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Lesung aus Friedrich Schillers Sensationsroman „Der Geisterseher“

Theater GegenStand Lesung aus Friedrich Schillers Sensationsroman „Der Geisterseher“

Dass die von „Theater GegenStand“ geplante Schiller-Veranstaltung voraussichtlich in den Januar verschoben wird, macht nichts: Denn die Ersatzlesungen, die am kommenden Samstag und Sonntag jeweils um 20 Uhr in der Waggonhalle beginnen, werden sicher nicht nur den Fans des großen Dichters gefallen.

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Geheimnisvolles Venedig.

Quelle: Brigitte Kehe

Marburg. Inga Berlin und Franziska Lüdtke sind beim Stöbern auf das seinerzeit wirtschaftlich erfolgreichste Werk des großen Dichters gestoßen, das heute kaum noch bekannt ist: „Der Geisterseher“ erschien 1787 als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift „Thalia“, als Schiller an seinem „Don Carlos“ arbeitete, aber dringend Geld brauchte.

Eher widerwillig schrieb er eine Folge nach der anderen, erzählte von dem Prinz, der inkognito in Venedig lebt und dort in Spiritismus, Intrigen, Liebesgeschichten und Verschwörungen verwickelt wird. „Der Geisterseher wird schlecht – schlecht, ich kann nicht helfen“, urteilte Schiller. Ganz anders sahen es die Kritiker und Leser. Sie stürzten sich auf die Geschichte, mit der Schiller Venedig als die Hauptstadt von Liebe, Lust und Tod etablierte, erklären Inga Berlin und Franziska Lüdtke. Thomas Mann nannte den „Geisterseher“ einen „prachtvollen Sensationsroman“ und ließ sich zu seinem „Tod in Venedig“ inspirieren.

Die ursprüngliche Fortsetzungsgeschichte erschien später in zwei Bänden, ein dritter enthält philosophische Gespräche – wohl damit’s nicht zu trivial wird. Vorlage für die Figur des Prinzen war ein würtembergischer Adliger. Eine weitere Rolle spielt der Graf, für den Schiller ein reales Vorbild in dem Trickbetrüger Cagliostro fand, der damals gerade festgenommen wurde. Schiller selbst war nie in Venedig, sondern verließ sich auf Beschreibungen, die ihm ein Freund lieferte. Der Roman ist superspannend und erinnert ein bisschen an „Akte X“, verspricht Franziska Lüdtke. „Und zeigt einen Schiller, wie man ihn nicht kennt, nicht so schwärmerisch, sondern eher sachlich formulierend“, ergänzt Inga Berlin.

Lesung „Der Geistseher“ 28. und 29. November ab 20 Uhr in der Waggonhalle. Eintritt: 6 Euro.

von Christine Krauskopf

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