Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Lechtenbrink glücklich, Schanze nass
Marburg Lechtenbrink glücklich, Schanze nass
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:59 22.06.2012
Das obere Foto zeigt eine Szene aus „König Lear“ mit Volker Lechtenbrink (von links)Oda Pretzschner und Anja Brünglinghaus. Im rechten Bild ist Michael Schanze als Tevje in dem Musical „Anatevka“ zu sehen.Fotos: Uwe Zucchi Quelle: Uwe Zucchi
Bad Hersfeld

Auch mit 67 Jahren gibt es noch Herausforderungen für den Schauspieler Volker Lechtenbrink. Und er meistert sie mit Bravour. In Shakespeares „König Lear“ erlebt Lechtenbrink ein eindrucksvolles Comeback in der Stiftsruine – 15 Jahre nach seinem Abgang im Streit als Intendant des Freilicht-Theaterfestivals.

Lechtenbrink beginnt als eitler, stolzer König in staatlichem Gewand und endet als gebrochener, zerzauster und wahnsinnig gewordener Greis in löchrigem Lumpen. Als er sich nach mehr als zwei Stunden vor den rund 1500 Zuschauern verneigt, brandet ein langer, warmer Applaus auf – und Lechtenbrink, der eine enorme Energieleistung hingelegt hat, genießt es. „Mehr als Standing Ovations vom gesamten Publikum ist ja nicht möglich“, sagt er nach der Premiere der Nachrichtenagentur dpa: „Dass es so aufgegangen ist, ist beglückend.“

Für Lechtenbrink, den Charakterkopf und Multi-Künstler mit der unverwechselbar rauen Stimme, ist es nicht irgendein Engagement. „Es ist mit die schwerste Rolle, die ich bisher gespielt habe. Und ich habe schon viele schwere Rollen gespielt“, betonte er. „Ich wollte „König Lear“ gut spielen, dass die Leute es spannend, berührend und auch komisch finden.“ Regie führt dabei zwar Intendant Holk Freytag, umgesetzt wird aber Lechtenbrinks Fassung. Der Schauspieler würdigt das Zusammenspiel. „Es hat hervorragend geklappt. Wir konnten über alles reden“, bilanzierte Lechtenbrink.

Auch für Intendant Freytag ist es nicht irgendeine Regiearbeit. Seine Maxime: „Wir wollen vermitteln, dass starke Inhalte und gute Unterhaltung kein Widerspruch sind.“ Was die Zuschauer zu sehen bekommen, ist ein Intriganten-Stadel aus dem mittelalterlichen Britannien. Es herrschen Neid und Missgunst, und es kommt zu Streit, Mord und Totschlag.

In dem Ensemble stechen neben Lechtenbrink weitere Akteure heraus. Unter anderen Anja Brünglinghaus als älteste Tochter des Königs. Bernd Kuschmann mit Klasse und Format als Graf von Gloucester und Julian Weigend als ausdrucksstarker Edgar, der mit viel Körpereinsatz spielt. Für die heiteren Momente sorgt der Narr, sympathisch und entwaffnend von Annika Martens präsentiert.

Das Kostümbild wirkt authentisch, aber nicht zu verstaubt.

Hatte Lechtenbrink noch Wetterglück hieß es für „Zirkuspferd“ Michael Schanze bei der Premiere des Musicals „Anatevka“: Singin’ in the Rain. Wegen des Unwetters wurde die Vorstellung für 20 Minuten unterbrochen. Michael Schanze war danach tropfnass, aber glücklich.

Der ehemalige Showmaster und Fernsehliebling, konnte einem leidtun. Erstmals Musical, erstmals auf der Freilichtbühne der Bad Hersfelder Festspiele - und dann das: Der Himmel öffnete am Dienstagabend seine Schleusen, und es goss wie aus Kübeln. Der 65-jährige Altstar hielt sich zwar wacker, wurde aber pitschnass.

„Ich habe so etwas noch nie erlebt. Das war ein riesen Wolkenbruch. Aber wenn man hier spielt, muss man mit allem rechnen. Ich kann aber künftig darauf verzichten“, sagte Schanze, der sich mit seiner Ehefrau Golde (Marianne Larsen) in ein durchnässtes Bett legen musste. Er hätte aber nicht gewollt, dass die Vorstellung abgebrochen wird: „Dafür bin ich zu viel Zirkuspferd“, sagte der Darsteller, der auf unbekanntem Terrain einen guten Auftritt mit einnehmender Ausstrahlung hinlegte.

Besonders kritisch wurde es für die Musiker, die vor der Bühne im Orchestergraben saßen. Weil das Wasser dort hinein lief und die Instrumente sowie die Technik zu beschädigen drohte, musste unterbrochen und alles mit Planen abgedeckt werden. Selbst einige Zuschauer in den ersten Reihen unter dem Zeltdach wurden nass und griffen zu Regenschirmen.

Regisseur Stefan Huber zollte Lob: „Die Leute auf der Bühne waren so was von tapfer und haben durchgezogen. Zwischenzeitlich hatte ich befürchtet, dass wir ganz abbrechen müssen.“ Die Zuschauer bekommen in rund zweieinhalb Stunden Spielzeit ein vergnügliches Musical zu sehen. Regisseur Huber präsentiert eine humorvolle und kreative Inszenierung mit schwungvoller Musik und einem harmonierenden Ensemble, aus dem Schanze herausragte.

Das Programm und Karten unter: www.bad-hersfelder-festpiele.de

von Jörn Perske

Vom Hals abwärts gelähmt, seit zwei Jahren ans Bett gefesselt. Über ihr Leben, und ihre Erlebnisse als „Behinderte“ in einer gesunden Gesellschaft hat die 25-Jährige Maria Langstroff ein Buch geschrieben.

02.07.2012
Landkreis Unsere Heimat von oben - Auf der Suche nach Indianerzelten

Rund 300 OP-Leser beteiligten sich am Dienstag am Luftbilderrätsel. Viele erkannten die Dammühle bei Wehrshausen, einige tippten auch auf das Hofgut Fleckenbühl bei Schönstadt.

04.08.2010

Das Themenjahr „Grimm & Co" endet, wie es begonnen hat – mit Literatur. Seit 1. Dezember gibt es in vier Marburger Bäckereien und Konditoreien Lyrik zu Brötchen und Kuchen.

19.09.2018
Anzeige