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Marburg Leichen und Lampenfieber an der Lahn
Marburg Leichen und Lampenfieber an der Lahn
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21:00 20.10.2010
Lahn-Leichen – Halloween Teen“ heißt der neuste Lokalkrimi, an dem auch Leon Bernhammer und Ulla Wraneschitz, mitgeschrieben haben. Quelle: Marie Lisa Schulz

Marburg. Schuld daran, dass Ulla Wraneschitz zur vierfachen Mörderin wurde, war ein langweiliger Krimi. „Das kann ich besser“, hat sie sich geschworen. Wasserleichen, die mag sie besonders gern. Solche, die leblos in der Lahn treiben. Leon Bernhammer, gerade mal 14 Jahre alt, hat bereits drei Menschen umgebracht. Verbrannt hat er sie. Wahlweise auch vergiftet. Hauptsache tot. Dafür hat der Gymnasiast sogar einen Preis gewonnen. Leon Bernhammer und Ulla Wraneschitz sind keine Straftäter sondern Autoren der Lokalkrimi-Serie „Lahn-Leichen“. Morden, das tun sie nur in ihrer Fantasie.

Ulla Wraneschitz hat schon immer gern geschrieben. Kleine Reden für Hochzeiten, nett formulierte Minibiografien im Familienkreis. Mittlerweile ermitteln aber auch ihre Hauptfiguren in drei Büchern der Lahn-Leichen. „Ich brauche Vollmondnächte, dann schreibe ich nachts durch“, erklärt die 51-Jährige. Der Bäcker von nebenan, die Bedienung aus dem Café – sie alle können sich in ihrem Marburg-Krimi wiederfinden.

„Die Recherche braucht mehr Zeit als das Schreiben selbst“, weiß Wranesschitz. Ihr Beruf als individual psychologische Beraterin hat ihr geholfen, sich in die Mörder, aber auch in die Opfer hineinzuversetzen. „Die Kunst ist nicht zu viel sondern zu wenig zu verraten“, erklärt die Autorin. Schließlich kann sie nichts weniger leiden, als durchschaubare Krimis.

Leon Bernhammers Motivation zum Stift zu greifen war eine völlig andere. Er, der lieber über Mathe und Physik als über dicken Schmöckern brütet, wurde im Deutschunterricht zum Schreiben für „Lahn-Leichen – Halloween-Teen“ aufgefordert. 18 Seiten Fantasie für eine bessere Note. Zwei Wochen hat er über seinem Skript gesessen. Der Handlungsort: Marburg. Wo sonst. Die Hauptfiguren: Alte Bekannte aus den Grimmschen Märchen.

Die Mühe hat sich gelohnt: Sein Krimi wurde nicht nur abgedruckt, sondern auch ausgezeichnet. Er, der Physiker, ist jetzt ein gefragter Nachwuchsautor. Bringt er in seiner Fantasie routiniert die Romanhelden um, schlägt er sich in der Realität mit banalen Problemen herum: Lampenfieber. Bei einer Lesung am Freitag, 29. Oktober in der Neuen Krone in Biedenkopf, wird er wahrscheinlich mit weiteren Lahn-Leichen-Autoren lesen. Wenn da nicht die mörderische Aufregung wäre...

von Marie Lisa Schulz