Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Letzte Klappe fällt für „Grenzgang“

Romanverfilmung Letzte Klappe fällt für „Grenzgang“

Alle sieben Jahre dreht sich in Biedenkopf alles um den Grenzgang. Stefan Thome den Grenzgang 2009 seinen ersten Roman verarbeitet, der jetzt von WDR/Das Erste verfilmt wird.

Biedenkopf. Michael André, leitender Redakteur beim WDR, war gleich nach dem Erscheinen des Romans begeistert von dem Stoff. Mit viel Vorarbeit und Geduld wurden die Vorbereitungen getroffen. Dass dieses Jahr wieder ein Grenzgang stattfand, passte sehr gut. Unter der Regie von Brigitte Bertele wurde schon während des eigentlichen Grenzgangs dokumentarisch mitgefilmt.

Auch wenn man an den originalen Schauplätzen in und um Biedenkopf dreht, bleibt man beim fiktionalen Handlungsort „Bergenstadt“, so wie es Stefan Thome für seinen Roman gewählt hat. Manche Szenen waren nicht so einfach, weil die Orte im Roman zwar sehr detailliert beschrieben sind, sie aber in Wirklichkeit gar nicht existieren. Für die Szene in Kerstins Garten war ein Gärtner zwei Tage lang beschäftigt, bis er zu den Beschreibungen passte, erzählt die Regisseurin.

Insgesamt folgt das Drehbuch von Hannah Hollinger dem Roman in sehr weiten Teilen. Lediglich einige Nebenhandlungen wurden herausgekürzt und statt einen Zeitraum von drei Grenzgängen, ist im Film die Geschichte auf zwei Grenzgänge verdichtet. Im Vorfeld der Dreharbeiten wurde immer wieder Kontakt zu Thome gesucht. Er war für Fragen da, gab Auskunft, wo es nötig war und er hatte auch Einsicht in das Drehbuch. Der Autor war mit allen Änderungen einverstanden.

Nun brechen die letzten Drehtage an. Am kommenden Dienstag ist Abreisetag. Es folgen noch zwei Drehtage in Berlin, dann ist der Film im Kasten. Bisher sind alle zufrieden, man liegt voll in der Planung.

Für die Schauspieler waren die Dreharbeiten ein bisschen wie das Eintauchen in eine andere Welt. Alle Beteiligten sind sich einig: Direkt vor Ort zu drehen ist eine tolle Sache. Aber es ist klar, dass der Film Fiktion ist, die man aber ernst nehmen muss. Den echten Direktor, auf dem Hanns Zischlers Rolle basiert, möchte der aus dem Film „München“ bekannte Schauspieler daher nicht kennenlernen.

„Die Menschen hier sind schon eigen“

Für den Hauptdarsteller Lars Eidinger, der den Lehrer Thomas Weidmann spielt, war der Kontrast zu seinem Wohnort Berlin besonders enorm. Jeder kenne hier jeden, das Leben in Berlin sei dagegen völlig anonym. Das Leben in Biedenkopf scheint ihm sehr überschaubar, bietet aber auch große Konfliktpotenziale, meint er.

Beeindruckt war Eidinger, den man aus dem Tatort und Filmen wie „Verhältnisse“ und „Alle anderen“ kennt, besonders von den Komparsen. „Die Komparsen waren alle voll im Stoff“, erzählt er. Wenn sie ihn irgendwo gesehen hätten, hätten sie gleich gerufen: „Ah! Das ist der Thomas!“.

Gleich am ersten Drehtag ging es für Eidinger zum Grenzgang. Die perfekte Gelegenheit, um die Gegend und die Menschen kennenzulernen. Für Eidinger steht fest: „Die Menschen sind schon eigen“. Aber die Begeisterung für den Grenzgang hat ihn erwischt. Selbst bei der Nachstellung genoss er die tolle Stimmung, die wieder aufkam. Und er könne sich durchaus vorstellen, in einigen Jahren einen Grenzgang richtig mitzumachen.

„Grenzgang“ soll voraussichtlich in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres ausgestrahlt werden. Ein genauer Sendetermin steht noch nicht fest.

Von Mareike Bader

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg