El-Zayat, Vorsitzender der Islamischen Gemeinde Marburg. Dahinter stehe der ­religiöse Schutzgedanke sowie das Ziel des Gläubigen, „ein besserer Mensch zu werden“.

Initiator des Lichtkunstprojekts ist der Förderverein für das Marburger Kultur- und Bildungszentrum mit Moschee, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Gründung der neuen Moschee öffentlichkeitswirksam zu begleiten und in der Bevölkerung für Akzeptanz zu werben.

Für das Kunstprojekt als Herzstück des Vorplatzes konnten zwei Berliner Künstler gewonnen werden: die Architektin Florence Girod und der Bühnenbildner Peter Scior hatten Konzept und Kunstwerk entwickelt. Designer Peter Schneyder aus Berlin realisierte die ­Installation „5 Säulen“.

Die Lichtröhren deuten die symbolische Säulenform lediglich an und sollen den spirituellen Ort hervorheben. Im Mittelpunkt stehe die Durchlässigkeit, Offenheit und Transparenz, im tatsächlichen wie im übertragenen Sinne: „Wir wollten keine geschlossene, sondern eine immaterielle und bilderlose Skulptur, die das Ganze auflockert, Luft und Licht hindurch lässt“, erklärt Scior.

Begehbare Lichtsäulen sollen Verständnis fördern

Verschiedene farbige Konstellationen stellen das Herz der Beleuchtung dar. Wie in anderen Religionen spiele Licht auch im Islam eine wichtige Rolle. Das Kunstwerk gilt bundesweit als einzigartig und besteht aus 40 Lichtsäulen, aufgeteilt in acht mal fünf Röhren aus Polycarbonat.

Für die Beleuchtung sorgen zahlreiche LED-Streifen im Inneren. Dadurch können ganz verschiedene Illuminationen erzeugt werden.

Das Farbkonzept soll je nach Wunsch der Gemeinde angepasst werden, mal stärker, mal zurückhaltender strahlen. Etwa zu bestimmten Anlässen, während des Ramadans ist ­eine intensivere Illumination geplant.

Die Einheit von Lichtkonzept, Form, Aufteilung und Symbolik sollen ebenfalls die Akzeptanz fördern: Die räumlichen Farbeffekte und offenen Stelen, durch die man fast hindurchgehen kann, sollen den Blick anziehen, den Betrachter einladen, mit den Kunstobjekten in Interaktion zu treten.

Und sich damit zugleich auf „lockere Art“ mit der Bedeutung, dem religiösen ­Aspekt auseinanderzusetzen. „Das passt sehr gut zu uns – das Zentrum steht allen offen, es soll keine Hürde geben, miteinander in Kontakt zu treten“, sagt El-Zayat.

Einweihung 
für Sonntag geplant

Diese gezielt offen gehaltene Anordnung nehme „dem Ganzen die Strenge, es soll Leichtigkeit vermitteln, die enge Wahrnehmung des Themas auflockern, bildlich wie auch ­innerhalb der Gesellschaft“, erklärt Professor Albrecht Fuess, Leiter der ­Islamwissenschaften der Universität und Vorsitzender des Fördervereins.

Insgesamt kostet das Kunstprojekt, das derzeit noch nicht abbezahlt ist, 120 000 Euro. Finanziert wird die Installation durch Spenden und durch Zuschüsse seitens der Stadt Marburg.

  • Am Sonntag, 26. August, findet ab 20 Uhr die Einweihung des Kunstwerks vor der Moschee, Bei St. Jost 17, statt. Das offizielle „Erleuchten“ der Säulen soll im Beisein von Vertretern der Stadt, der Islamischen Gemeinde und des Fördervereins mit einem musikalischen Rahmenprogramm erfolgen. Die ­offizielle Eröffnung des Zentrums samt ­Moschee wird wohl erst im kommenden Jahr stattfinden.

von Ina Tannert