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Marburg Leidenschaft trotz aller Differenzen
Marburg Leidenschaft trotz aller Differenzen
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18:47 28.04.2017
Celia Hirt und Jochen Nötzelmann standen in der Waggonhalle als Hannah Arendt und Martin Heidegger auf der Bühne. Quelle: Julia Mädrich
Marburg

Zwei leidenschaftliche Denker in einer emotionalen Liebesgeschichte. Vereint im festen Glauben an die Freiheit, separiert durch politische Differenzen und unüberwindliche Grenzen: So lässt sich der Inhalt von Ralph Günther Mohnnaus Theaterstück „Dämonie der Liebe – Martin Heidegger und Hannah Arendt“ im Wesentlichen zusammenfassen. Am Mittwoch und Donnerstag war das ebenso dramatische wie leidenschaftliche Zwei-Personen-Stück unter der Regie von Pernilla Raue-Deppeler in der Waggonhalle zu sehen.

1924 trifft der rebellische Philosophie-Professor Martin Heidegger in der Universitätsstadt Marburg erstmals auf die hochintelligente Studentin Hannah Arendt. Sie verlieben sich und beginnen eine Affäre. Dem aufkeimenden Nationalsozialismus steht Hannah Arendt von Anfang an negativ gegenüber. Heidegger hingegen geht als Rektor nach Freiburg und verbündet sich machttrunken in seiner Position mit den Nationalsozialisten. Die Liebenden trennen sich. Heidegger macht sich zahlreicher Verbrechen schuldig, während die jüdische Hannah Arendt gegen den Anti‑
semitismus kämpft und letztendlich nach Amerika flüchtet.

Celia Hirt und Jochen Nötzelmann als Arendt und Heidegger

Dort beginnt sie ihre Karriere als Publizistin, Journalistin und Dozentin. 25 Jahre nach ihrem Abschied treffen sich die beiden wieder. Arendt als erfolgreiche und international bekannte Wissenschaftlerin und Autorin, Heidegger als gefallener, bestrafter Mann, der noch immer versucht, seine Fehler zu rechtfertigen. Verbunden in der Liebe, entzweit durch ihre Geschichten, setzt das Verhältnis wieder ein.

Die Verbindung zur Universität Marburg bot die Grundlage zu der Inszenierung der wahren Geschichte. Celia Hirt und Jochen Nötzelmann, den ältere Marburger Theaterbesucher noch als früheres Ensemblemitglied des Hessischen Landestheaters kennen, setzten die beiden Rollen des Stücks mit Bravour um. Die Darsteller erweckten die Charaktere zum Leben und begeisterten das Publikum mit ihrem leidenschaftlichen und authentischen Spiel, gespickt mit expressiven Ausbrüchen und emotionalen Konfrontationen.

„Das Stück polarisiert."

„Die Umsetzung hat mich begeistert“, sagte nach der Aufführung der Besucher Roland Stürmer. „Als Marburger kennt man diese Geschichte und lebt mit ihr.“ Auch Darsteller Jochen Nötzelmann zeigte sich fasziniert von dem preisgekrönten Stück: „Das Stück polarisiert. Es handelt nun mal von dieser dämonischen Liebe zwischen verschiedenen politischen Gesinnungen und Differenzen.“

Die Geschichte von Heidegger und Arendt findet sich auch heute noch in zahlreichen literarischen Werken wieder, die sich mit Heideggers fortschrittlichen philosophischen Ansätzen und Arendts pluralistischer Auffassung eines freiheitlichen Staates auseinandersetzen. Die politische Theoretikerin und Publizistin wurde besonders durch ihr Hauptwerk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ sowie durch ihre Arbeit zum Eichmann-Prozess bekannt.

von Julia Mädrich

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